Modulprüfung für das Modul o.i.1.k “Einführung in die Geschichtsdidaktik”: 31.1.2018

Mod­ul­prü­fung 0.i.1.k (BA) Ein­führung in die Geschichts­di­dak­tik, Mittwoch 31.1.2018; 18–20h; Raum NN

Liebe Kommiliton(inn)en,

die näch­ste Mod­ul­prü­fung im Einführungs-(BA-)-Modul “Ein­führung in die Geschichts­di­dak­tik” sind wie fol­gt geplant:

  • als Klausur: am Mittwoch, den 31.1.2018; 18–20h
  • als Hausar­beit: nach Absprache mit den Lehren­den des BA-Sem­i­nars (Jan-Patrick Bauer und Anni­ka Stork)

Für bei­de For­men ist eine Anmel­dung zur Prü­fung über StINE erforder­lich!

Rede des Prodekans für Lehre, Studium und Studienreform zur akademischen Abschlussfeier der erziehungswissenschaftlichen Studiengänge am 14. Juli 2011

Liebe Anwe­sende, d.h.

  • liebe Eltern, Part­ner, Kinder und weit­ere Ver­wandte, Fre­unde der­jeni­gen, die heute hier feiern, und die wir heute feiern, …
  • liebe Kol­legin­nen und Kol­le­gen aus dem Hause, aus den anderen am Zus­tandekom­men des hier zu feiern­den Ereigniss­es beteiligten Fakultäten und Insti­tu­tio­nen,
  • liebe Vertreter(innen) des Prä­sid­i­ums,
  • liebe Vertreter des Ham­burg­er Bil­dungswe­sens,
  • vor allem aber: liebe Absol­ventin­nen und Absol­ven­ten. –

es ist eine erfreuliche Verpflich­tung für mich, im Namen des Dekanats die Glück­wün­sche zum Abschluss Ihres Studi­ums zu über­brin­gen und Ihnen für den weit­eren Lebens- und Bil­dungsweg – die wer­den ja ange­blich immer iden­tis­ch­er – alles Gute zu wün­schen, und das heißt nicht nur gute weit­ere Abschlüsse und for­male Erfolge, son­dern vor allem solche Momente, in denen sich eigene Anstren­gun­gen zu Ein­sicht­en und Erken­nt­nis­sen, zu Fähigkeit­en und Fer­tigkeit­en verbinden, die nicht ein­fach angel­ernt und über­nom­men sind, son­dern die Sie in die Lage ver­set­zen, als Sie selb­st in Ihrem Leben und Beruf aktiv und wirk­sam zu sein.

Was Sie jet­zt geschafft haben, ist ja zunächst „nur“ ein weit­er­er Schritt in ein­er ganzen Rei­he for­maler Qual­i­fika­tio­nen, die man heutzu­tage nach- und nebeneinan­der erwirbt. So wichtig diese Form der Man­i­fes­ta­tion und Doku­men­ta­tion von Eig­nun­gen und Befähi­gun­gen für unüber­sichtliche und dif­feren­zierte Gesellschaften ist, so sehr ist es und bleibt es auch hof­fentlich der Anspruch aller an solchen Bil­dung­sprozessen Beteiligten, dass in und mit diesen for­malen Qual­i­fika­tio­nen mehrerwor­ben – oder besser:ausgebildet, aus­geprägt, eigen­ständi­gen­twick­elt – wird als nur mess- und abprüf­bares Wis­sen und Kön­nen.

Dass ich eben bei „erwor­ben“ und „aus­ge­bildet“ sowie „entwick­elt“ gezögert habe, ist dabei symp­to­ma­tisch: Ein­seit­ige The­o­rien oder Überzeu­gun­gen davon, worin Ler­nen beste­ht oder beste­hen kann und soll, helfen in Gesellschaften wie der heuti­gen nicht weit­er – ganz abge­se­hen davon, dass keine von ihnen die ganze Vielfalt der empirischen vorfind­lichen Lern­prozesse beschreiben kann.

