Interessanter Gastvortrag von Steven Stegers (EUROCLIO) zu demokratischen Formen des Unterrichtens, Diagnostizierens und Prüfens im Fach Geschichte

Am 1. Juli hat­te der Arbeits­bere­ich Geschichts­di­dak­tik den Pro­gram­mdi­rek­tor von EUROCLIO, des früheren Dachver­ban­des europäis­ch­er Geschicht­slehrerver­bände und heutiger europaweit tätiger NGO im Rah­men der his­torisch-poli­tis­chen Bil­dung zu Gast. In einem Gastvor­trag an der Fakultät für Erziehungswis­senschaft stellte er — aus­ge­hend von eini­gen Besorg­nis erre­gen­den gegen­wär­ti­gen geschicht­spoli­tis­chen Aktio­nen in ver­schiede­nen europäis­chen Län­dern ein­schließlich einiger Ver­suche, Geschicht­sun­ter­richt in Inhalt und Struk­turen für die Ver­mit­tlung geschlossen­er Geschichts­bilder in Dienst zu nehmen, betonte er in einem anre­gen­den und inter­es­san­ten Überblick über die Ver­hält­nisse in mehreren europäis­chen Län­dern die Bedeu­tung frei­heitlichen, die Befähi­gung der Schü­lerin­nen und Schüler zum eigen­ständi­gen his­torischen Denkens ins Zen­trum stel­len­den “his­to­ry edu­ca­tion” und entsprechen­der nicht-engführen­der Assess­ment- und Prü­fungs­for­men.

On 1st July 2016, the pro­gramme direc­tor of EUROCLIO, the for­mer umbrel­la asso­ci­a­tion of Euro­pean His­to­ry Teacher Asso­ci­a­tions and the today world­wide oper­at­ing NGO, vis­it­ed the Depart­ment of His­to­ry Edu­ca­tion. Start­ing with some alarm­ing exam­ples of con­tem­po­rary his­tor­i­cal-polit­i­cal actions (includ­ing attempts to use his­to­ry teach­ing for the medi­a­tion of ‚closed‘ views on his­to­ry), he pre­sent­ed in his guest lec­ture at the fac­ul­ty an inspir­ing and inter­est­ing overview of the con­di­tions of his­to­ry teach­ing in sev­er­al Euro­pean states. He empha­sized the impor­tance of a lib­er­al his­to­ry edu­ca­tion with open for­mats of assess­ment and exam­i­na­tion that enable stu­dents to think his­tor­i­cal­ly in an inde­pen­dent way.

28.4.2010; 19.00h: Gastvortrag Prof. Dr. Bodo von Borries

Ästhetik, Emo­tion­al­ität und Moral als — unver­mei­dliche und reflek­tions­bedürftige — Kom­po­nen­ten des Geschicht­sler­nens

Geschicht­sler­nen stellt dur­chaus einen nicht-nur-kog­ni­tiv­en Prozess dar. Emo­tio­nen, Ästhetik, Moral, Poli­tik, Imag­i­na­tion, Trieb­dy­namik usw. haben ihren Anteil an Aus­lö­sung, Ver­lauf und Ergeb­nis; sie treiben also nicht nur Ler­nen (oder Lern­ver­weigerung) an, son­dern ändern sich auch durch Umgang mit Geschichte. Das ist triv­ial und wird von nie­man­dem bestrit­ten. Es wird aber meist auch über­haupt nicht ernst genom­men, nicht nur in der Unter­richt­sprax­is (mit ihrer häu­fi­gen Still­stel­lung von Ästhetik und Emo­tion), son­dern auch in The­o­riebil­dung, Norm­set­zung und empirisch­er Erforschung im Rah­men akademis­ch­er Geschichts­di­dak­tik.
Es geht im Vor­trag also um zweier­lei. Zum einen sind an exem­plar­ischen Fällen Urge­walt und Unver­mei­dlichkeit der nicht-nur-kog­ni­tiv­en Momente des Geschicht­sler­nens — sie müssen wed­er außer-kog­ni­tiv noch anti-kog­ni­tiv sein! — so zu verdeut­lichen, dass sie nicht wieder gle­ich danach in Vergessen­heit ger­at­en. Zum zweit­en ist anzudeuten, wie sie bei der Norm­set­zung (z.B. Lernziele) ehrlich­er reflek­tiert und in die geschichts­di­dak­tis­che The­o­rie, ins­beson­dere das Kom­pe­ten­zstruk­tur- und ‑graduierungsmod­ell von “FUER Geschichts­be­wusst­sein”, begrif­flich dif­feren­ziert­er inte­gri­ert wer­den kön­nen.

Datum: 28. April 2010
Zeit: 19.00h
Ort: Von-Melle-Park 6 (Philosophen­turm), Hör­saal E