HistoGames im Unterricht?! (Alexander Buck, Andreas Körber)

Buck, Alexander; Körber, Andreas (2018): HistoGames im Unterricht?! Geschichtsdidaktische Perspektiven auf eine aktuelle Geschichtssorte. Fragen und Überlegungen aus Anlass eines Lehrerbildungsprojekts an der Universität Hamburg. In: Historisch Denken Lernen. Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik der Universität Hamburg. 26.11.2018.

Geschichtsdidaktische Perspektiven auf eine aktuelle Geschichtssorte. Fragen und Überlegungen aus Anlass eines Lehrerbildungsprojekts an der Universität Hamburg

Geschichtsbezogene digitale Spiele in der Schule – inwiefern ist das wirklich ein Thema mit eigenem Wert für Geschichtsdidaktik und Lehrer*innenbildung? — ein follow-up zu Nico Noldens jüngstem Beitrag im Blog „gespielt“ des Arbeitskreises Geschichtswissenschaft und digitale Spiele (Nolden 2018b).

In der Wissenschaft wie in der Öffentlichkeit erfahren geschichtsbezogene Computerspiele in den letzten Jahren eine erhöhte Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Grundlage ist ihr hoher Anteil sowohl an der gegenwärtigen Produktion von Geschichtsmedien als auch an der Mediennutzung heutiger Jugendlicher.

Als eine Begründung für eine Nutzung solcher Spiele im Unterricht reicht vielen Lehrer*innen und Lehramtsstudierenden die Faszination für Vergangenheit und Geschichte, die solche Spiele offenkundig nicht nur bedienen, sondern auch aktualisieren oder überhaupt erst hervorrufen, aber offenkundig (und zu Recht) nicht aus. Darauf deuten jedenfalls auch die Rückmeldungen hin, die wir (die Arbeitsbereiche Public History und Geschichtsdidaktik an der Universität Hamburg) von Schulen und Kolleg*innen in Hamburg und im Umland auf Anfragen zur Beteiligung an unserem Lehr- und Entwicklungsprojekt „HistoGames“ erhalten haben, in dem wir fachwissenschaftliche und fachdidaktische Perspektiven auf historische Digitale Spiele nicht nur theoretisch, sondern auch personell zusammenbringen, insofern einerseits Lehrende der Public History (Nico Nolden) und der Fachdidaktik (Alexander Buck und Daniel Giere) die Veranstaltungen gemeinsam leiten, andererseits Lehramts- und Fachwissenschafts-Studierende gemeinsam unter Einbringung ihrer jeweiligen Perspektiven gemeinsamen Spiele analysieren, Unterrichtskonzepte dazu entwickeln und ihre Nutzung sowie die dabei zu beobachtenden Prozesse historischen Denkens und Lernens erforschen.

Hintergrund einer derart komplexen Thematisierung des Phänomens „digitale historische Spiele“ sind eine Reihe untereinander durchaus in Spannung stehende – Problem- und Fragestellungen; darunter: inwiefern die Nutzung solcher Spiele im Geschichtsunterricht …

  • geeignet ist, mit aktuellen interaktiven Medien sozialisierte und von ihnen faszinierte Jugendliche für eine Beschäftigung mit Geschichte zu begeistern, wie sie etwa im Bericht von Elena Schulz in GameStar aufscheint (Schulz 2018), oder aber
  • auf eine Kapitulation des Geschichtsunterrichts vor Geschichtsbildern und -interpretationen hinaus, die produziert wurden von den Nutzer*innen unbekannt bleibenden, wissenschaftlich nicht ausgewiesenen Autor*innen mit kaum zu durchschauender Kombination wirtschaftlicher und politischer Interessen (vgl. etwa die Debatte um die politische Positionierung der Autoren von „Wolfenstein II“; vgl. auch allgemeiner Meyer o.J.); bzw.
  • inwiefern ein spezieller Einsatz solcher Spiele überhaupt nötig ist, weil schon ein konventioneller, umfassender auf Kenntnisse ausgerichteter Geschichtsunterricht eine zuverlässige Basis bzw. Folie gesicherter Informationen und Deutungen dafür bereitstellt, dass jugendliche Nutzer*innen das ihnen darin Begegnende einordnen können, bzw.
  • allgemeine, für andere Medien (u.a. Bilder, Videos, Museen, Ausstellungen, Webseiten usw.) entwickelte Konzepte, Kompetenzen und Fähigkeiten ausreichen, um auch die in solchen Spielen enthaltenen Geschichten für Jugendliche wirksam im Unterricht zu de-konstruieren.

Hinzu kommt die Frage, inwiefern die beim Umgang mit solchen Spielen ablaufenden kognitiven und emotionalen Prozesse sowie die dazugehörigen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bereitschaften überhaupt wesentlich als historisch aufgefasst werden und damit einer disziplinspezifischen Analyse und Förderung unterzogen werden können. Werden sie nicht zumindest weitestgehend überlagert von nicht-historischen Facetten einer Faszination durch Technik, Interaktivität und Agency – gewissermaßen medial, nicht historisch bestimmter Macht- (und ggf. auch Leidens-)Phantasien?

Inwiefern und mit welchen Fragestellungen und Zielen sollte also Geschichtsdidaktik sich mit solchen Spielen befassen und Geschichtsunterricht sie nutzen?

Unter den Studierenden, die sich überaus reichlich für dieses thematisch und strukturell innovative Lehrexperiment anmeldeten (so das gar nicht alle zugelassen werden konnten), zeigten sich gleich zu Beginn durchaus unterschiedliche Perspektiven und Zugänge zum Gegenstand: Während für einige Studierende das Feld der digitalen historischen Spiele selbst noch eher neu ist und sie Erkundung, Analyse und Didaktisierung miteinander verschränken (müssen), sind auch einige darunter, die einerseits als „Zocker“ (so eine Selbstbezeichnung) mehr als ausreichende Kenntnisse einzelner (nicht nur historischer) Spiele und Expertise in ihrer Bewältigung („in GTA5 kenne ich jede Straße“) besitzen, ebenso aber von abwertenden Kommentaren über ihr Hobby in Schule berichten.

Dieses Spannungsfeld zwischen hoher und geringer Erfahrung, aber auch unterschiedliche erste Vorstellungen wie denn solche Spiele zum Gegenstand historischer, geschichtskultureller und fachdidaktischer Forschung, Erkundung und Entwicklung werden können, machen einen wesentlichen Reiz des Lehrprojekts aus, geht es doch – gerade auch angesichts der rasanten Taktung neuer technischer und medialer Möglichkeiten und neuer Entwicklungen einzelner Spiele – nicht darum, eine gewissermaßen über viele Jahre hinweg erarbeitete und gesättigt vorliegende Theorie und Methodik einfach den Studierenden zu vermitteln, sondern vielmehr anhand einer Auswahl mehr oder weniger aktueller Spiele gemeinsam Kategorien und Kriterien für eine Analyse (bzw. De-Konstruktion) zu entwickeln (wobei auf umfangreiche Vorarbeiten von Nico Nolden in seiner Dissertation zurückgegriffen werden kann; vgl. Nolden 2018a; vgl. auch Nolden 2018b) und diese Ergebnisse und eigenen Einsichten zu nutzen für die Entwicklung didaktischer Konzepte, welche die Befähigung von jugendlichen Lernenden zur reflektierten und reflexiven Auseinandersetzung mit solchen Spielen und ihrer Bedeutung für das eigene Verständnis von Geschichte zum Ziel haben. Neben den von Daniel Giere im letzten Teil des ersten Seminars einzubringenden didaktischen Konzepten liegen hierfür mit den Konzepten des reflektierten und selbst-reflexiven Geschichtsbewusstseins sowie der Kompetenzen Historischen Denkens der FUER-Gruppe (Körber et al. 2007) Grundlagen vor. Ob und wie diese jeweils für konkrete, auf einzelne Spiele und konkrete Lerngruppen ausgerichtete Unterrichtskonzepte und wiederum für allgemeine didaktische Handreichungen genutzt werden können oder aber ggf. adaptiert und ggf. ergänzt werden müssen, wird Gegenstand der Arbeit im zweiten Projektsemester sein.

Auch hier können (und sollen) die Praktikums-Tandems aus Lehramtsstudierenden einerseits und die Tandems aus Fachwissenschafts-Studierenden sich ergänzen, etwa indem letztere – ggf. auf der Basis von Beobachtungen, Einzel- und Gruppeninterviews mit jugendlichen Spieler*innen, Lehrpersonen, aber auch ggf. anderen Beteiligten (Autor*innen, Kritiker*innen etc.) – weitere Analysen der medialen und performativen Konstruktion von Sinn erarbeiten, die wiederum in didaktische Handreichungen eingehen können.

Was interessiert(e) unsere Studierenden zu Beginn des Projekts?

Die in gemischten Tandems (aber getrennt nach interessierenden Spielen) aufgrund erster eigener Exploration entwickelten ersten Zugriffe, Frage- und Problemstellungen lassen vornehmlich zwei Aspekte erkennen: (1) Die Frage nach der „Authentizität“ digitaler Spiele und (2) die Entwicklung konkreten Unterrichtshandelns u.a. mit der Idee Perspektivität als Analysedimension zu erproben. Mögen diese Zugriffe und Problemdimensionen auch zunächst noch sehr unterschiedlich wirken und als eher getrennt voneinander zu bearbeiten erscheinen, so lässt sich doch erwarten, dass sie sich in wohl kurzer Zeit als eng aufeinander verwiesen und miteinander verflochten erweisen werden.

Im Folgenden sollen einige mit dem historischen Denken und Lernen zusammenhängende Problemfelder (digitalen) historischen Spielens beleuchtet werden, die für deren Analyse und unterrichtliche Thematisierung relevant werden können, die aber durch weitere, im Projekt von den Studierenden zu entwickelnde oder aber empirisch herauszuarbeitende Aspekte ergänzt und modifiziert werden können (und müssen). Denn auch darum wird es in unserem Lehrprojekt gehen, dass nicht einfach vorhandene Einsichten und Konzepte „umgesetzt“ werden, sondern dass Geschichtsstudierende mit und ohne das Studienziel Lehramt gemeinsam diesen Komplex medialen Bezugs auf die Vergangenheit gemeinsamen explorativ erforschen.