Wed­er kön­nen Sie Wis­sen und Kön­nen ein­fach „erwer­ben“ im Sinne ein­er Über­nahme von einem „Geber“ (von einem Erwerb im Sinne eines Kaufs mag ich gar nicht reden) – noch befriedigt es, davon auszuge­hen, dass im Laufe Ihrer Bil­dungs­bi­ogra­phien ein­fach „entwick­elt“ wird, was schon vorher da war (und das, was nicht da war, dann eben auch nicht entwick­elt wer­den kön­nte), oder dass gar andere an Ihnen etwas „aus­bilden“: Ler­nen und sich entwick­eln sind kom­plexe Prozesse die wed­er allein im stillen Käm­mer­lein oder einem Elfen­bein­turm gelin­gen kön­nen – ohne all’ die sys­tem­a­tis­chen und unsys­tem­a­tis­chen, die formellen und informellen, die geplanten und unge­planten „Ein­flüsse“ und Rück­mel­dun­gen aus der Gesellschaft, von rel­e­van­ten Einzel­nen und Grup­pen, aber auch Insti­tu­tio­nen. Noch sind es Prozesse, die nur von diesen an Ihnen (und uns allen) vol­l­zo­gen wer­den kön­nen. Ler­nen ist also immer ein indi­vidu­eller, aber eben­so sozial einge­bun­den­er Prozess. Für gelin­gen­des wie für scheit­ern­des Ler­nen kann man wohl nur in den sel­tensten Fällen nur eine Seite loben, ankla­gen oder ver­ant­wortlich machen. Diese dop­pelte Ver­ankerung soll nun meine weit­eren Aus­führun­gen leit­en:

Zunächst zum indi­vidu­ellen Anteil:

Ger­ade auch in Gesellschaften mit aus­geprägtem for­malen Qual­i­fika­tion­ssys­tem gilt, dass das ler­nende Indi­vidu­um immer auch für sich selb­st ver­ant­wortlich bleibt und bleiben muss, dass sowohl im Prozess wie auch unter den Zie­len der Bil­dung die Kom­pe­tenz des Ler­nen­den zen­tral sein muss. Sie haben offenkundig – son­st wären Sie heute nicht hier – diese indi­vidu­elle Ver­ant­wor­tung wahrgenom­men, diejenige für sich selb­st, wie die darin auch liegende für die Gesellschaft. Dazu kann und will ich Ihnen heute her­zlich grat­ulieren. Aber ich hätte dur­chaus ein Prob­lem damit, sie ein­fach dazu zu beglück­wün­schen, dass Sie getan hät­ten, was man von Ihnen ver­langte.

Der eben schon ver­wen­dete Begriff der „Kom­pe­tenz“, der Ihnen in den let­zten Jahren in Ihrem Studi­um oft begeg­net sein dürfte, ist für mich dabei beson­ders rel­e­vant. Vielle­icht wun­dern Sie sich, dass ich ihn ger­ade dafür in Anspruch nehmen möchte, Sie nicht nur dazu beglück­wün­schen, dass Sie als Studierende in diesem Sys­tem „funk­tion­iert“ hät­ten, dass Sie „die Anforderun­gen“ bewältigt haben, die andere – wir – Ihnen gestellt haben. In mancher­lei Zusam­men­hang ger­ade in der Bil­dungss­teuerung und auch zuweilen in der Bil­dungs­forschung gerät dieser Begriff ja auch dazu (oder wird so wahrgenom­men), dass er die Befähi­gung zur Ausübung stan­dar­d­isiert­er Fähigkeit­en beze­ich­net, Fähigkeit­en und Fer­tigkeit­en, die den Einzel­nen in die Lage ver­set­zen, die ihm gestell­ten Auf­gaben möglichst selb­st­ständig und effizient auszuführen. Vielle­icht sind Sie auf der Basis eines solchen Ver­ständ­niss­es ja auch zu ein­er Kri­tik­erin oder einem Kri­tik­er der Kom­pe­ten­zori­en­tierung gewor­den. Vielle­icht arbeit­en Sie ja auch bere­its daran, diese über­winden zu helfen.

