Neuer Beitrag zu erinnerungskulturellen Sinnbildungsleistungen in Gesprächen

Clau­dia Lenz, Pro­fes­sorin an der Nor­we­gian School of The­ol­o­gy, Reli­gion and Soci­ety, und 2009–2012 Co-Lei­t­erin the TEACMEM-Pro­jek­ts, hat ger­ade zusam­men mit Peter Schröder einen neuen Artikel zu gespräch­sweisen Sinnbil­dun­gen zu Erin­nerungskul­tur veröf­fentlicht:

Lenz, Clau­dia; Schröder, Peter (2018): “Orte, an denen man wach­sen kann” – Empirische Rekon­struk­tio­nen von Sinnzuschrei­bun­gen im Zusam­men­hang mit der Eröff­nung zweier nor­wegis­ch­er Gedenkstät­ten. In: Forum Qual­i­ta­tive Sozial­forschung 19 (3), S. 1–54. DOI: 10.17169/fqs-19.3.2778.


Ansprache auf der Mahnwache anlässlich des 77. Jahrestags der Reichspogromnacht am 9. November 1938

Ein­ladung Mah­nwache 2015–3

 

Andreas Kör­ber

Ansprache zur Gedenk­feier am 9. Novem­ber 2015 auf dem Joseph-Car­lebach-Platz in Ham­burg

Liebe Anwe­sende,

Im Jahr 1940 schrieb ein führen­des Mit­glied des Cen­tralvere­ins deutsch­er Staats­bürg­er jüdis­chen Glaubens, Hans Reich­mann, im Exil in Eng­land fol­gende Sätze, nach­dem er in Folge der No­vem­ber­progrome 1938 im Konzen­tra­tionslager Sach­sen­hausen inhaftiert und nur gegen die Auflage, zu emi­gri­eren, ent­lassen wor­den war, fol­gende Sätze:

Wir, die wir aus­getrieben wur­den, die ein neues

Leben begin­nen sollen, wie man zu sagen

pflegt, sind ruh­e­los gewor­den. An die Zukun­ft

zu denken, wagen wir nicht mehr; woll­ten wir

sie mit gewohn­tem Maßstab abtas­ten, wir

müßten bange wer­den. Was unfaßbar schien,

ist Wirk­lichkeit: wir sind Luft­men­schen gewor­den,

wir haben den Boden unter uns ver­loren,

wir sind aus der Sicher­heit bürg­er­lichen

lebens ver­jagt – ohne Arbeit, ohne Heim, ohne

Heimat. […] Diese sechs Jahre haben ungezählte

jüdis­che Men­schen gebrochen, mich nicht.“

Hans Reich­mann war kein Ham­burg­er, er hat die Pogrome in Berlin erlebt. Seine Worte kön­nen aber auf­schlussre­ich sein.

Wir sind heute hier näm­lich zusam­mengekom­men, um der Opfer des dama­li­gen Geschehens zu gedenken, nicht nur, aber ger­ade auch hier in Ham­burg. Wir tun dies als Bürg­erin­nen und Bürg­er dieser Stadt, als Ange­hörige dieser Gesellschaft mit ganz unter­schiedlichen Bezü­gen zum dama­li­gen Geschehen.

Ich spreche heute zwar nicht im formellen Sinne für die Uni­ver­sität, aber doch als ihr Mit­glied. Für uns – für mich zumin­d­est – bedeutet dieses Gedenken zum einen das Andenken an die Opfer, die es auch aus den Rei­hen der Uni­ver­sität in jen­em Novem­ber 1938 gab. Daneben und vielle­icht bedeu­ten­der ist aber auch die Frage nach der Hal­tung der Uni­ver­sität zu und ihre Rolle im dama­li­gen Geschehen – und nicht zulet­zt danach, was für heute daraus fol­gt.

Der heutige Anlass ist für Vor­lesun­gen gelehrter Art nicht geeignet. Es möge daher reichen zu benen­nen, dass meine Insti­tu­tion in ihrer Gesamtheit damals schon keine Hüterin huma­nen wis­senschaftlichen Geistes mehr war. Sich­er waren nicht alle Pro­fes­sorin­nen und Pro­fes­soren von der Macht kor­rumpiert – aber doch genü­gend, und so hat­te die Uni­ver­sität Ham­burg schon weit vor dem Datum, dessen wir hier gedenken, jeglichen Wider­stand gegen den Ungeist aufgegeben – sofern man über­haupt von einem solchen Wider­stand der Insti­tu­tion sprechen kann – es gab ihn wohl vere­inzelt in der Uni­ver­sität, nicht aber als einen der Uni­ver­sität.