Zu 1: Authentizität versus Plausibilität

Nicht verwunderlich war, dass die Frage der „Authentizität“ der Spiele einen relativ großen Stellenwert einnahm. In welchem Verhältnis dabei ein Verständnis von „Authentizität“ im Sinne einer „korrekten Abbildung“ der wirklichen Vergangenheit zu weiteren denkbaren Aspekten und Dimensionen bzw. gar Verständnissen von „Authentizität“ steht, wird im weiteren zu thematisieren und zu diskutieren sein. Schon bei klassischen Medien der Historie ist die Vorstellung einer mehr oder weniger gelingenden „Abbildung“ oder Repräsentation der vergangenen Realität problematisch, insofern sie die spezifische, durch zeitliche, soziale, kulturelle, politische und weitere Positionalitäten, aber auch Interessen, Fragehaltungen und schließlich persönliche Vorlieben, der jeweiligen Autor*innen geprägte Perspektivität und die Bindung jeder Darstellung an den (wie auch immer reflektierten) Verstehenshorizont der Erzählzeit verkennt. Neben die Plausibilität des Erfahrungsgehalts („empirische Triftigkeit“) müssen als Kriterien der Qualität historischer Darstellungen und Aussagen somit schon immer diejenigen der normativen Triftigkeit (also der Relevanz-, Werte- und Normenhorizonte) und der narrativen Triftigkeit(en) sowie ggf. der Plausibilität der darin angehenden Konzepte und Theorien („theoretische Plausibilität“ nach Rüsen 2013) treten, die allesamt nicht einfach in einem binären (gegeben-nicht gegeben) Modus oder als einfache Ausprägungsskala zu denken sind, sondern über die Grade der intersubjektiv nachvollziehbaren Begründung und somit den Grad des expliziten Einbezugs möglicher Einwände gegen die empirische Grundlage, die Perspektiven und Werte sowie die Konstruktion der Erzählung operationalisiert werden müssen.

Rezipient(en) als Ko-Konstrukteur(e) historischer Narrationen

All dies gilt auch für andere interaktive und performative Formen der „Vergegenwärtigung“ von Geschichte. Hinzu kommt für digitale Spiele jedoch die deutlich größere „Rolle“ der Rezipienten für die Entstehung einer historischen Narration. Selbst bei den klassischen Medien (Buch, Film) ist nicht davon auszugehen, dass eine „im Material angelegte“ Narration 1:1 von jeder/m Rezipienten identisch „wahrgenommen“ wird, sondern vielmehr, dass die Rezeption selbst ein aktiver Vorgang ist, der wesentlichen Anteil an der Konstruktion einer historischen Sinnbildung ist.

Selbst klassische performative Medien wie etwa ein (Geschichts-)Theater oder Vortrag, die nach dem Moment der Wahrnehmung nicht mehr in derselben Form vorliegen (also „flüchtig“ sind), haben zumeist eine weitgehend festgelegte, für alle Rezipienten gemeinsam gültige Form. Dies ist bei interaktiven Medien wie Spielen anders. Hier haben die Spielenden selbst einen erheblichen Einfluss auf die konkrete Form des ihnen entgegentretenden narrativen Angebots, das sie nicht nur im Wege der Rezeption, sondern ebenso der Interaktion zu ihrer eigenen Sinnbildung „verarbeiten“ müssen. Während es bei den klassischen Geschichtsmedien nicht-flüchtiger wie auch (auf der Basis verschriftlichter Vorlagen oder auch nachträglicher Dokumentation) weitgehend möglich ist, die „Angebots“-Seite (d.h. die Darstellung) als solche zu analysieren („de-konstruieren“) auf ihren Erfahrungsgehalt, die in (an?) ihnen erkennbaren Konzepte, Relevanzaussagen, Werte und Normen sowie Erklärungsmuster der Autor*innen, erlauben interaktive Spiele zumindest ideell eine unendliche und im Vorhinein kaum bestimmbare Variation an Verläufen und damit Narrationen. Jegliche Analysen (De-Konstruktionen) müssen somit mindestens zwei Ebenen trennen, nämlich (1) die „von außen“ nicht konkret erkennbare Tiefendimension der in die Spielregeln bzw. Algorithmen auf der Basis von „Vergangenheitspartikeln“, Normen und narrativen Konzepten einprogrammierten Entscheidungs- und Varianzstellen und der dadurch möglichen potentiellen Narrative, sowie die in der Interaktion mit den (ggf. mehreren!) Spielenden entstehenden aktualisierten Narrative.

Letztere entstehen ggf. auch bei völlig zufälligem, keinem konkreten Muster oder einer Strategie folgenden Agieren der Spielenden, werden aber zumeist mit – nicht aber allein – bestimmt sein durch ihre eigenen Perspektiven, ihre Horizonte an Wert-, Norm- und Zusammenhangsüberzeugungen und ihrer Geschichtsbilder (wie auch immer bewusst sie sind). Sie sind somit abhängig von Ausprägungen des Geschichtsbewusstseins sowie Prozessen des historischen Denkens und beeinflussen ihrerseits beide (vgl. Körber 2018).

Didaktische Relevanz digitaler Spiele

Damit sind historische Spiele als performativ-interaktive Geschichtssorten hochgradig didaktisch relevant. Nicht nur insofern die von ihnen in Form einprogrammierter potentieller Narrative angebotenen1 Ausprägungen von Geschichtsbewusstsein, konkrete Geschichtsbilder und Kenntnisse sowohl bestätigen und ggf. differenzieren und erweitern können, sondern auch ihnen widersprechen, sie herausfordern und konterkarieren, bedürfen sowohl die Rezeption (oder besser: Nutzung) als auch die Kommunikation über Spielerfahrungen und Herausforderungen selbst historischer Kenntnisse, kategorialen Wissens und der Fähigkeit zur De und Re-Konstruktion, sondern gerade auch, insofern der interaktive performative Prozess jeweils neue Narrative und Bilder in einer sonst kaum erfahrbaren Geschlossenheit und Dynamik produziert. Wo klassische Medien der Geschichte entweder per wiederholter Rezeption entweder des Originals (erneute Lektüre) oder aber einer Dokumentation in einiger Tiefe und Genauigkeit analysiert und de-konstruiert werden können, bevor man sich zu ihnen verhalten muss, erzeugt die Interaktivität des Spielens die Notwendigkeit von Analysen der jeweils emergenten Situationen in actu – einschließlich ihrer Einbettung in das emergente Narrativ und in das Geschichtsbild und -verständnis der/des Spielenden. Die eigene Aktivität selbst im Reagieren auf konkrete Situationen kann dabei ggf. zu einer Form der Beglaubigung sowohl der wahrgenommenen Einzelheiten und Situationen als auch der tieferliegenden Logiken des Handelns werden.

Analysen historischer Spielen, die nicht nur die Präsentations- (bzw. Angebots-)Seite in den Blick nehmen, sondern die bei den Spielenden wirksam werdenden Prozesse des historischen Denkens (ebenso) berücksichtigen wollen, müssen somit über die Analyse einzelner konkreter aktualisierter Narrative hinaus die darunter liegenden, in der Anlage des Spiels, dem Regelwerk bzw. der Programmierung und den in sie eingegangenen Konzepten, Handlungsmöglichkeiten etc. erkennbaren potentiellen Narrationen ebenso in den Blick nehmen wie die in der Interaktion mit den Spielhandlungen emergenten Prozesse historischen Denkens der Spielenden. Zu analysieren sind somit nicht nur materiale Erzählungen medialer Art, sondern wesentlich auch performative Prozesse des historischen Denkens.
Hieraus lässt sich fragen, inwiefern die Nutzung von interaktiven historischen Spielen gleichzeitig Chancen für historisches Lernen bietet (und in welcher Form), und inwiefern es auf bestimmte (ggf. gegenüber herkömmlichen Konzepten veränderte) Ausprägungen historischer Kompetenzen angewiesen ist (und wie beide miteinander interagieren).

Zu 2: Wie kann nun Schule und schulischer Geschichtsunterricht dazu beitragen?

Auch wenn digitale historische Spiele ein noch recht junges Untersuchungsfeld der Geschichtsdidaktik darstellen (früh: Grosch 2002; Bender 2012; Kühberger 2013), gibt es bereits eine Reihe von Unterrichtskonzepten (z.B. Giere 2018). Auch in den Gruppen unseres Seminars wurden in einem ersten Schritt unterrichtspragmatische Ansätze thematisiert.

Dass mit dem Spielen fiktionaler Spiele direkt valides Wissen über vergangene Realität gewonnen werden kann, mag vielen mit Konzepten des historischen Lernens Vertrauten einigermaßen naiv erscheinen. Dennoch ist die Vorstellung keineswegs aus der Welt, wie – sowohl zu Werbezwecken behauptet, aber auch in Schilderungen von Spielerfahrungen zu finden – das Beispiel der Explorer-Funktion der neueren Versionen von Assassins Creed zeigt. Außerhalb kriegerischer Spielhandlungen ermögliche das Spiel seinen Nutzern, die vergangene Welt (konkret: Ägyptens) zu erkunden und zu erfahren, wie es damals war.2

Die frühen Unterrichtsvorstellungen unserer Studierenden gehen deutlich andere Wege. Im Vordergrund steht die Vorstellung einer eher kontrastiven Positionierung von Spielerfahrung und „Realgeschichte“, sei es im Sinne der Einwicklung von Fragestellungen zur spielexternen Geschichte aufgrund spielinterner Erfahrungen oder durch explizite Vergleiche – etwa durch Kontrastierung mit wiederum spielexternen Quellen und Darstellungen.

In den Grobkonzepten der Gruppen tauchten immer wieder viele konkret unterrichtspragmatische Vorschläge zum Umgang mit digitalen Spielen auf. Genannt wurden die gemeinsame Entwicklung von Fragestellungen, die Kontrastierung von Spielszenen mit historischen Fotos und/oder Quellen. Daran schließt sich die Frage der Zielperspektive von Geschichtsunterricht an. Welche Funktion haben all diese Vorschläge für historisches Lernen und was verstehen wir überhaupt darunter?

Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang die Rolle von Wissenserwerb über „die“ Vergangenheit durch digitale Spiele. Überdies wurden die Teilnehmer*innen konfrontiert mit der Vorstellung eines Aufbaus von Kompetenzen historischen Denkens mit dem Ziel der Entwicklung und Erweiterung eines reflexiven und (selbst)reflexiven Geschichtsbewusstseins (Schreiber 2002; Körber et al. 2007). Für digitale Spiele wurde die Frage diskutiert, inwiefern die dichotomische Vorstellung einer „Zwei-Welten-Lehre“ zur weiteren Erforschung sinnvoll sein könnte (dazu Körber 2018).