Dem möchte ich aber ent­ge­gen­hal­ten, dass dieses eher instru­mentelle Ver­ständ­nis, so oft man es find­et, eine Verkürzung darstellt. Wenn immer Kom­pe­ten­zen gemessen wer­den sollen, geht es ja darum, von der tat­säch­lichen Lösung stan­dar­d­isiert­er Auf­gaben weit­erzuschließen auf die dahin­ter ste­hen­den Fähigkeit­en, mit immer neuen Her­aus­forderun­gen umzuge­hen. Aber das ist es nicht allein. Wesentlich­er und lei­der oft­mals eben­falls vergessen, ist, dass „Kom­pe­tenz“ eben nicht nur dem Wortsinne, son­dern auch dem Konzept nach das Ele­ment der „Zuständigkeit“ bein­hal­tet.

Wenn Insti­tu­tio­nen und Lehrende es sich angele­gen sein lassen, die die „Kom­pe­ten­zen“ der Ler­nen­den zu fördern, zu entwick­eln, dann muss es ihnen, wollen sie dem Begriff (d.h. dem Gedanken hin­ter dem Wort) gerecht wer­den, auch darum gehen, die Ler­nen­den zu befähi­gen, selb­st­ständig zu wer­den in der Frage, ob und wie sie ihre Fähigkeit­en ein­set­zen.

Nun ste­hen ger­ade die Uni­ver­sitäten in den let­zten Jahren unter dem Schlag­wort der Bologna-Reform nicht ger­ade im Ruf, diese „Eigen­ständigkeit“ eines nicht auf vorgegebene Zwecke fokussierten Ler­nens für die kri­tis­che Reflex­ion der gesellschaftlichen Struk­turen zu fördern. Oft­mals ist davon die Rede, das ganze Studi­um sei mit den neuen Stu­dienord­nun­gen und ‑struk­turen eben den­jeni­gen Prinzip­i­en der „ökonomis­chen Ver­w­ert­barkeit“ unter­wor­fen wor­den, die dem einzel­nen ger­ade nicht den so wesentlichen Aspekt der Zuständigkeit für sein eigenes Han­deln belassen wollen – und unter den gegen­wär­ti­gen Struk­turen sei es auch gar nicht vorge­se­hen, ger­ade diese „Fähigkeit zur Zuständigkeit“ mit zu entwick­eln.

Ich bezwei­fle, dass das der Fall ist. Bach­e­lor und Mas­ter sind als solche wed­er bess­er noch schlechter als andere Sys­teme. Oder ander­sherum: Auch eine Rück­kehr zu den alten Stu­di­en­sys­te­men garantiert keineswegs, dass alles (wieder) bess­er wird. Natür­lich ist eine Reform der Reform ange­bracht (und bere­its unter­wegs) dort, wo inner­halb des neuen Sys­tems Rah­men­vor­gaben zu restrik­tiv oder gar unsin­nig sind, wo es sich zeigt, dass Über­reg­ulierun­gen das eigen­ständi­ge Studi­um erschw­eren, usw. Auch im gegen­wär­ti­gen Stu­di­en­sys­tem gilt jedoch meines Eracht­ens, dass die genan­nte eigene Zuständigkeit den aller­meis­ten Lehren­den sehr wohl am Herzen liegt. Ich wün­sche mir (und hier komme ich zurück zum Glück­wun­sch), dass Sie das auch so erfahren kon­nten – und noch mehr, dass Sie es auch im weit­eren Lebensweg erfahren, und dass Sie, sofern Sie selb­st ein­mal einen lehren­den Beruf ergreifen, es sich bewahren und als eigen­ständig denk­ende und urteilende, hand­lungs­fähige Bürg­erin­nen und Bürg­er sich selb­st die kri­tis­che let­zte Instanz denken (kön­nen), die für das eigene Tun ver­ant­wortlich zeich­net.