Nach­dem jüdis­che und aus anderen Grün­den ver­fol­gte Pro­fes­sorin­nen, Pro­fes­soren und andere Lehrende ent­lassen und ins Exil oder gar in den Selb­st­mord getrieben wor­den waren (die Benen­nung unser­er Bib­lio­thek nach Martha Muchow dort hin­ten zeugt von später Scham auch hierüber), war die Uni­ver­sität zu großen Teilen selb­st schon Teil des Ungeistes, der sich nun auch hier, in ihrer Nach­barschaft, sicht­bar man­i­festierte.

Da aber Insti­tu­tio­nen selb­st nicht entschei­den, gilt die Empörung und die Scham dem Tun und Nicht­stun konkreter Per­so­n­en. Per­so­n­en, die auch nach 1933 und beson­ders 1938 noch sich hät­ten umentschei­den kön­nen gegen das, was nicht nur hier, aber auch und ger­ade hier in ihrer unmit­tel­baren Nach­barschaft ver­anstal­tet, wurde. Sie haben es nicht getan.

Was aber ist dieses unser Gedenken? Wem gilt es? Wem gegenüber geschieht es und mit welchem Anliegen? Ich möchte darauf eine Antwort nicht nur, aber auch für die Uni­ver­sität skizzieren, die mich bewogen hat, der Bitte, diese Ansprache zu übernehmen, zu entsprechen.

Zunächst ein­mal gedenken wir hier der Män­ner, Frauen und Kinder, die im Zuge der von Nation­al­sozial­is­ten organ­isierten, zugle­ich aber auch von vie­len anderen Ham­burg­ern gedulde­ten und unter­stützten Gewalt­tat­en heute vor nun­mehr 77 Jahren ver­fol­gt, entrechtet, an Gut und Leib beschädigt, der Frei­heit beraubt, an jen­em Tage oder in der Folge sog­ar getötet, und das bedeutet: ermordet, wur­den, wie auch der­er, die angesichts der Ver­fol­gung keinen anderen Ausweg sahen, als sich selb­st das Leben zu nehmen – auch dies eine Form des Mordes.

Wir gedenken aber auch der Erfahrun­gen der­jeni­gen Men­schen, die nicht physisch betrof­fen waren, denen aber über­aus drastisch verdeut­licht wurde, dass und auch wie man sie nicht – nicht mehr – dazuge­hören lassen wollte: zu Ham­burg, zu Deutsch­land, und – wie sich später her­ausstellte: zur Men­schheit.

Wem gilt dieses Gedenken: Den dama­li­gen Opfern gegenüber ist es eine Geste der Wieder-Anerken­nung ihrer so beschädigten Zuge­hörigkeit. Im Falle der damals Umgekomme­nen kann er nicht anders sein als sym­bol­isch und somit unvoll­ständig – der Stachel bleibt. Den Über­leben­den gegenüber, ob zurück­gekehrt oder nicht, ist der­ar­tiges Gedenken ein Ver­sprechen gewe­sen, diese Aus­gren­zung nicht fort­führen zu wollen, sie wieder als Mit­glieder unser­er Gemein­schaft anzuerken­nen – nicht, als ob nichts gewe­sen wäre, son­dern in vollem Bewusst­sein und in expliziter Benen­nung des geschehenen Unrechts. Ihnen gegenüber auch ist es beson­ders nötig, dieses immer wieder zu bekun­den: Wer einen solchen Rechts- und Ver­trauens­bruch erfahren musste, der bedarf nicht ein­er ein­ma­li­gen, abschließen­den Sol­i­dar­itäts­bekun­dung, son­dern wieder­holter. Spät genug hat unsere Gesellschaft, haben wir damit begonnen, solch­es zu tun.

Sodann ist unser Gedenken aber auch eine Trauer um das, was diese so hin­aus­getriebe­nen Men­schen für uns, für die Gesellschaft, der wir uns im Rück­blick doch ange­hörig fühlen, bedeutet haben und weit­er hät­ten bedeuten kön­nen. Nicht nur dort, wo Fam­i­lien, Fre­und- und Nach­barschaften zer­ris­sen wur­den, ist er spür­bar – er bet­rifft uns alle, heute noch. Ihr Ver­lust an men­schen­würdi­ger Sicher­heit ist auch unser aller Ver­lust gewe­sen – an Beziehun­gen, Erfahrun­gen, und nicht zulet­zt an gegen­seit­iger Men­schlichkeit und Sol­i­dar­ität.