Die spielerfahrenen Teilnehmer*innen konnten hier wertvolle Impulse liefern. So berichtete eine Studentin von spielinternen Kontingenzsituationen. Inwiefern diese durch historisches Denken innerhalb des Spiels bewältigt werden können, wäre beispielsweise ein Forschungsprojekt. Ob spiel-externes Wissen – hier: zu den europäischen Bündnissystemen – innerhalb von digitalen Spielen erfolgreich genutzt werden kann, wurde ebenfalls diskutiert. Ein anderer studentischer Beitrag stellte eigene spielerische Zeiterfahrungen in den Mittelpunkt: In einem Strategiespiel war ein (selbst aufgebautes) mächtiges Reich plötzlich untergegangen. Der Spieler hatte jetzt die Idee, in der Zeit – das war durch die Spielmechanik erlaubt – zurück zu reisen, um die Ursachen für diesen Niedergang zu ergründen und möglicherweise die Spielvergangenheit entsprechend zu manipulieren. Für die Umsetzung im Geschichtsunterricht vertrat eine größere Gruppe die Ansicht, es müsse aufgrund unserer Diskussion nach Möglichkeiten gesucht werden, Spielerfahrung(en) selbst zum Reflexionsgegenstand zu machen. Vielleicht müssen dazu Methoden der empirischen Sozialforschung (z.B. nachträgliches lautes Denken) zumindest in einer pragmatischen Form Einzug in den Geschichtsunterricht erhalten.

Multiperspektivität

Als Qualitätskriterium und zur Einschätzung der Eignung eines digitalen Spiels für den Geschichtsunterricht bietet sich – zumindest auf den ersten Blick – die Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven im vergangenen Geschehen an. Dies war auch von unseren Studierenden früh formuliert worden. Indem interaktive Spiele es ermöglichen, Rollen zu wechseln, werde die Mono-(retro-)Perspektivität des traditionellen Master-Narrativs und vieler klassischer Texte durchbrochen. Wenn (und insofern) Spiele es dabei nicht nur erlauben, unterschiedliche, aber letztlich kaum unterschiedene Individuen zu verkörpern, sondern in sozial, politisch, kulturell oder auch geschlechtlich unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, wäre damit zumindest in fiktionaler, hypothetischer Ausprägung eine wesentliche Forderung geschichtsdidaktischer Präsentation und /oder Inszenierung erfüllt. So können zumindest potentiell unterschiedliche zeittypische Wahrnehmungen und Interessen in Bezug auf ein gleiches (gespieltes) Ereignis simuliert und über ihre Unterschiedlichkeit diskutiert werden. Wenn diese unterschiedlichen Rollen und Perspektiven mittels perspektivischer Quellentexte (bzw. auf ihnen basierender Derivate) charakterisiert werden, ist Multiperspektivität im engeren Sinne, zumindest ansatzweise gegeben. Wo dies aufgrund mangelnder Quellenverfügbarkeit nicht der Fall ist, könnte man versucht sein, die auf Klaus Bergmann zurückgehende Forderung, auch die Perspektive der „stummen Gruppen“ der Vergangenheit zu berücksichtigen, erfüllt zu sehen.3

Inwiefern die Kriterien der Multiperspektivität aber wirklich oder nur vermeintlich als erfüllt gelten können, bzw. – gerade auch dem Nutzer – ein falscher Eindruck diesbezüglich vermittelt wird, bedarf jeweils der theoretischen Reflexion4 wie einer genauen Analyse der konkreten Spiele. Hierzu ist etwa zu analysieren,

  • inwiefern die Charakteristika der wähl- und wechselbaren Rollen mit sowohl triftigen als auch für die/den Spieler*in erkennbaren historischen Informationen „belegt“ bzw. gestützt sind,
  • inwiefern das Spiel nicht nur das Erfüllen einer Verhaltensvorgabe in einer prototypischen Situation erfordert oder aber dazu beiträgt, dass Strukturen und Abläufe historischer Situationen aus einer rollen-spezifischen Perspektive aus zu beurteilen sind,
  • und andere Aspekte mehr.

Darauf aufbauend bedarf darf die Einschätzung, inwiefern etwaige Möglichkeiten einer Rollenübernahme bzw. die Präsentation unterschiedlicher Figuren in Spielen auch zur multiperspektivischen Präsentation von Vergangenheit und zur unterrichtlichen Reflexion geeignet sind, weiterer didaktischer Überlegungen. Zu reflektieren ist jeweils allgemein und auf ein konkretes Spiel bezogen,

  • (wie) (ein) Spiel(e) so eingesetzt werden kann/können, dass Schüler*innen nicht fraglos (immersiv) in eine Perspektive hineingestellt werden und in ihr verbleiben, sondern dass es ihnen möglich wird, den Konstruktcharakter nicht nur der Geschichte an sich, sondern der Perspektive (= Position + Interessen, Handlungsoptionen) selbst zu erkennen und zu reflektieren,
  • (wie) in einem unterrichtlichen Zusammenhang sichtbar und diskutierbar gemacht werden kann, ob bzw. inwiefern Schüler*innen diese retrospektive, auf einem Geschichtsbild basierende Ausgestaltung ihrer „Rolle“ bewusst wird, und wie ihnen Einsichten dazu ermöglicht werden können,
  • welche Irritationen und Einsichten sowie Fragen an das Medium „Spiel“ und seine Bedeutung bei Schüler*innen angestoßen werden und welche Bedeutung deren Reaktionen für a) die Theoriebildung über und Evaluation von Spielen als Geschichtssorte und b) die Entwicklung schulischen Geschichtsunterrichts als einer Instanz haben, die zu kritischem reflektiertem Umgang mit der Geschichtskultur befähigt.
Historische Spiele nur etwas für „Zocker-Schüler*innen“?

Unterrichtskonzepte, die diese Fragen zum Ausgangspunkt von Didaktisierung und Operationalisierung machen, setzen keineswegs voraus, dass Schüler*innen im Unterricht (oder häuslich zur Vorbereitung) extensiv spielen. Dies wird einerseits aufgrund unterschiedlicher häuslicher und auch schulischer Ausstattung nicht immer möglich sein, in manchen Fällen auch wegen Bedenken von Eltern oder aufgrund nicht immer jugendfreien Charakters der Spiele. Zudem dürfte die Komplexität vieler Spiele jegliche Vorstellung einer Thematisierung in toto von vornherein ausschließen. Es wird also schon aus pragmatischen und organisatorischen Gründen erforderlich sein, auszuwählen, zu fokussieren und ggf. auch Materialien über solche Spiele bzw. solche, welche Spiele und Spielverläufe dokumentieren, einzusetzen an Stelle des ganzen Spiels selbst. Dies ist aber auch aus didaktischen Gründen sinnvoll.

Unterrichtliche Nutzung von Geschichtssorten soll ja weder diese Geschichtssorten selbst unterrichten noch sie als einfaches Medium zur Vermittlung von Fachwissen einsetzen, sondern sie selbst zum Gegenstand machen. Das beinhaltet überdies, dass weder eine Affinität zu solchen Spielen Bedingung für die unterrichtliche Beschäftigung mit ihnen sein kann noch eine persönliche (oder häusliche) Distanz zu diesen Medien ein Grund für eines Dispens darstellt. Digitale historische Spiele als Medien der heutigen Geschichtskultur müssen ebenso im Unterricht thematisiert werden können wie beispielsweise Denkmäler, Museen und Filme.

Mögliche Umsetzung im Geschichtsunterricht

Einige – zunächst noch theoretische – Möglichkeiten seien skizziert:

  • Zwei kontrastive Spielverläufe vergleichbarer („gleicher“) Szenen werden als (Video-)Protokoll vorgelegt und die entstehenden unterschiedlichen Narrationen verglichen sowie die Rolle der jeweils getroffenen Entscheidungen für diese unterschiedlichen Darstellungen diskutiert und reflektiert.
  • Bei Spielen, in deren Verlauf jeweils mehrere unterschiedliche Entscheidungen zu treffen sind, spielt eine mit mehreren Computern ausgestattete Gruppe an eine Reihe solcher Entscheidungen jeweils in Gruppen unterschiedlich durch und erzählt im Anschluss (nach mehreren solcher Entscheidungen) die unterschiedlichen Verläufe nach, so dass die Bedeutung der „agency“ der Spielfigur für das entstehende Narrativ sichtbar wird.
  • Eigene und fremde Spielerfahrungen von Schülerinnen und Schülern werden zum Gegenstand der Reflexion gemacht.
  • Schüler*innen können ausgewählte Szenen einzelner Spiele selbst spielen und ihre eigene (in geeigneter Form gesicherte) Erfahrung sowie die dabei entstandenen eigenen Fragen anschließend mit zuvor erhobenen Protokollen anderer Spieler*innen vergleichend auswerten. Hierzu eignen sich ggf. Protokolle in actu oder nachträglich stattfindenden lauten Denkens (stimulated recall; vgl. Messmer 2015, s. auch Lenz und Talsnes 2014).
  • Wenn die Möglichkeit eigenen Spielens mit Dokumentation im Unterricht nicht oder nur in geringem Umfang gegeben ist, können auch (ggf. nur kurze, ein „look and feel“ vermittelnden eigenen Spielens oder der Vorführung eines ausgewählten Spielverlaufs) möglichst unterschiedliche (visuelle und textlich vorliegende) Spielprotokolle vergleichend ausgewertet werden.

Bei all diesen Methoden wird es darauf ankommen, dass nicht einfach Fragen des Gelingens/des Spielerfolgs im Mittelpunkt stehen, sondern die Wahrnehmungen der gestalteten Spielsituation, der ggf. von der/dem Spielenden verlangten Entscheidungen und ihres Verhältnisses zu ihrem Geschichtsbild (der Vorstellung von der jeweiligen Vergangenheit) und zu ihrem Geschichtsbewusstsein ankommen. Zu letzterem gehören etwa die (ggf. noch eher unbewussten) Vorstellungen davon, inwiefern „damaliges“ Handeln und die zugehörige Moral sich von heutigen unterscheiden, die bei Schüler*innen gegebenen Vorstellungen von Macht, Herrschaft, Gewalt, Gut und Böse, aber auch ihre Überlegungen zu Authentizität und Triftigkeit der jeweils präsentierten Geschichte.

