Historische Sinnbildungsmuster: Ergänzende Dimensionierung

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… und noch ein [noch unfer­tiger] Ver­such, die Sinnbil­dungsmuster bzw. ‑typen nach Rüsen und in der Weit­er­en­twick­lung von Bodo von Bor­ries (1988) und mir (Kör­ber 2013) weit­er zu dif­feren­zieren und zu nutzen. … auch dies­mal unfer­tig und unvoll­ständig — als Anstoß.

 

all­ge­mein kon­sta­tiv nor­ma­tiv appella­tiv
pos­i­tiv neg­a­tiv pos­i­tiv pos­i­tiv pos­i­tiv-neg­a­tiv neg­a­tiv pos­i­tiv neg­a­tiv
affir­ma­tives Kon­stanz-Erzählen1 ver­weist auf etwas als zeit­los gültig Behaup­tung ein­er fort­gel­tenden Gegeben­heit durch Ver­weis auf ihren zeit­losen Charak­ter. Etwas ist ein­fach gültig, weil auch keine Zeit denkbar ist, zu der es nicht gegolten hat. Es liegt gewis­ser­maßen “vor jedem Anfang”. Pro­fane Ewigkeits-Vorstel­lung
kri­tis­ches Kon­stanz-Erzählen Kri­tik an ein­er bes­timmten behaupteten Kon­stante, ohne Infragestel­lung solch­er Kon­stanz an sich. Behaup­tung ein­er fort­gel­tenden Gegeben­heit durch Ver­weis auf ihren zeit­losen Charak­ter. Etwas ist ein­fach gültig, weil auch keine Zeit denkbar ist, zu der es nicht gegolten hat. Es liegt gewis­ser­maßen “vor jedem Anfang”.
Kon­stanz-kri­tis­ches Erzählen Kri­tik an Sinnbil­dun­gen, die von zeit­losen Kon­stanzen aus­ge­hen. Kri­tik an Sinnbil­dun­gen mit dem Ver­weis darauf, dass Kon­stanzen über alle Zeit­en und ohne Anfang und Ende unplau­si­bel sind.
tra­di­tion­al ver­weist auf den Ursprung von etwas weit­er Gel­ten­dem Behaup­tung ein­er fort­gel­tenden Gegeben­heit durch Ver­weis auf ihren Ursprung (kon­sti­tu­ierende Begeben­heit) Behaup­tung eines fortbeste­hen­den Man­gels durch Ver­weis auf den Ver­lust (kon­sti­tu­ierende Begeben­heit) Beschwörung ein­er fort­ge­set­zen Gel­tung ein­er Gegeben­heit durch Ver­weis auf eine kon­sti­tu­ierende Begeben­heit Beschwörung der Über­wun­den­heit eines neg­a­tiv­en Zus­tandes durch Ver­weis auf dessen Über­win­dung Beschwörung eines fortbeste­hen­den Man­gels durch Ver­weis auf die Ver­lust-Gegeben­heit (Nos­taglie) Auf­forderung zur Wieder­hol­ung ein­er Hand­lung durch Ver­weis auf eine verpflich­t­ende Begeben­heit Auf­forderung zum Unter­lassen ein­er Hand­lung durch Ver­weis auf ein verpflich­t­en­des Beispiel eines solchen Verzichts
tra­di­tions-kri­tisch kri­tisiert einen spez­i­fis­chen Ursprung (nicht aber das Denken in weit­er gel­tenden Ursprün­gen) Dele­git­i­ma­tion des kon­sti­tu­ieren­den Charak­ters ein­er Begeben­heit für eine behauptete fort­ge­set­zte Gel­tung ein­er Gegeben­heit Dele­git­i­ma­tion des kon­sti­tu­ieren­den Charak­ters ein­er Begeben­heit für einen behaupteten fort­ge­set­zten Man­gel
tra­di­tion­al­itäts-kri­tisch kri­tisiert das Denken mit Bezug auf gel­tende Ursprünge
exem­plar­isch ver­weist auf eine überzeitlich gel­tende Regel­haftigkeit Behaup­tung ein­er zeitüber­greifend gülti­gen Regel­haftigkeit durch Ver­weis auf ein/mehre illustrierende(s) Beispiel(e)
exem­pel-kri­tisch kri­tisiert eine spez­i­fis­che behauptete überzeitliche Regel, nicht aber das Denken in überzeitlichen Regeln
exem­plari-zitäts-kri­tisch kri­tisiert das Denken in überzeitlichen Regeln
genetisch ver­weist auf eine (säku­lare) gerichtete Entwick­lung
genese-kri­tisch kri­tisiert eine bes­timmte behauptete säku­lare Entwick­lung, nicht abder das Denken in säk­lu­laren, gerichteten Entwick­lun­gen
genetik-kri­tisch kri­tisiert das Danken in säku­laren, gerichteten Entwick­lun­gen
  1. Bodo von Bor­ries’ (1988) Beze­ich­nung dieser Vor­for­men als “anthro­pol­o­gis­che” Kon­stante ist nicht zwin­gend. Es kann sich auch um Kon­stan­ten han­deln, die über das Men­schliche hin­aus­ge­hen — etwa die ‘ganze Natur’ betr­e­f­fen. Es han­delt sich gewis­ser­maßen um pro­fane Vorstel­lun­gen von “ewig”. Religiöse Ewigkeits-Vorstel­lun­gen kön­nten hier nur insofern sub­sum­iert wer­den, als sie nicht einen Schöp­fungsakt voraus­set­zen. Dieser wäre als tra­di­tion­al zu denken. []