Auch hier gilt: Unser Erin­nern und Gedenken macht den Ver­lust nicht rück­gängig, ist aber nötig, um das Ver­lorene angesichts und in stetiger Ken­nt­nis des Geschehens wieder zu gewin­nen und zu bewahren.

Let­ztlich vergewis­sern wir uns im Gedenken näm­lich auch unser­er selb­st: Wer sind wir und wer wollen wir sein angesichts und gegenüber diesem Geschehen?

Im Denken an die Opfer der dama­li­gen Gewalt, aber auch des sie beglei­t­en­den Schweigens und Duldens, im Denken an den Ver­lust durch die Gesellschaft, die es nicht ver­hin­dern kon­nte, es als Ganze aber auch nicht wollte, im Denken an den Ver­lust, den eben dies auch für uns als Gesellschaft bedeutete und noch bedeutet, beken­nen wir uns zur his­torischen Ver­ant­wor­tung, uns selb­st gegenüber, einan­der und vor allen anderen. Nicht nur den Opfern und einan­der, die wir hier ste­hen, auch allen anderen gegenüber sagt dieses Gedenken etwas.

Damit bin ich beim drit­ten Punkt: Was fol­gt aus solchem Gedenken?

So sehr es stimmt, was Hans Reich­mann schrieb, dass das Geschehen über viele der einzel­nen Opfer in „unfass­bar­er“, weil für sie außer­halb des Erwart­baren liegen­der Weise here­in­brach, so sehr gilt auch, dass es dem erin­nern­den Rück­blick keineswegs als unvor­bere­it­et erscheint. Wir wis­sen, wie die Jahre zuvor, nicht nur seit 1933, als Schritte zu dieser Bar­barei inter­pretiert wer­den kön­nen. Wir wis­sen aber auch, dass es keineswegs zwangsläu­fig war, unver­mei­dlich.

Und so muss auch gel­ten, dass ein Gedenken, das zunächst und zuvörder­st Trauer ist und den Opfern gilt, leer bleibt, wenn es nicht den Blick auch auf das Heute richtet. Ger­ade weil wir es für sin­nvoll und nötig befind­en, dieses Gedenken immer wieder, deut­lich und öffentlich zu bekun­den, müssen wir auch fra­gen, inwiefern es aktuell Entwick­lun­gen gibt, die frühzeit­ig zu erken­nen und zu benen­nen sind und denen ent­ge­genge­treten wer­den muss, damit nicht wieder Men­schen unschuldig zu Opfern von Tat­en wer­den, der­er man in ferner­er Zukun­ft in gle­ich­er Weise sollte gedenken müsste.

Ja, es gibt sie: Heute sind es nicht langjährige Ange­hörige der Gesellschaft, die in der­art „unfass­bar­er“ Weise, wie ein­gangs zitiert, „aus der Sicher­heit bürg­er­lichen Lebens ver­jagt“ wer­den „– ohne Arbeit, ohne Heim, ohne Heimat“, und die so zu „Luft­men­schen“ gemacht wur­den, son­dern Men­schen, die zu uns kom­men, weil sie anderes, aber ver­gle­ich­bar Ein­schnei­den­des erlebt haben – Men­schen, denen hier bei uns neben großer Hil­fs­bere­itschaft auch immer wieder Aus­gren­zung und Ablehnung ent­ge­gen­schlägt – bis hin dazu, dass wieder Gebäude bren­nen und Män­ner, Frauen und Kinder ange­grif­f­en wer­den. Das darf nicht sein.

Gewiss: Eigentlich muss man nicht gedenken und erin­nern, und his­torisch denken, um zu wis­sen, dass der­ar­tiges unverzeih­lich und unmen­schlich ist. Aber weil die Geschichte zeigt, dass solche Moral und Ethik brüchig ist, kann Gedenken und Erin­nern nicht stumm bleiben gegenüber dem Gegen­wär­ti­gen.