Was ist eigentlich „Geschichte“?

Somit werden nicht nur konkrete Spiele und Spielszenen sowie spiel-immanentes Handeln thematisch für Geschichtsunterricht. Er muss vielmehr auch das Augenmerk auf die Vorstellungen und Begriffe der Schüler*innen davon richten, was Geschichte, welche Funktion und Bedeutung sie für die Gesellschaft allgemein sowie für sie als Individuen besitzt – und über die Rolle historischer Spiele als „Geschichtssorte“ im geschichtskulturellen Gefüge.

Inwiefern etwa nehmen Schüler*innen die Darstellung von Geschichte in solchen Spielen und die in der Gesellschaft und Schule sonst verhandelte Geschichte als zusammengehörig oder aber als deutlich voneinander getrennt wahr? Inwiefern werden die solche Spiele strukturierenden Welten überhaupt als einer auch außerhalb dieser Spielwelt gegebenen Vergangenheit zugehörig (und somit als „historisch“) wahrgenommen – oder aber als eine reine Folie, die mit der Vergangenheit letztlich nichts zu tun hat? Inwiefern sind ihnen mögliche oder tatsächlich Einflüsse der ihnen in Spielen begegnenden Geschichtsdarstellungen auf ihr eigenes Geschichtsbild und -bewusstsein gar nicht, ansatzweise oder (zunehmend?) deutlich bewusst?

Inwiefern besitzen bzw. erwerben Schüler*innen einen kritischen Blick auf die Art und Weise, wie Vergangenes in solchen Spielen konstruiert und gestaltet ist?

Fazit

Natürlich wird unser kombiniertes Projektseminar weder alle hier noch alle in Nico Noldens jüngstem fachbezogenen Eintrag im Blog „gespielt“ des Arbeitskreises Geschichtswissenschaft und digitale Spiele (https://gespielt.hypotheses.org/). (Nolden 2018b) angesprochenen theoretischen Fragen in Bezug auf digitale historische Spiele als Geschichtssorte in Gänze bearbeiten können; noch werden alle denkbaren unterrichtspragmatischen Ansätze für eine kompetenz- und reflexionsorientierte Thematisierung in schulischem Geschichtsunterricht umgesetzt werden können. Es wird aber schon ein deutlicher Erfolg sein, wenn (auch über die bei Nico Nolden sowie in diesem Beitrag angerissenen Aspekte hinaus) sowohl die Beschäftigung der Lehramts- wie der Fachstudierenden mit den Spielen als auch ihre Erfahrungen und Erkundungen im Umfeld konkreter Unterrichtsversuche dazu führen, dass eine Reihe von Einsichten sowohl in die historiographischen und medialen Logiken der Geschichtspräsentation in dieser Geschichtssorte, in Formen performativer Sinnbildungen (einschließlich Irritationen und neu entstehender Fragen) und Möglichkeiten ihrer pragmatischen Fokussierung entwickelt werden.

Literatur

  1. Analog zu anderen Bereichen könnte man auch die von Spiel Hard- und v.a. Software gebotenen Narrative als „Angebote“ begreifen. Ähnlich wie bei Unterricht (vgl. Seidel 2014) stellen diese aber nicht einfach alternativ zu „nutzende“, vollständig ausgeprägte Varianten (dort: von Lernprozessen, hier historischer Narrative) dar, sondern vielmehr „Proto-Formen“ bzw. potentielle Narrative, die erst durch die (Inter-)Aktion der Spielenden zu vollständigen Verläufen werden, wobei unterschiedliche Narrative gewissermaßen emergieren. []
  2. Selbst wenn etwa der Creative Director des Spiels, Jean Guesdon, betont, dass Spiel sei „kein Ersatz für Geschichtsunterricht oder Lehre“, versteht er die Darstellung doch als geeignetes „Anschauungsmaterial“; vgl. Kreienbrink 2018. []
  3. Vgl. „Es besteht in der Geschichtsdidaktik weitestgehender Konsens darüber, dass auch das Leben und Wirken anderer sozialer Gruppen als der Herrscherelite im Geschichtsunterricht thematisiert werden muss, und dass auch geschichtlich ‘stumme’ Gruppen in ihm zum Sprechen zu bringen sind. Damit werden in der Didaktik Gruppen bezeichnet, von denen aus den verschiedensten Gründen keine oder wenig Zeugnisse überliefert worden sind: Bauern früherer Zeiten etwa, die nicht schreiben konnten, Frauen früherer Zeiten, die als nicht wichtig genug angesehen wurden, dass sie in der Geschichtsschreibung vorkamen, Verlierer großer Kriege, über die nur der Gewinner berichtete, und dann wiederum fast nur Negatives, und so weiter.“ (Stello 2016, S. 282). []
  4. Das betrifft etwa die Frage, inwiefern die Perspektiven von Gruppe ohne eigene Überlieferung überhaupt ähnlich solcher mit Überlieferung eingenommen werden können oder ob dies notwendigerweise gegenwärtigen Perspektiven und Konzepten ebenso wie Fremdwahrnehmungen anderer Gruppen verhaftet bleibende Spekulation bleiben muss. Andererseits ist die Frage zu stellen, ob sich diese Herausforderung wirklich prinzipiell oder nur graduell von anderen historischen Rekonstruktionsprozessen unterscheidet. []

Gastvortrag in Paderborn

Körber, Andreas (6.12.2016): „Historisches Lernen: Versuch einer Bestimmung unterschiedlicher Grundkonzepte und Konsequenzen für Wissenschaft, Schule und Lehrerbildung.“ Gastvortrag am Historischen Institut der Universität Paderborn.

Am 6. Dezember 2016 hält Andreas Körber einen Gastvortrag am Historischen Institut der Universität Paderborn zum Thema „Historisches Lernen: Versuch einer Bestimmung unterschiedlicher Grundkonzepte und Konsequenzen für Wissenschaft, Schule und Lehrerbildung“

Körber/Seidl (2016): Interkulturelles Geschichtslernen 2.0

Körber, Andreas; Seidl, Patrizia (2016): Interkulturelles Geschichtslernen 2.0? Aktualisierte und neue Herausforderungen angesichts der Integration Geflüchteter. In Gesa Markmann, Claudia Osburg (Eds.): Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen in der Schule. Impulse für die inklusive Praxis. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, pp. 197–202.

Neuerscheinung:

Im Sammelband der Kolleginnen Claudia Orsburg und Gesa Markmann ist ein Artikel von Patrizia Seidl und Andreas Körber zu möglichen Herauforderungen des Geschichtslernens durch die aktuelle Immigrationen erschienen:

Körber, Andreas; Seidl, Patrizia (2016): Interkulturelles Geschichtslernen 2.0? Aktualisierte und neue Herausforderungen angesichts der Integration Geflüchteter. In Gesa Markmann, Claudia Osburg (Eds.): Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen in der Schule. Impulse für die inklusive Praxis. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, pp. 197–202.

Vortrag zu Inklusion und historischem Lernen auf der NoFa5 in Helsinki

Körber, Andreas (28.5.2015): „Challenges of Inclusion for History Teaching.“ Helsinki; Vortrag auf der 5th Nordic conference on subject education/Nordisk fagdidaktisk konferens; Helsinki.

Auf der 5. Nordischen Konferenz der Fachdidaktiker habe ich zusammen mit Johannes Meyer-Hamme eine Sektion zu Inklusion und Geschichtslernen geleitet und dort folgenden Vortrag gehalten:

  • Körber, Andreas (28.5.2015): „Challenges of Inclusion for History Teaching.“ Helsinki; Vortrag auf der 5th Nordic conference on subject education/Nordisk fagdidaktisk konferens; Helsinki.
  • Geschichtlichkeit und Geschichtskultur als Bedrohung — oder als positive Herausforderung? Zur Begründung von Hilfen zum historischen Lernen

    Körber, Andreas (5.1.2013): „Geschichtlichkeit und Geschichtskultur als Bedrohung — oder als positive Herausforderung? Zur Begründung von Hilfen zum historischen Lernen“

    In einer Hausarbeit zitieren zwei Studierende Klaus Bergmann und Rita Rohrbach mit folgenden Worten:

    „Der Beginn historischen Lernens in der Schule ist nicht der Beginn des historischen Lernens schlechthin. Wie in keiner Generation je zuvor sind die Kinder einer ‚veränderten Kindheit‘ immer schon vor ihrer Schulzeit und immer schon außerhalb der Schule einer geradezu wuchernden ‚Geschichtskultur‘ ausgesetzt, in der sie, ob sie wollen oder nicht, eher zufällig und absichtslos als geplant und bewusst, ‚Geschichte‘ lernen.“ (Bergmann/Rohrbach 2001, S.11)

    und ziehen daraus den Schluss

    „Genau hier muss man ansetzen und die Kinder auffangen, Fragen klären und gemeinsam das historische Denken weiter ausweiten und fördern.“

     

    Das Zitat von Bergmann/Rohrbach enthält vieles dem man zustimmen kann, ja muss. Es ist Teil einer Wiederentdeckung frühen Geschichtslernens nach der Diskreditierung der früheren Behandlung des Gegenstandes Geschichte in der alten Heimatkunde und unter den Prämissen der älteren Entwicklungspsychologie — wie übrigens selbst noch gemäß der Theorie von Piaget, derzufolge ein wirkliches historisches Lernen angesichts der Abwesenheit der Vergangenheit und der somit gegebenenen Notwendigkeit formalen Denkens in diesem Alter gar nicht möglich sei. Hintergrund wie Teil dieser Wiederentdeckung des frühen historischen Lernens ist die didaktische Modernisierung, derzufolge es beim vollwertigen historischen Lernen nicht um ein Erfassen „der Vergangenheit“ selbst geht (so dass für die dazu nicht als fähig erachteten Kleinen mehr oder weniger trivialisierte oder gar ideologisierte Schrumpf- oder Vorformen erdacht und legitimiert wurden), sondern um den Erwerb der Fähigkeiten zum Nachdenken über Vergangenes und seine Gegenwart.

