Reflektiertes Geschichtsbewusstsein — Elemente einer Definition und Operationalisierung (Stand: 23.10.2008)

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  1. Def­i­n­i­tion:
  2. Reflek­tiertes Geschichts­be­wusst­sein ist diejenige Art und Weise des Umgangs mit Geschichte, der his­torischen Sinnbil­dung, die sich ihrer eige­nen Voraus­set­zun­gen und der weit­eren Deter­mi­nan­ten und Fak­toren sowie des Ver­fahrens, sein­er Leis­tun­gen und Gren­zen bewusst ist. Während der Begriff des „Geschichts­be­wusst­seins” in sein­er Def­i­n­i­tion als „Sinnbil­dung über Zeit­er­fahrung” auch un- und unter­be­wusste Prozesse und Struk­turen ein­schließt, ist reflek­tiertes Geschichts­be­wusst­sein eine gesteigerte, informierte Form.

  3. Prämis­sen:
    1. „Geschichte” ist nicht gle­ich Ver­gan­gen­heit, son­dern immer eine par­tielle, gedeutete, kon­stru­ierte Ver­gan­gen­heit.
    2. „Geschichte” ist per­spek­tivisch.

  4. Deter­mi­nan­ten:
  5. Deter­mi­nan­ten von Geschichts­be­wusst­sein, die in einem reflek­tierten Geschichts­be­wusst­sein selb­st bewusst gemacht wer­den und argu­men­ta­tiv bew­ertet wer­den kön­nen müssen, sind u.a.:

    1. das jew­eils eigene Bedürf­nis, welch­es ein his­torisches Denken aus­gelöst bzw. angestoßen hat, darunter auch: inwieweit dieses Bedürf­nis aus der eige­nen per­sön­lichen Erfahrung entspringt,
    2. vorgängig in den Prozess des his­torischen Denkens einge­brachte Vorstel­lun­gen dessen, was am Ende dabei her­aus kom­men kön­nte: Vorstel­lun­gen von der Leis­tung his­torischen Wis­sens und Denkens, über die „Ori­en­tierungskraft” für das Indi­vidu­um und die Gesellschaft.
    3. eigene poli­tis­che, soziale, religiöse etc. Posi­tio­nen (bzw. die eigene Zuge­hörigkeit zu gegen­wär­ti­gen sozialen Grup­pen mit eige­nen Werten etc.)
    4. Vorstel­lun­gen über das Zus­tandekom­men his­torischen Wis­sens (Infor­ma­tio­nen)
      1. Wis­sen und Vorstel­lun­gen über Über­liefer­ungswege von Infor­ma­tio­nen (Quellen, Tra­di­tion, Über­rest etc.)
      2. Vorstel­lun­gen über Wahrheit und Objek­tiv­ität in der Geschichte
        1. Überzeu­gun­gen im Hin­blick auf die Frage, ob es eine erken­nt­nisun­ab­hängige Real­ität gibt und ob sie zugänglich ist
        2. Vorstel­lun­gen darüber, woran man “objek­tive” Geschicht­en erken­nen kann
      3. Vorstel­lun­gen über Per­spek­tiv­ität und Kon­tro­ver­sität von geschichtlichem Wis­sen
    5. Auf­fas­sun­gen über Plu­ral­ität und/oder Ein­heit “richtiger” Geschichte(n)
    6. Vorstel­lun­gen über die his­torischen gewor­de­nen Bedin­gun­gen der eige­nen Gegen­wart und des eige­nen Fra­gens
    7. Vorstel­lun­gen über „denk-lei­t­ende” Formeln etc.
    8. Bewusste Unter­schei­dung zwis­chen Analyse, Sachurteil und Wer­turteil

Andreas Körber; Fußleiste


Dis­tanzierung von ver­wiese­nen Seit­en;
zulet­zt geän­dert: 23.10.2008; Dr. Andreas Kör­ber