Seien wir daher als eine vielfältige Gesellschaft und als Uni­ver­sität ein­er solchen vielfälti­gen bere­it, nicht nur sein zu lassen, was zu solchem Geiste führt, son­dern auch uns zu beteili­gen an der Gestal­tung unser­er Gesellschaft in ein­er Weise, die es ver­hin­dern möge, dass in eini­gen Jahrzehn­ten wieder um Men­schen und um ver­lorene, aufgegebene, nicht bewahrte Men­schlichkeit getrauert und erin­nert wer­den muss.

Wis­senschaft und akademis­che Bil­dung als solche sind, das zeigt die Erfahrung, nicht gefeit vor frem­den­feindlichen Denkweisen und auch ein wis­senschaftlich­es Studi­um der Geschichtswis­senschaft allein hält – wie zwei aktuelle Fälle zeigen – nicht ein­mal Lehrer davon ab, pauschalierende, frem­den­feindliche und Men­schen wegen ihrer Zuge­hörigkeit zu ein­er Reli­gion, Kul­tur zu dif­famieren – von ein­er Hal­tung und Prax­is also, die das heute erin­nernd zu Bekla­gende mit ermöglicht hat. Wis­senschaft und his­torische Bil­dung kann helfen, muss sich aber ihrer huma­nen Grund­la­gen ver­sich­ern.

Indem wir uns heute in Trauer und rück­blick­en­dem Entset­zen vor diesen Men­schen verneigen und ihre ihnen damals verneinte Zuge­hörigkeit zu unser­er Gemein­schaft wieder anerken­nen, beken­nen wir uns auch zu einem Geist, ein­er Hal­tung, gle­ich­es nicht wieder zuzu­lassen.

Vortrag zu interkulturellem Lernen an Gedenkstätten

Kör­ber, Andreas (27. 5. 2014): “TeacMem – Devel­op­ing Com­pe­tence-Ori­ent­ed Teach­ing on His­tor­i­cal Mem­o­ries.” Vor­trag auf der Fach­ta­gung »Gemein­sam erin­nern, gemein­sam Zukun­ft gestal­ten« des Päd­a­gogis­chen Aus­tausch­di­en­stes (PAD) der Kul­tus­min­is­terkon­ferenz am 26./27. Mai 2014 in Bonn.

Kör­ber, Andreas (27. 5. 2014): “TeacMem – Devel­op­ing Com­pe­tence-Ori­ent­ed Teach­ing on His­tor­i­cal Mem­o­ries.” Vor­trag auf der Fach­ta­gung »Gemein­sam erin­nern, gemein­sam Zukun­ft gestal­ten« des Päd­a­gogis­chen Aus­tausch­di­en­stes (PAD) der Kul­tus­min­is­terkon­ferenz am 26./27. Mai 2014 in Bonn.

gerade erschienen: Körber, Andreas “De-Constructing Memory Culture.”

Kör­ber, Andreas “De-Con­struct­ing Mem­o­ry Cul­ture.” In: Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148, S. 145–150.

Ein Kri­te­rienkat­a­log zur Analyse von Aus­drucks­for­men his­torisch­er Erin­nerun­gen.

Kör­ber, Andreas “De-Con­struct­ing Mem­o­ry Cul­ture.” In: Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148, S. 145–150.

Körber, Andreas: “Historical Thinking and Historical Competencies as Didactic Core Concepts”

Kör­ber, Andreas: “His­tor­i­cal Think­ing and His­tor­i­cal Com­pe­ten­cies as Didac­tic Core Con­cepts”. In: Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148, S. 69–96.

ger­ade erschienen:

Kör­ber, Andreas: “His­tor­i­cal Think­ing and His­tor­i­cal Com­pe­ten­cies as Didac­tic Core Con­cepts”. In: Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148, S. 69–96.

Neuerscheinung: Bjerg/Körber/Lenz/v. Wrochem (Eds.; 2014): Teaching Historical Memories

Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148.

Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148. Darin:

  • Kör­ber, Andreas: “His­tor­i­cal Think­ing and His­tor­i­cal Com­pe­ten­cies as Didac­tic Core Con­cepts”; pp. 69–96.
  • Kör­ber, Andreas “De-Con­struct­ing Mem­o­ry Cul­ture.” pp. 145–150.

 

 

 

In dieser Woche ist eine Pub­lika­tion erschienen, an welch­er Mit­glieder des Arbeits­bere­ichs beteiligt waren:

Bjerg, Helle/Körber, Andreas/Lenz, Clau­dia et al. (Hg.) (2014): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods (= Neuengam­mer Kol­lo­qui­en, Band 4), Berlin.