    Was allerdings durchaus befremdet, ist die in dem Zitat spürbare Bedrohlichkeit, die von zu viel Geschichte und zuviel Geschichtskultur ausgehe (letztere wird gar als „wuchernd“ beschrieben). Als Begründung für dieses wertende Urteil findet sich lediglich der Hinweis auf die ‚veränderte Kindheit‘ — offenkundig eine Variante der Theorie der ‚fragmentierten‘ modernen Kindheit, einer Kindheit, die nicht wirklich kindgerecht sei. Diese Bedrohungsthese ist es offenkundig, die denn die Studierenden auch dazu bringt, davon zu schreiben, dass man die Kinder „auffangen“ müsse — so als befänden sie sich im freien Fall der Verunsicherung.

    Ist diese These wirklich plausibel?

    Sicher, es mag sein, dass die Lebenswelt für viele Menschen in früheren Jahrhunderten (vor allem der „Vormoderne“) weniger zeitlich verortbaren Veränderungen unterworfen war, dass die Lebensverhältnisse statischer waren. Aber galt das für alle Zeiten und für alle Lebensbereiche? Selbst in jenen Zeiten und Regionen, in denen die sozio-ökonomischen Verhältnisse für viele Menschen deutlich weniger Veränderungspotential boten, wo der Einzelne deutlich stärker eingebunden war in kleinräumige Sozialverhältnisse, aus denen auszutreten schwierig war, gab es immer auch Veränderungen, die sich bis auf den Einzelnen auswirkten. Selbst für das Mittelalter wird ja seit einigen Jahrzehnten die These vertreten, dass der Beginn der eigentlichen gerichteten Veränderungen die Moderne nicht von einem statischen Mittelalter abgrenzt, sondern geradezu im Mittelalter selbst zu suchen ist (vgl. populärwissenschaftlich aufbereitet bei Arens xxxx: „Wege aus der Finsternis“; didaktisch: Hasberg xxxx: „Das Mittelalter als Urgrund der Moderne?“).

    Zudem ist es doch seit langer Zeit Charakteristikum einer modernen Geschichtswissenschaft (und zwar sowohl der sozial- wie auch der kulturgeschichtlichen Ausprägungen), ihren jeweiligen Forschungsgegenstand, die jeweils betrachtete Epoche als eine umgreifender Veränderungen zu begreifen und von dorther zu fragen, wie die Menschen in der jeweiligen Zeit damit umgegangen sind.

    Waren Kindheiten in früheren Zeiten wirklich „ganzheitlicher“, weniger „fragmentiert“? Steckt darin nicht eine gehörige Portion antimoderner Sozialromantik?

    Aber selbst wenn es für die Vormoderne weiterhin als plausibel gilt — die Zeit, für welche der Veränderung der Lebensverhältnisse als konstitutives Charakteristikum gedacht wird, umfasst doch inzwischen selbst mehrere Jahrhunderte. Soll also die ganze Neuzeit über eigentlich menschenfremd gewesen sein?

    Ist es also wirklich nur unsere „moderne“ (oder gar erst die „postmoderne“?) Zeit, in welcher Kinder in ihrer Lebenswelt sichtbaren Zeichen für Zeit, Wandel, Vergänglichkeit, Geschichtlichkeit begegnen, in der sie vor der Herausforderung stehen, im Prozess ihrer eigenen Individualentwicklung auch eine länger dauernde historische und gar gattungsgenetische Entwicklung zu denken? Oder ist diese Aufgabe eine anthropologische Konstante, eine für alle Menschen jeweils kulturell anders ausgeprägte, aber in ihren Grundzügen allen gemeinsame „Entwicklungsaufgabe“ (Havighurst; vgl. Körber 2004)?

    Abgesehen von der Verstörung über den sozial- und kulturhistorischen Pessimismus, der in solchen Formulierungen mitschwingt, ist es auch eine pädagogische Haltung, die angesichts verbreiteter pädagogischer (Lippen-?)Bekenntnisse, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu eigenständigen, selbstständig und verantwortlich urteilenden und handelnden Mitgliedern pluraler, d.h. vielfältiger Gesellschaften zu ermutigen und zu unterstützen, eher kontraproduktiv erscheint. Geht es beim Unterrichten und Erziehen nur oder auch nur vornehmlich um das Behüten, um ein Bewahren vor einer Welt, die als bedrohlich wahrgenommen wird?

    So, wie die These von der den Menschen strukturell überfordernden Moderne, die Auffassung, der Mensch sein für eine Welt, in welcher er selbst mit den vielfältigen Uneindeutigkeiten, Ambivalenzen und Ambiguitäten umgehen muss, in der ihm das nicht durch festgefügte Sozialstrukturen abgenommen wird, kaum geeignet ist, Lern- und Bildungsprozesse zu begründen, welche junge Menschen auf Herausforderungen vorbereiten, die wir heute allenfalls in Umrissen erahnen können, vermag eine pädagogische Grundhaltung zu überzeugen, welche nicht die Neugier des jungen Lernenden, sein aktives Entdecken und Konstruieren als Normalfall ansieht, sondern das Scheitern, die Gefahr, und welche ihre Aufgabe nicht in der Unterstützung von eigenem Erkunden sehen, sondern darin, die Kinder behutsam nur dorthin zu führen, wo die eigene Gesellschaft schon ist.

    Ohne die Formulierung der Studierenden in dieser Richtung überinterpretieren zu wollen: Lässt sich Geschichtsunterricht wie auch aor- und außerschulische Hilfe beim historischen Lernen nicht auch anders begründen — ohne die Bedrohungs- und Beschützungsmetapher aufzurufen? Denn es wird ja auch nicht angehen, dass man vor lauter Selbstständigkeitsoptimismus die Kinder ganz alleine lässt und sich gar nicht darum kümmert? Wie könnte eine solche Begründung für eine gesellschaftliche wie individuelle pädagogische Aufgabe des Geschichtslehrens aussehen, die weder auf Defizitausgleich noch auf bewahrung rekurriert?

    Folgende Überlegung mag als Skizze gelten: Wenn die Vergangenheit als solche gar nicht eindeutig habbar ist, wenn jede Vorstellung und jede Aussage über sie als Konstruktion aus einer bestimmten Perspektive und mit einem bestimmten Interesse erkannt ist (wie es der heutigen Geschichtstheorie entspricht), dann kann es einer Gesellschaft nicht egal sein, wie ihre Mitglieder mit der Aufgabe historischer Orientierung umgehen. Zwar kann es in pluralen Gesellschaften nicht angehen, dass die Gemeinschaft oder auch Teile von ihr den einzelnen Mitgliedern die Ergebnisse ihrer Orientierung, ein bestimmtes Geschichtsbild oder gar die zulässigen Fragen endgültig vorschreiben– wohl aber muss es gerade in pluralen und heterogenen Gesellschaften diesen angelegen sein, dass die Mitglieder gleichzeitig selbstständig denken können und dürfen, UND miteinander über ihr historisches Denken kommunizieren (und das heißt nicht nur über die Ergebnisse, also die Geschichtsbilder und -Darstellungen, sondern gerade auch über die Fragen, Bedeutungen, die Begriffe, Konzepte, Normen und Werte). HIERZU kann und darf historisches Denken in Schule und vorher gesellschaftliche Aufgabe sein.

    Von dieser Position her ist es also sehr wohl, die Aufgabe der Gesellschaft, und in ihr der Pädagogen, der Erzieher, der Didaktiker, der Fachlehrer, junge Menschen beim historischen Lernen zu unterstützen, und zwar nicht, um sie zu beschützen vor „zu viel Geschichte“, sondern um ihnen zu helfen, nicht einfach „die Vergangenheit“ zu erschließen, sondern die Arten und Weisen, in denen die Gesellschaft diese bewahrt, über sie diskutiert, mit ihr umgeht usw. Dann dürfte es auch nicht mehr so bedrohlich sein, dass die Geschichtkultur als „wuchernd“ abgetan werden muss — sie ist vielmehr eine der vielen Dimensionen gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, in welchen junge Menschen denk- urteils- und handlungsfähig werden sollen (und wohl auch wollen).

     

    Literatur:

    Arens, Peter (2004): Wege aus der Finsternis. Europa im Mittelalter. München: Ullstein .
    Bergmann, Klaus; Rohrbach, Rita (2011): Kinder entdecken Geschichte — Theorie und Praxis historischen Lernens in der Grundschule und im frühen Geschichtsunterricht. Schwalbach: Wochenschau.

    Bergmann, Klaus (2001): „„Papa, erklär‘ mir doch mal, wozu dient eigentlich die Geschichte?“ – Frühes Historisches Lernen in Grundschule und Sekundarstufe I.“ In: Bergmann, Klaus (Hg.) 2001: Kinder entdecken Geschichte.: Theorie und Praxis historischen Lernens in der Grundschule und im frühen Geschichtsunterricht: Schwalbach/Ts: Wochenschau-Verl: (Wochenschau Geschichte), S. 8–31.

    Hasberg, Wolfgang (1999): „Das Mittelalter – Quellgrund der Moderne für den postmodernen Schüler?“, In: Geschichte, Politik und ihre Didaktik, 27, 3-4, S. 282-296.

    Körber, Andreas (2000): „“Hätte ich mitgemacht?“. Nachdenken über historisches Verstehen und (Ver-)Urteilen im Unterricht.“, In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht GWU ; Zeitschrift des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands, 51 (2000), S. 430–448.

    Internationale Konferenz zur Erinnerungskultur in Ghana und Deutschland im Vergleich

    Körber, Andreas (20.9.2012): „Historical Remembering and Learning at Memorials in Germany“ and a Campus-Tour on „Decentralized Remembering of the Crimes of National Socialism“. Vortrag auf der Tagung „Structures and Processes of Commemorating Cruelties in Academe and History Teaching: The commemoration of the Transatlantic Slave Trade and of the National Socialist Crimes in Comparison“ vom 20. bis 24. September 2012 in Hamburg

     

    Vom 20. bis 24. September 2012 fand in Hamburg die vom Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik der Universität Hamburg gemeinsame mit dem Studienzentrum der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Missionsakademie an der Universität Hamburg veranstaltete internationale Konferenz „Structures and Processes of Commemorating Cruelties in Academe and History Teaching: The commemoration of the Transatlantic Slave Trade and of the National Socialist Crimes in Comparison“ statt.

    Die Konferenz hatte zum Ziel, Strukturen und Formen des öffentlichen Erinnerns in Deutschland an die nationalsozialistischen Verbrechen in Deutschland und Europa und diejenigen der öffentlichen Präsentation der Geschichte des Transatlantischen Sklavenhandels (wie auch der einheimischen Sklaverei) in Ghana sowie die gegenwärtige Rolle dieser Themen in schulischem und universitärem Geschichtslernen zu vergleichen und auf die didaktischen Potentiale gerade auch des Vergleichs hin auszuloten. Dabei wurde auch die Bedeutung von Religion und religiösem Denken sowohl für die Sklaverei, den Sklavenhandel und ihre Überwindung als auch für historisches Denken und Erinnern sowie Lernen an diesem Gegenstand thematisiert.

    Die Thematik der Tagung entsprach einer gemeinsamen Idee von Prof. Dr. Kofi Darkwah von der University od Education in Winneba/Ghana und Prof. Dr. Andreas Körber. Sie wurde in enger Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen mehrerer Universitäten in Ghana von Jan Breitenstein, Doktorand der Geschichtsdidaktik an der Universität Hamburg, vorbereitet und organisiert.

    Referenten der Tagung waren:

    • Dr. Kofi Baku (University of Ghana, Legon; Head of History Department): „Memory and Memorialising Slavery and Slave Trade in Ghana: Whose memory, Which memorials and for What Purpose?“
    • Prof. Dr. Andreas Körber (Hamburg University):  „Historical Remembering and Learning at Memorials in Germany“ and a Campus-Tour on „Decentralized Remembering of the Crimes of National Socialism“
    • Prof. Dr. Elizabeth Amoah (University of Ghana, Legon;): „Religion and Slavery in Ghana“
    • Prof. Dr. Werner Kahl (Academy of Mission, Hamburg): „Theology after Auschwitz: Where is god? – Experiences and reflections of African migrant pastors in Neuengamme.“
    • Dr. Akosua Perbi (University of Ghana, Legon;): „Slavery in Ghana: The Unforgotten Past“
    • Ulrike Jensen and Marco Kühnert (Neuengamme Concentration Camp Memorial): Guided Tour
    • Dr. Oliver von Wrochem (Neuengamme Concentration Camp Memorial Strudy centre): „Neuengamme as a Memorial and Place for Historical Learning“
    • Nicholas Ivor (Head of the Ghana Museums and Monuments Boards (GMMB) for the Central and Western Regions): „Cape Coast Castle as a Memorial and Place for Historical Learning“
    • HMJokinen (Hamburg): „Wandsbek World White Revisited“ (commemorative performance)
    • Prof. Dr. Klaus Weber (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder): „There were many Schimmelmanns: Hamburg’s and Central Europe’s Links with the Atlantic Slave Trade and Plantation Economies, 16th to the 19th Centuries“
    • Jan Breitenstein (Hamburg University): „Performative Commemorating and FluidRemembering of the Transatlantic Slave Trade: Impulse or Framework for (process-oriented) Historical Learning?“
    • Dr. Yaw Ofusu-Kusi (University of Education, Winneba/Ghana): „Violations of Childhood through Enslavement of Children in West Africa: Past, Present and the Future.“
    • Prof. Dr. (em.) Bodo von Borries (Universität Hamburg): „Transatlantic Slave Trade“ and „German/ European Holocaust“ as Master Narratives – Education in between Commemoration of Genocides and Necessity of Human Rights.“
    • Dr. Felix Duodu (University of Education, Winneba/Ghana): „The relevance of societal diversity for Inter ethnic (history) Teaching in Ghana.“
    • Dr. Claudia Lenz (The European Wergeland Centre, Oslo/Norway): „Competence oriented historical learning as intercultural learning – experiences from the TeacMem project.“
    • Joke van der Leeuw-Roord (Euroclio, The Hague): „Changing Historical Learning in Schools and its implications for Teaching about Slavery and National Socialism“
    • Emmanuel Koomson (African Christian Mission A.C.M. Junior High School, Winneba/Ghana): „Slave Trade and its Commemoration as a Topic for Historical Learning in Ghana.“
    • Hildegard Wacker (Gymnasium Corveystraße, Hamburg and Hamburg University): „National Socialism and its Commemoration as a Topic for Historical Learning in Germany.“

     

    Artikel zum Interkulturellen Geschichtsunterricht

    Anfang des Jahres ist das „Klinkhardt Lexikon Erziehungswissenschaft“ (KLE) erschienen:

    Horn, Klaus-Peter; Kemnitz, Heidemarie; Marotzki, Winfried; Sandfuchs, Uwe (Hgg.; 2012): Klinkhardt Lexikon Erziehungswissenschaft. 3 Bde.. Bad Heilbrunn: Klinkhardt (UTB 8468).

    Darin ist auch ein Artikel über „interkulturellen Geschichtsunterricht“ aus meiner Feder (Körber 2012; S. 116) enthalten, der auf Grund der langen Vorbereitungszeit (mehrere Jahre) die Weiterentwicklung des Konzepts der „interkulturellen historischen Kompetenz“ aus meinem Aufsatz Körber 2010 nicht mehr aufgreifen konnte.

    A.Körber

    Literatur:

    “Uses” and “ab-uses” of history. Possible consequences for history teaching at schools

    Körber, Andreas (2011): „‚Uses‘ and ‚ab-uses‘ of history. Possible consequences for history teaching at schools“. Talk delivered at the EUSTORY Seminar (Ab-)Use of History, Helsinki, August 7th to 10th, 2011. In: http://www.pedocs.de/volltexte/2012/6626/

    Körber, Andreas (2011): „“Uses” and “ab-uses” of history. Possible consequences for history teaching at schools“. Talk delivered at the EUSTORY Seminar (Ab-)Use of History, Helsinki, August 7th to 10th, 2011.

    [jupdf-viewer file=“http://www.pedocs.de/volltexte/2012/6626/pdf/Koerber_2011_Uses_Abuses_D_A.pdf“]

    ==

    Andreas Körber

    Uses” and “ab-uses” of history. Possible consequences for history teaching at schools

    Talk delivered at the EUSTORY Seminar (Ab-)Uses of History,: Helsinki; August, 7th – 10th, 2011

    1 Introduction

    Use and Abuse of History. The terms central in the subject of this conference are both: quite strong and quite unclear – especially when applied to a subject like history. When confronted with the suggestion to contribute to the discussions, here, I immediately had some associations coming to my mind which had nothing to do with history at all, but with a series of “abuse”-subjects in public debate of recent years – mostly abuse of children by adults in educational or religious institutions, by parents, and so on. Surely, this was not was was meant by the colleagues suggesting this venue. So I put these associations at bay – but they will play a role in my talk later on.

    Of course, I was also reminded of professional debates not only more close to, but rather directly central in the area I am working on: theory of history, namely the question of the possibility of truth and objectivity in our domain. This is something many colleagues have reflected upon and where some fundamental insights have been gained in the last decades. So the question for me was in this case, whether under the heading of “use and abuse” there was to be another discussion of objectivity. I doubted that this would meet much interest, here. So I tried to put this strand aside, too.

    There is, of course another strand of debate, related to the latter, which is much more prone to the subject of this event, and that is the question of responsibility of professional historians and all others presenting accounts of the past – more concrete, the question of what history to tell and what not to tell. It is the question about the correct, not the true, history, even though the two questions are strongly interrelated, at least from some points of view.

    When communicating with Andrea Sensenschmidt and Hannah Kokkonen – sparsely, I must admit – the question was presented whether I could not say something about history teaching in the former “German Democratic Republic”, the Soviet-allied Eastern Germany. I declined this, partly because I am by far no expert on that subject. There are others who have done first hand research on it, some of them from a Western perspective (e.g. Hans-Dieter Schmied,1 Heike Mätzing,2 …, already in times of German partition), and others with their own educational and sometimes even professional background as didacticians of history in the East, like Christina Böttcher, Marko Demantowsky,3 Saskia Handro4 etc., but also because I felt that it would be only half inspiring to present a complex where the judgement that it would fall under “abuse” at least mostly, was known from the start. In fact the judgement on a specific way of “using” history on the basis that it is founded on a certain ideology is always problematic, because we must be aware that our own system of values may be (and most often is) seen as “ideological” by the others. After the end of the block-confrontation this argument is not done with. Even though Western political thought and values have proved to be superior to totalitarian ones, we still have to admit and consider that our values also are contingent and may be challenged as “ideologic”, especially from other cultural perspectives.

    Much more rewarding, so I thought, would be the subjects covered by others, about how to address controversial and “problematic” issues in research and teaching. From my point of view, I might already state here at the beginning, there is not question on whether to present a specific historical account, it is not about properly selecting, but rather about the attitudes, the function and the methods. In my view, it is not the what but the how and what for of historiography and history teaching, which merited reflection. So “use” and “abuse” are not about whether presenting a specific subject, a specific story, amounts to abuse, but whether there are specific criteria by which to judge about the “how” of this presentation.

    Tow more points of start for my reflection need to be mentioned. First of all, the terms “use and abuse” are far from well elaborated. They are used quite differently, especially in our domain. This needs to be reflected, first. And here a reference needs to be made to the recent discussions about child abuse.

    Secondly, the question of “uses” of history (in the more proper sense) has already been addressed by colleagues. Margret Macmillan, the renowned Canadian colleague, has published a popular reflection on it quite recently, and one of the colleagues present here, Klas Göran Karlsson, has taken up the question of uses and even of ab-use at a conference in November 2008, the proceedings of which have just been published. It is his very short answer of the question what defines abuse, which I’d like to initially cite, criticising one of his ideas, but to finally come to a conclusion, which can be read as a support of his.

    2 The problem of “use and abuse” I: Terminology

    Within his considerations, Karlsson, however causally quotes Friedrich Nietzsche’s second “untimely considerations”. This famous text, which starts with an appraisal of the animals‘ ignorance of any history, their living only in a present, thus being free from any obligations of any past, and of a “superhistorical” standpoint (which in my view, informed by Jörn Rüsen, would rather be an exemplaric use of history), and then differentiates between three “uses” of history (monumental, antiquarian, critical), all of which are deeply rooted in present needs, has at least in some English editions (although not the better one used by Karlsson) been titled “Use and Abuse”. This notion is problematic. Nietzsche most profoundly did not want to constitute a specific criterion for proper use of history lying in its own domain, but reflected upon the advantages and disadvantages of history (thus the best translation, similar to that of the edition used by Karlsson: “uses and disadvantages”).5 As for the subject of my talk and of the whole conference, I take it that we don’t talk about “advantages” and “disadvantages”, about the “pros” and “cons” of referring to the past, that its is not a question of whether to “use” history in the first place, but that we do talk about the dimension of proper and improper use.