Bjerg/Körber/Lenz/von Wrochem (Eds.; 2014)

Vgl. auch: Blog-Ein­trag im Blog des Projects TeacMem

TeacMem Developing Competence-Orientated Teaching on Historical Memories (2009–2013)

Abschlusskonferenz des TeacMem-Projekts zur Erinnerungskultur

Vom 19. bis 22. Novem­ber 2012 fand an der Uni­ver­sität Ham­burg und im Stu­dien­zen­trum der KZ-Gedenkstätte Neuengamme die Abschlusskon­ferenz des tri­na­tionalen Pro­jek­ts “TeacMem” statt.

Das Pro­jekt brachte — koor­diniert von Prof. Dr. Andreas Kör­ber — Forsch­er, Lehrerausbilder(innen), Lehrer(innen), Gedenkstät­ten- und Museumspädagog(inn)en sowie Studierende aus Däne­mark, Nor­we­gen und Deutsch­land zusam­men. In drei Seminaren/Konferenzen in Ham­burg-Neuengamme (2010), Kopen­hagen (2010) und Oslo (2012) erkun­de­ten sie die jew­eili­gen geteil­ten (“shared” und “divid­ed”) Erin­nerungskul­turen der Gast­ge­ber­län­der zum Zweit­en Weltkrieg und der gemein­samen Geschichte und erar­beit­eten Konzepte und Meth­o­d­en für die Inte­gra­tion dieses The­mengebits in die Lehrerbil­dung und den schulis­chen Geschicht­sun­ter­richt.

Auf der Abschlusskon­ferenz, zu der Lehrerausbilder(innen) und andere Multiplikatori(inn)en sowie Studierende aus allen drei Län­dern anreis­ten, präsen­tierte das Pro­jekt sowohl sein Vorge­hen als auch einige Ergeb­nisse. Als externe Gäste präsen­tierten Joke van der Leeuw-Roord, Direc­tor von EUROCLIO (dem europäis­chen Geschicht­slehrerver­band), Cecilie Feli­cia Stokholm Banke vom Dänis­chen Insti­tut für Inter­na­tionale Stu­di­en (DIIS) und Prof. Dr. Kristin Skin­stad van der Kooij vom Mas­ter­pro­gramm in Mul­ti­kul­tureller und Inter­na­tionaler Bil­dung des Oslo und Aker­shus Uni­ver­si­ty Col­lege zusät­zliche Aspek­te zum Gegen­stand und Kon­text des Pro­jek­ts sowie zu sein­er Eval­u­a­tion.

Die Kon­ferenz begann im Lichthof der Staats- und Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Carl von Ossi­et­zky  mit der Präsen­ta­tion des in Vor­bere­itung befind­lichen Buch­es “Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive” (hgg. von Helle Bjerg, Andreas Kör­ber, Clau­dia Lenz und Oliv­er von Wrochem),welches Beiträge zu den Erfahrun­gen der Pro­jek­t­teil­nehmer in den drei inter­na­tionalen und inter­pro­fes­sionellen Begeg­nungssem­inaren sowie zu den Konzepten und Meth­o­d­en für Lehrer(innen)bildung und schulis­chen Geschicht­sun­ter­richt ver­sam­melt, aber auch solche, in welchen Mate­ri­alien zu beson­ders ertra­gre­ichen The­men­feldern präsen­tiert wer­den.

An diesem ersten Abend wurde auch auss­chnit­tweise eine Videodoku­men­ta­tion über die drei Pro­jek­t­sem­inare präsen­tiert, welche das “look and feel”, aber auch die Dynamik der Diskus­sio­nen und Lern­prozesse sicht­bar machte. Auf der Grund­lage dieses Video­ma­te­ri­als wird auch ein pädagoigis­ches Videokonzept entste­hen. Gefol­gt wurde diese Präsen­ta­tion vom Hauptvor­trag des Abends durch Cecilie Stokholm Banke über “Mem­o­ry Cul­ture as a Sub­ject of His­to­ry Didac­tics”.