    3 uses and abuses – a question of typology?

    In his presentation in 2008, Klas-Göran Karlsson distinguished different “uses” of history, as had Margret Macmillan: In short, their reflections, which are both very interesting and valuable to read, can be summarized as a typology of motivations of presenting accounts of the past for reasons which lie in the present. There are quite a variety of such motivations and of specific structures of presentations following them. The enumeration here can give just an overview.

        1. scientific usage: characterized by internal criteria of quality and validity, by the idea of approximating an ideal knowledge or at least the idea of progressively “better” understanding, by the regulative idea of a dissociation between the authors‘ interests and the subject matter researched, and by the idea that teaching and telling (Karlsson speaks of “mediation”, which is by far a too reflective term for the position sketched here) means “transport” of the proper knowledge into the learners‘ or readers’/listeners‘ minds (which is thought possible because the “true” history – even though “valid” and “relevant” – is conceived as independent from the recipients‘ perspectives and interests as from the researchers‘.

        2. Existential use of history

        3. moral use of history

        4. ideological use of history

        5. “non-use”

        6. “politico-pedagogical use”

        7. MACMILLANS “History for Comfort”

          1. History as the ultimate explanation for life

          2. History as an escape from the present

          3. History as a book of examples for good and evil

          4. History as the judge for current politics

          5. History as a field of current politics (reconciliation, repentance, apologies, history wars)

    All of theses uses – as is made explicitly clear by Karlsson, have their merits, their own dignity. They cannot be just divided into supportable and insupportable, in uses and abuses. This in part is due, I’d like to suggest, that Karlsson’s and Macmillan’s typologies are not “pure” typologies, listing mutually exclusives modes or ways of “using” history, but rather relevant and combinable dimensions which need to be discerned within any “use” of history. It may be true that there is no necessity for them all to be present in a randomly selected use, but at least some of them will always be there in combination: politico-pedagogical use can be highly driven by moral considerations, or by ideological ones, and so on.

    For us, glad to say, this is no problem, because Karlsson does not single out some as proper and others as improper. The criterion for abuse, according to him, is – in a pictorial metaphor – not a division between some of them and others, but lying across them, dividing feasible and fallible versions in each category: for him, it is the violation of human rights.

    But: is this a criterion which is in any way helpful as to the specificities of history? Can it be satisfying to refer to a criterion outside the theory of history, only? Isn’t there something like an inside criterion as to when a presentation of history, a story etc. amounts to abuse?

    In general, I’d like to support Karlsson’s liberal view that there is not one “correct” use of history, not one way of “doing it”, which takes all the merits, but that the diversity of “usages” can be feasible and supportable – especially that it is not just the “scientific” use or the history of the historians, which has more dignity. Margret Macmillan also rejects the idea that history belongs to the historians, even though she more strongly keeps up the idea that historians have a stronger capacity to formulate valid histories, mostly because of their possibility to take more time and efforts on the task (because they are trained and paid to do so), but also with a reference to the idea that historians can be more impartial, more distanced than normal people. Throughout her book, the idea is visible that there is one criterion for use and abuse which comes from history itself, namely the appropriateness of the depiction of the past: The past itself is the criterion for use and abuse of history.

    To a much lesser degree, this criterion is also discernible in Karlsson’s other differentiation between a genetic and a genealogic mode of history. “Genetic” he calls – not as the first – the “perspective” in which we gain and transmit knowledge about the development up to now, whereas the term “genealogic” refers to the “making” of history “by reflecting ourselves and our present situation in the past” (Karlsson 2011, 133). His (supportable) ideal is the “balance” of these two modes in what he calls a “reflective historical consciousness”,6 which could “join these two fundamental historical perspectives in so far that a genealogical perspective can provide genetic history with agency and criteria of relevance, while a genetic perspective is needed not only to supply us with historical contents, but also to help us understand why history is recalled and represented the way it is.” (Karlsson 2011, 134). He links this to Kierkegaard’s dictum about living life forward, but understanding it backward. Again: Supportable as this view is, it is also problematic, insofar as it sums up to differentiating between a knowledge of the “real history” of the “contents” (what ever that means: what is the container of these contents?) and its uses in the present, between the substratum and the operations. This, to my view, can not hold. I will dwell on this point from another angle in a few minutes, but would like to sketch my solution here in advance, first: I don’t think that there is a possibility of any division between the substratum of historical “contents”, of any “real” history and the operation of historical thinking. In my theoretical framework, they are linked together much more profoundly than suggested by Karlsson. It is not a question of joining these two perspectives or modes, but whether they can be separated from one another in the first place more than analytically. I suggest that what Karlsson calls “genealogic” is a modus, a mode of asking, of the operation which essentially turns our advertence to things past and their interconnections, in the first place, while what he calls “genetic” is a mode of answering to such questions stemming from the genealogical perspective. “Genetic” then can be the type of history told when asked for one’s genealogy. However, it is not the only mode for such narrative answers. Jörn Rüsen already distinguished at least four of them in his well-known typology later on corrected and refined by Bodo von Borries (and me).7 Genelogical questions, questions asked with a view to the past out of a present need for agency and relevance, can not only be answered by telling a genetic story highlighting and stressing a development of fundamental changes, but also by referring to rules and laws covering situations occurring in quite different times (the exemplaric mode) or by referring to well-established traditions (the traditional mode).

    Thus – and this is why I refer to this point here – the differentiation between the history and its “use” is erroneous: History, or rather: histories, do only come into existence by “usage”. They are not a substratum already present when the genealogical interest starts acting – at least not in the way suggested by the title of this conference and by Karlsson and more strongly by Macmillan.

    4 The problem of “use and abuse” II: Conceptualization

    I already hinted that I think that the idea of “using” history is wrong in a certain way. In order to illustrate this, I’d like to refer to the already mentioned debate on child abuse: When the media started to be full of this concept of “child abuse”, some of the brighter commentators immediately asked (without wanting to play down), whether talk of child-abuse was not a problem in itself, because it forces us to think about what a proper “use” of children would be. Can children be “used” so that one can differentiate other uses as improper, which then are called “abuse”?

    The idea behind this challenge of the public debate and its terminology is conceptual: Whoever uses the term “child abuse” refers to a concept of “child use” and in it to a concept of children as being “objects”. Human rights, however, demand – at least when based on the ideas of Kant – that no human being be treated only as a means to some outside aim, that no human being be treated as an object only.

    Let’s dwell for a moment on the notion of “usage” and on the connotation of the object implied in it.

    Clearly, in this understanding of “usage”, of “emploi”, the object is already there before it is used – we have already seen that point. But more – it also is considered of existing as it is independently of the usage. The object to be used is seen to have an existence and a specific constitution independent from the usage and the user. If to people e.g. use a book for gathering information, the book it itself, the material text, is given and the same for both of them. If they use it for e.g. blocking a door against moving in the wind, the book also is taken as an existing object.

    “Using” means to employ an “objectively” existing object for some outside purpose.

    For this kind of notion, there can be some criteria for feasibility considered:

    Criteria for feasible uses of this kind may be manifold:

        1. The first criterion may be whether the object was intended for the purpose. Thus to take a book for reading may be more feasible than for using it for blocking a door against wind etc. But as we can see, this not a necessary criterion: it may be feasible to “ab-use” an object for a new, unintended purpose, if other criteria apply:

          1. First, that the objects really helps to fulfill the function. The object must be useful. In constructivist terms, what us central here, is the viability.

          2. Second, whether the object is damaged in such using. If a book is most likely to be squeezed to unreadable status by the wind-moved door, its deploy for this purpose may be rendered “ab-use” in the normative sense.

          3. Thirdly, another criterion can refer to the symbolic value of the object. Using a book for stopping a door against wind may be feasible for someone, even though he would call the use of a Qu’ran abuse.

    All these criteria have two things in common:

    1. They refer to cases in which objects were used for purposes for which they were not intended.

    2. They are applicable – as said before – if history is to be conceived as a pre-existing entity, unchanged for all of its users.

    So we should once more think about what history is and what it is made for.

    1. If “history” refers to an entity independent from our usage, to the real past or at least our best knowledge of it, we should, I think, easily confer that it was NOT made for any of our uses. It is one of the thoughts stressed in some early concepts of post-modern theory of history: Our predecessors, the people having lived before our times, did not do so in order to provide us with “content”, with examples. They may not be reduced to being the substratum of our own orientation. The question, then, is not that of what kind of use would amount to ab-use, but whether history should be used at all. If we take this argument seriously (and I think we should), it would forbid any “use” of history for some other purpose that to “live it”. “History” taken as the past entity of reality and the lives in it, clearly have no other purpose that to exist.

    2. If “history” does not refer to this past reality, but to our own concepts of them, to our constructions, then we cannot object to such “usage”, because history is not used as a distinct object were, but is is created in this operation in the first place.

    So I clearly tend to the second understanding of history – and I would preserve the term for it. The former, the real lives of the people in the past, for their hopes and values etc., should be called “the past” only.

    So again, we arrive at a distinction which is very central: The reality of other times is “the past”. It can be used, and maybe also “abused” in the meaning of the term used in recent discussions: improper, condemnable emploi of an existing object.

    But clearly, this does not mean that “anything goes”, that everybody is unconditionally free to create any historical account she or he wishes, that there are no criteria whatsoever.

    So let’s try to take the argumentation a bit further:

    History in the understanding just outlined is a relational concept. It is not the past in itself, but a certain relation between the past(s) and a specific present – more precisely: a specific social, cultural, normative and temporal position. Therefore, criteria for the feasibility of histories can only be taken from the relation. Jörn Rüsen has suggested three of them:

        1. empirical plausibility

        2. normative plausibility

        3. narrative plausibility.

    Since we do not have any other access to the past reality as the substratum of historiography, we cannot compare any given history to this reality, but only either to other histories of the same narrative (and that is: selective, partitional, perspectival, normative etc.) nature. If we want to test the empirical plausibility of a history, then we should test it against the current accessible amount of best first-hand data. As for the normative ingredients, we need to compare it to our own audience and society’s values and as for the narrative plausibility we have to refer to the current ideas of what is acceptable in terms of explaining etc.

    But this may not be enough for our purpose. I only referring to Rüsens tripartite concept of plausibilities, we have reduced the question of ab-use of history to the question of “objectivity”. I don’t think this is satisfactory.