Der zweite Tag bot den Teilnehmer(inn)en die Möglichkeit, die KZ-Gedenkstätte neuengamme ken­nen­zuler­nen, war aber vor allem der Präsen­ta­tion (und par­tiell dem Aus­pro­bieren) und der Diskus­sion von Aktiv­itäten und Meth­o­d­en des Pro­jek­ts gewid­met. neben ein­er Präsen­ta­tion der the­o­retis­chen Grund­la­gen des Pro­jek­ts im Kom­pe­tenz­mod­ell his­torischen Denkens nach “FUER Geschichts­be­wusst­sein” wur­den hier sowohl solche Meth­o­d­en vorgestellt, die der Ini­ti­ierung von Selb­stre­flex­ion und von Diskus­sion­sprozessen zu Beginn von Begeg­nungssem­inaren und in Pro­jek­ten dienen (Helle Bjerg und Katrine Vinther Scheibel), als auch solche, die die Re- und De-Kon­struk­tion von Erin­nerun­gen fördern (Clau­dia Lenz und Anne Tal­snes. dieser Aspekt stand auch im Zen­trum der Präsen­ta­tion eines Lehrpro­gramms zu Denkmälern an die Zer­störung des nor­wegis­chen Fis­cher­dorfs Telavag dort und im nahen Bergen, durch Jen­ny Heg­gvik und May Britt Wiel Haug­land, das eine Rei­he von instruk­tiv­en Fotos dieser Denkmäler enthält.

sowie solche für Aktiv­itäten im üblichen Klassen- oder Lern­grup­pen­ver­band (Har­ald Syse). darüber­hin­aus wur­den Konzepte und Mate­ri­alien für die The­ma­tisierung beson­ders ertra­gre­ich­er Prob­lemthe­men wie etwa die The­ma­tisierung von “Tätern” und die ambiva­len­ten Erin­nerun­gen im Zusam­men­hang mit der Ret­tungsak­tion der Weißen Busse präsen­tiert (Oliv­er von Wrochem; Ulrike Jensen).

Der dritte Tag war der Reflex­ion und Eval­u­a­tion gewid­met. Neben drei Studieren­den, die ihre Sicht auf Erfahrun­gen mit den Lern­prozessen aus einem der Begeg­nungssem­inare reflek­tierten, the­ma­tisierten Joke van der Leeuw-Roord von EUROCLIO und Kristin Skin­stad van der Kooij das Pro­jekt, seine Prämis­sen und Konzepte wie auch die Ergeb­nisse zum einen aus der Sicht des Geschicht­sler­nens zum Anderen aus der­jeni­gen der interkul­turellen Bil­dung. Bei­de Kom­men­ta­torin­nen würdigten den Beitrag des Pro­jek­ts zur Entwick­lung eines wichti­gen Feldes des Geschicht­sler­nens und emp­fahlen die Über­tra­gung sein­er Prinzip­i­en auf andere The­men der europäis­chen aber auch außereu­ropäis­chen Geschichte und Erin­nerung.

 

Vgl. auch

 

  • TeacMem Project Sponsors

    With the support of the COMENIUS programme of the European UnionWith the support of the COMENIUS programme of the European Union
    This project has been fund­ed with sup­port from the Euro­pean Com­mis­sion. This pub­li­ca­tion /communication reflects the views only of the author, and the Com­mis­sion can­not be held respon­si­ble for any use which may be made of the infor­ma­tion con­tained therein.Reg.-Nr.: 504689-LLP‑1–2009-1-DE-COMENIUS-CMP

 

Internationale Konferenz zur Erinnerungskultur in Ghana und Deutschland im Vergleich

Kör­ber, Andreas (20.9.2012): “His­tor­i­cal Remem­ber­ing and Learn­ing at Memo­ri­als in Ger­many” and a Cam­pus-Tour on “Decen­tral­ized Remem­ber­ing of the Crimes of Nation­al Social­ism”. Vor­trag auf der Tagung “Struc­tures and Process­es of Com­mem­o­rat­ing Cru­el­ties in Acad­eme and His­to­ry Teach­ing: The com­mem­o­ra­tion of the Transat­lantic Slave Trade and of the Nation­al Social­ist Crimes in Com­par­i­son” vom 20. bis 24. Sep­tem­ber 2012 in Ham­burg

 

Vom 20. bis 24. Sep­tem­ber 2012 fand in Ham­burg die vom Arbeits­bere­ich Geschichts­di­dak­tik der Uni­ver­sität Ham­burg gemein­same mit dem Stu­dien­zen­trum der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Mis­sion­sakademie an der Uni­ver­sität Ham­burg ver­anstal­tete inter­na­tionale Kon­ferenz “Struc­tures and Process­es of Com­mem­o­rat­ing Cru­el­ties in Acad­eme and His­to­ry Teach­ing: The com­mem­o­ra­tion of the Transat­lantic Slave Trade and of the Nation­al Social­ist Crimes in Com­par­i­son” statt.

Die Kon­ferenz hat­te zum Ziel, Struk­turen und For­men des öffentlichen Erin­nerns in Deutsch­land an die nation­al­sozial­is­tis­chen Ver­brechen in Deutsch­land und Europa und diejeni­gen der öffentlichen Präsen­ta­tion der Geschichte des Transat­lantis­chen Sklaven­han­dels (wie auch der ein­heimis­chen Sklaverei) in Ghana sowie die gegen­wär­tige Rolle dieser The­men in schulis­chem und uni­ver­sitärem Geschicht­sler­nen zu ver­gle­ichen und auf die didak­tis­chen Poten­tiale ger­ade auch des Ver­gle­ichs hin auszu­loten. Dabei wurde auch die Bedeu­tung von Reli­gion und religiösem Denken sowohl für die Sklaverei, den Sklaven­han­del und ihre Über­win­dung als auch für his­torisches Denken und Erin­nern sowie Ler­nen an diesem Gegen­stand the­ma­tisiert.

Die The­matik der Tagung entsprach ein­er gemein­samen Idee von Prof. Dr. Kofi Dark­wah von der Uni­ver­si­ty od Edu­ca­tion in Win­ne­ba/Ghana und Prof. Dr. Andreas Kör­ber. Sie wurde in enger Zusam­me­nar­beit mit Kol­legin­nen und Kol­le­gen mehrerer Uni­ver­sitäten in Ghana von Jan Bre­it­en­stein, Dok­torand der Geschichts­di­dak­tik an der Uni­ver­sität Ham­burg, vor­bere­it­et und organ­isiert.

Ref­er­enten der Tagung waren:

  • Dr. Kofi Baku (Uni­ver­si­ty of Ghana, Legon; Head of His­to­ry Depart­ment): “Mem­o­ry and Memo­ri­al­is­ing Slav­ery and Slave Trade in Ghana: Whose mem­o­ry, Which memo­ri­als and for What Pur­pose?”
  • Prof. Dr. Andreas Kör­ber (Ham­burg Uni­ver­si­ty):  “His­tor­i­cal Remem­ber­ing and Learn­ing at Memo­ri­als in Ger­many” and a Cam­pus-Tour on “Decen­tral­ized Remem­ber­ing of the Crimes of Nation­al Social­ism”
  • Prof. Dr. Eliz­a­beth Amoah (Uni­ver­si­ty of Ghana, Legon;): “Reli­gion and Slav­ery in Ghana”
  • Prof. Dr. Wern­er Kahl (Acad­e­my of Mis­sion, Ham­burg): “The­ol­o­gy after Auschwitz: Where is god? — Expe­ri­ences and reflec­tions of African migrant pas­tors in Neuengamme.”
  • Dr. Ako­sua Per­bi (Uni­ver­si­ty of Ghana, Legon;): “Slav­ery in Ghana: The Unfor­got­ten Past”
  • Ulrike Jensen and Mar­co Küh­n­ert (Neuengamme Con­cen­tra­tion Camp Memo­r­i­al): Guid­ed Tour
  • Dr. Oliv­er von Wrochem (Neuengamme Con­cen­tra­tion Camp Memo­r­i­al Strudy cen­tre): “Neuengamme as a Memo­r­i­al and Place for His­tor­i­cal Learn­ing”
  • Nicholas Ivor (Head of the Ghana Muse­ums and Mon­u­ments Boards (GMMB) for the Cen­tral and West­ern Regions): “Cape Coast Cas­tle as a Memo­r­i­al and Place for His­tor­i­cal Learn­ing”
  • HMJoki­nen (Ham­burg): “Wands­bek World White Revis­it­ed” (com­mem­o­ra­tive per­for­mance)
  • Prof. Dr. Klaus Weber (Europa-Uni­ver­sität Viad­ri­na, Frankfurt/Oder): “There were many Schim­mel­manns: Hamburg’s and Cen­tral Europe’s Links with the Atlantic Slave Trade and Plan­ta­tion Economies, 16th to the 19th Cen­turies”
  • Jan Bre­it­en­stein (Ham­burg Uni­ver­si­ty): “Per­for­ma­tive Com­mem­o­rat­ing and Flu­idRemem­ber­ing of the Transat­lantic Slave Trade: Impulse or Frame­work for (process-ori­ent­ed) His­tor­i­cal Learn­ing?”
  • Dr. Yaw Ofusu-Kusi (Uni­ver­si­ty of Edu­ca­tion, Win­ne­ba/Ghana): “Vio­la­tions of Child­hood through Enslave­ment of Chil­dren in West Africa: Past, Present and the Future.”
  • Prof. Dr. (em.) Bodo von Bor­ries (Uni­ver­sität Ham­burg): „Transat­lantic Slave Trade“ and „German/ Euro­pean Holo­caust“ as Mas­ter Nar­ra­tives – Edu­ca­tion in between Com­mem­o­ra­tion of Geno­cides and Neces­si­ty of Human Rights.”
  • Dr. Felix Duo­du (Uni­ver­si­ty of Edu­ca­tion, Win­ne­ba/Ghana): “The rel­e­vance of soci­etal diver­si­ty for Inter eth­nic (his­to­ry) Teach­ing in Ghana.”
  • Dr. Clau­dia Lenz (The Euro­pean Werge­land Cen­tre, Oslo/Norway): “Com­pe­tence ori­ent­ed his­tor­i­cal learn­ing as inter­cul­tur­al learn­ing – expe­ri­ences from the TeacMem project.”
  • Joke van der Leeuw-Roord (Euro­clio, The Hague): “Chang­ing His­tor­i­cal Learn­ing in Schools and its impli­ca­tions for Teach­ing about Slav­ery and Nation­al Social­ism”
  • Emmanuel Koom­son (African Chris­t­ian Mis­sion A.C.M. Junior High School, Winneba/Ghana): “Slave Trade and its Com­mem­o­ra­tion as a Top­ic for His­tor­i­cal Learn­ing in Ghana.”
  • Hilde­gard Wack­er (Gym­na­si­um Cor­veystraße, Ham­burg and Ham­burg Uni­ver­si­ty): “Nation­al Social­ism and its Com­mem­o­ra­tion as a Top­ic for His­tor­i­cal Learn­ing in Ger­many.”