    So I think we should take into account another characteristic of “history” in the narrativist meaning: “History” – even though an individually created narrative relation to the past – is a communicative concept. History unfolds its full capability of orientation if it does not only link us as individuals, quasi as monads, to a past that is foregone, but if it helps us understand how our present society in its complexity has been come about and how it is perceived by others. If we want to be able to act in our society, we do not only have to clarify our own relation to the past, but we have to do so with that of our co-members of society also. It is not only about who I think I am in my light of the past, and what I make of it, about my intentions and motivations, but also about

    • who the (different!) others think they are, in their view of the past, what their perceptions of themselves are and their possible actions,

    • who I think they are and what they could or should do,

    • who they think I or we are, etc.

    For this collective orientation, we need to exchange our narratives, we need to tell them, but we also need to integrate them.

    Form this consideration, long ago laid out by Kurt Röttgers, we can abstract some other criteria for use and abuse of history. But before I shortly elaborate on them, I might stress, that from here on, these criteria do not refer to “history” as a synonym of “the past”, but that here I refer to the narrative relations to the past, which I would reserve the term history for.

    1. First of all, if one function of histories is not only to individually, but to collectively orientate, then they need to integrate perspectives. In order to do so, they need to reflect the valid perspectives, i.e. the interests, needs, values etc. of today’s members of society. A history which does not reflect their different perspectives, questions, values, patterns of explanation etc. would not be orientating but dis-orientating. So as a criterion, proper history have to integrate the perspectives of different partitions of their audience, not to impose one perspective on these different fractions.

    2. Secondly, histories have to offer narrative explanations, connections, and attitudes to the past as well as conclusions and motivations. Again it would be improper (and here I would start to use the word ab-use in the full sense) if they imposed such connections and motivations. This criterion needs some more elaboration: How can a history offer but not impose if it is supposed to present such a connection. How can a history fulfil its narrative task but not overdue it in this direction? The answer I suggest here is: By allowing the reader, the listener to take his own position in relation not only to the past but to the narrative structure of the history itself – by laying open the ingredients, the inner structures, so that the reader can relate to them.

    If this is what Karlsson meant by not violating human rights, if his criterion was that the audience, the addressees, the public needs to be taken seriously in their capacity to actively relate to story, and that not doing so would be violating human rights – then I fully agree.

    5 Using Histories

    So slowly taking the curve to the last aspect, I hold that there is a “using” history in the sense of “using narrative structures” in human communication. And in this sense, there can be use and abuse – and they can be seen on at least two sides of the communication:

    1. “Using history” can mean the operations a person carries out with regard to a given, a presented narrative, be it their “(cognitive) particulars” (Karlsson 2011, 135), the connections constructed in it, the conclusions drawn and offered and the appeals made. It can consist in their accepting them and in their doubting, their distancing from them, their critique.

      On the recipient’s side, then, proper use of histories would be to recognize and accepts one’s own capacity and responsibility, one’s entitlement, but also obligation to actively relate to histories. It means to listen and read thinking.

    2. On the author’s side, proper use of history the means a way of addressing the recipient in a way which again recognizes his competence, it means to not trap him into a situation where he cannot actively relate, he may not be overpowered or overwhelmed.8 This requires to

      1. identify rather than hide the constructional status of the present history, the fact that it has been created by a specific, personal authors, with specific questions in mind, a specific background etc.

      2. to make visible his perspectives and values etc.,

      3. to discuss the ingredients of the story, the characteristics of the primary source material used, the concepts applied etc.

      4. to at least acknowledge, better: indicate, best: present and discuss contrasting and contradictory materials, conclusion, judgements,

      5. to at least indicate those parts of the story, which are more inferential than others – in a pictorial metaphor: which might be drawn in black and white or greyscale rather that full colour.

      Misuse, or abuse then clearly would be to hinder the recipient to make up his own mind, to reflect his/her own situation towards the story told, the “contents”, the values and concepts applied etc. Again: to violate the human right to self-determination.

    Two small remarks to the side:

    1. Using these criteria, we might easily arrive at condemning much of Eastern German historiography and history teaching – but I am sure that lots of historiography and teaching in the “free west” would look meek, too).

    2. The concept of “mediation” used by Karlsson and criticised by me above, can be regarded from here, too: If “mediation” is considered as “transmission” of a story to an audience, their heads and minds only, in a way where it has to be unchanged, this would be ab-use. The term “Vermittlung” in German clearly has the same problem. In most cases it is taken as “transfer of knowledge” to the students, whereas a proper consideration not only from pedagogical perspective9 but also from terminology would yield that it has to make different perspectives and understandings, different positions towards an object, a “content”, here: a historical account meet and recognize each other.

    6 Use and abuse in History Teaching

    This leads over to the last aspect: For didactics, use and abuse of history can also be discussed on the basis laid down above.

    Any history teaching which only focuses on providing students with (at least parts of) the one story in a fashion where it is best unchanged, any teaching which conceals from learners the nature both of the specific history at hand (including those in the textbooks) and of history as such as a narrative construct, with strengths in orientating offer but also with limits, which conceals that these histories do not just represent the past, but have a function in today’s societies and that they need to be assessed, related to, analysed and scrutinised, amounts to ab-use.

    History teaching not abusing history (or better: histories) then has to focus on the learners acquisition of the capacities, the competencies to recognize and accept their own responsibility and entitlement towards presented stories. Learners must not only learn to tell stories (in a proper way) but also to actively act as critical recipients. This is not only valid with a view to the individual’s human right of self-determination, but also with a focus on society and on history as such: Abuse can only work if recipients do not recognize and actively take their critical role.

    History teaching which is about hindering ab-use, then, is about

    1. empowerment – about empowerment of the learners to acknowledge and assert their own entitlement

    2. It is about not just teaching “the history”, but also the narrative, constructive logic of history from the start,

    3. It is about actively addressing historical debates and history wars – but not creating the impression that these history debates and wars as such were abuse, but that maybe one side, more often some participants on all sides, have better and worse arguments, which may be abuse,

    4. it is about considering the role of history and of specific argumentations in such debates and history wars,

    5. it is not about avoiding to take sides and stands, but to make clear on what grounds they are taken – and about letting the learners to take their own stands (but of course not without proper argumentation).

    It would be abuse to hinder learners to get insight into the function and role of history and histories in societal debates and to take their own reflected position.

    Thank you.

    1E.G. Schmid, Hans-Dieter (1979): Geschichtsunterricht in der DDR. Eine Einführung. Stuttgart (Anmerkungen und Argumente 25); Schmid, Hans-Dieter (1982): „Die Entwicklung des Geschichtsunterrichts in der SBZ/DDR.“ In: Bergmann, Klaus; Schneider, Gerhard (Hgg.; 1982): Gesellschaft – Staat – Geschichtsunterricht. Beiträge zu einer Geschichte der Geschichtsdidaktik und des Geschichtsunterrichts 1500-1980, Düsseldorf 1982, S. 313-348.

    2Mätzing, Heike Christina (1999): Geschichte im Zeichen des historischen Materialismus. Untersuchungen zu Geschichtswissenschaft und Geschichtsunterricht in der DDR. Hannover (Schriftenreihe des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung, Bd. 96). Heike Mätzing is also Co-Editor (to Verena Radkau) of a bibliography on History Teaching in the GDR: Mätzing, heike Christina; Radkau, Verena (Eds.; 2000): Die DDR-Geschichtsdidaktik im Spiegel der Publikationen seit 1990. Eine Bibliographie. In: www.gei.de/docsS96.htm (Stand Dezember 2000).

    3Demantowsky, Marko (2000): Das Geschichtsbewußtsein in der SBZ und DDR. Historisch-didaktisches Denken und sein geistiges Bezugsfeld unter besonderer Berücksichtigung der Sowjetpädagogik (1946-1973). Bibliographie und Bestandsverzeichnis. Berlin (Bestandsverzeichnisse zur Bildungsgeschichte, Bd. 9). Demantowsky, Marko (2003): Die Geschichtsmethodik in der SBZ und DDR – ihre konzeptuelle, institutionelle und personelle Konstituierung als akademische Disziplin 1945-1970. Idstein (Schriften zur Geschichtsdidaktik, Bd. 15);

    4Handro, Saskia (2002): Geschichtsunterricht und historisch-politische Sozialisation in der SBZ und DDR (1945-1961). Eine Studie zur Region Sachsen-Anhalt. Weinheim/Basel (Schriften zur Geschichtsdidaktik; 13).

    5Karlsson (2011), p. 132 citing Nietzsche, Friedrich (1983): „On the Uses and Disadvantages of History for Life.“ In: Nietzsche, Friedrich: Untimely Meditations. Cambridge: Cambridge, UP, pp. 57-124.

    6Reference to the FUER project and the discussion about whether historical consciousness were not reflective by default or by definition (Pandel, Schönemann) in Germany? Support for Karlsson’s position.

    7On this, see Körber, Andreas (2011): “German History Didactics: From Historical Consciousness to Historical Competencies – and beyond?” In: Historisch denken lernen. http://historischdenkenlernen.userblogs.uni-hamburg.de/2011/12/11/1348/, p. 13f.

    8This aspect is of course not only relevant for history. In teaching contexts, it has been formulated with reference to social studies as the first aspect of the „Beutelsbacher Konsens“ – the „Überwältigungsverbot“.

    9Oelkers? Girmes.

     

    Gastvortrag am 25.11.2010: Prof. Dr. RH Kofi Darkwah (Winneba/Ghana): „Human Rights and Historical Learning“ – a postcolonial perspective in a globalized world"

    „Herausforderungen an die Geschichtsdidaktik“:
    Gastvortrag
    von

    Herrn Prof. Dr. Kofi Darkwah

    Historian at the University of Education, Winneba (Ghana)

    „Human Rights and Historical Learning“
    – a postcolonial perspective in a globalized world –

    (in englischer Sprache)

    Do 25. November 2010
    18.00 Uhr

    im
    Völkerkundemuseum Hamburg

    PIASTA Völkerkundemuseum

    Zum Beitrag des Historischen Denkens zur politischen Urteilsfähigkeit

    BORRIES, BODO VON (2009): „Historische Bildung als Voraussetzung für Politische Mündigkeit?!“. Vortrag auf dem Jahreskongree der Landeszentrale für Politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern 2009. Online unter: http://www.lpb-mv.de/cms2/LfpB_prod/LfpB/_downloads/Jahreskongress_LpB_M-V_2009_Bodo_von_Borries.pdf (gelesen 29.1.2010).