 

Marine-Ehrenmal in Kiel-Laboe: Streit um die Neukonzeption

Das im Drit­ten Reich als Ehren­mal für gefal­l­ene “Helden” der Marine errichtete “Ehren­mal” in Laboe ist umgestal­tet wor­den. Dabei sind gemäß dem Urteil einiger His­torik­er und Didak­tik­er (darunter Detlef Garbe, Leit­er der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Karl Hein­rich Pohl aus Kiel) wesentliche Chan­cen vergeben wor­den, zu einem reflek­tierten Geschichts­be­wusst­sein beizu­tra­gen.

Vgl. hier

Der Fall ist wieder ein­mal eine Bestä­ti­gung, dass ein großer Bedarf dafür beste­ht, im Geschicht­sun­ter­richt nicht (nur/vor allem) über die “wahre” Geschichte und Ver­gan­gen­heit zu unter­richt­en, son­dern min­destens eben so stark über die Konzepte und Kat­e­gorien sowie Meth­o­d­en und Medi­en, mit welch­er unsere Gesellschaft über die Ver­gan­gen­heit stre­it­et oder auch nur debat­tiert, und über die Kri­te­rien, mit denen darüber geurteilt wird.

“Reflek­tiertes Geschichts­be­wusst­sein” und Kom­pe­ten­zen zur De-Kon­struk­tion von der­ar­ti­gen öffentlichen (proto-)Narrativen müssen im Unter­richt gefördert wer­den. Das Ziel ist die Befähi­gung der Ler­nen­den zur Teil­habe an solchen Debat­ten, wie sie u.a. in diesem Artikel sicht­bar wer­den. Dazu gehört u.a. auch die Fähigkeit, unter­schiedliche Erin­nerungs- und Gedenk­for­men zu unter­schei­den und ihre poli­tis­chen Gegen­warts­bezüge zu erken­nen und sich dazu ver­hal­ten zu kön­nen, also etwa ger­ade Ehren­male von Mah­n­malen, Sieger- vom Ver­lier­er-Gedächt­nis und bei­de von ein­er reflex­iv­en Erin­nerung, welche nicht die Erin­nerung an “eigene” Groß­tat­en und/oder Nieder­la­gen formiert und still­stellt, son­dern den Besuch­ern die Chance eröffnet, sich selb­st, von ihrem eige­nen zeitlichen Hor­i­zont aus, reflex­iv zum Dargestell­ten zu ver­hal­ten.