Wenn es uns gelun­gen ist, Ihnen im Rah­men Ihrer unter­schiedlichen Stu­di­en diese Per­spek­tive zu eröff­nen, dass Sie Eigen­ver­ant­wortlichkeit ger­ade in erziehungswis­senschaftlichen und päd­a­gogis­chen Hand­lungs­feldern zwar als Her­aus­forderung, aber nicht als Belas­tung, nicht als Bürde, son­dern als Chance begreifen, wenn es uns gelun­gen ist, Ihnen dabei zu helfen, die weit­eren for­malen Schritte und Qual­i­fika­tio­nen, die Sie noch ange­hen wer­den, nicht als unver­bun­dene, abzuhak­ende Ein­heit­en anzuse­hen, son­dern als Bausteine Ihres nur von Ihnen in Gänze zu entwick­el­nden „pro­fes­sionellen“ Selb­st, dann bin ich zufrieden. Dann haben auch wir unsere Prü­fung bestanden.

In diesem Sinne kann und darf Ihr Abschluss mit vollem recht gefeiert wer­den. Und zwar nicht nur von Ihnen selb­st, son­dern – jet­zt komme ich zur anderen Seite des anfänglichen Argu­ments – ger­ade auch von (und mit) den­jeni­gen, die Ihnen beige­s­tanden haben, Sie unter­stützt, gele­gentlich getröstet, ermutigt, gefordert: Auch Sie haben Ihren Teil dazu beige­tra­gen – und zwar nicht nur zur indi­vidu­ellen Entwick­lung eines Men­schen, son­dern auch zur Entwick­lung der Gesellschaft. Ger­ade wenn es gilt, dass solche Bil­dungssys­teme nicht die „her­anwach­sende Gen­er­a­tion“ nach dem Bilde der Vor­ange­gan­genen for­men sollen, son­dern jene befähi­gen und her­aus­fordern, über diese hin­auszuwach­sen, neue Sit­u­a­tio­nen und Prob­leme mit neuem Denken und Han­deln anzuge­hen, dann tut jed­er ein gutes Werk, der einem her­anwach­senden Men­schen hil­ft, sich selb­st in diese Gesellschaft so einzubrin­gen, dass er bei­des ist: eigen­ständi­ges, aber auch für die anderen sicht­bares, erkennbares und anschlussfähiges Indi­vidu­um. Also: Feiern Sie in den Absol­ven­ten auch ein wenig sich selb­st. Darauf darf man stolz sein.

An die Absol­ven­ten geht nun natür­lich der gle­iche Rat: Feiern Sie, seien Sie auch ein wenig stolz, atmen Sie durch. Aber ich möchte auch die Bitte anschließen: Kom­men Sie wieder oder bleiben Sie uns gewogen, nicht nur wenn Sie weit­er studieren wollen, son­dern als eine weit­ere Gen­er­a­tion her­aus­fordern­der, denk­ender Mit­glieder unser­er Gesellschaft.

Ich danke Ihnen

Rede des Prodekans zur Akademischen Abschlussfeier der Erziehungswissenschaftlichen Studiengänge am 26. Januar 2011

Liebe Anwe­sende, d.h.

  • liebe Eltern, Part­ner, Kinder und weit­ere Ver­wandte, Fre­unde der­jeni­gen, die heute hier feiern, und die wir heute feiern, …
  • liebe Kol­legin­nen und Kol­le­gen aus dem Hause, aus den anderen am Zus­tandekom­men des hier zu feiern­den Ereigniss­es beteiligten Fakultäten und Insti­tu­tio­nen,
  • liebe Vertreter(innen) des Prä­sid­i­ums,
  • liebe Vertreter des Ham­burg­er Bil­dungswe­sens,
  • vor allem aber: liebe Absol­ventin­nen und Absol­ven­ten. –

im Namen des Dekanats unser­er Fakultät beglück­wün­sche ich Sie alle zu dem, was Sie in den let­zten Wochen, Monat­en und Jahren erre­icht haben.

Solche Abschlussfeiern wie die heutige gibt es – nach­dem sie eine Weile aus der Mode gekom­men waren und der Abschied von der Uni­ver­sität durch die Post vorgenom­men wurde – nun­mehr seit eini­gen Jahren wieder. Regelmäßig find­en wir uns hier zusam­men und hören Musik und Ansprachen, über­re­ichen Zeug­nisse und Preise und erfreuen und beim anschließen­den Emp­fang. – alles Rou­tine also?
Für Sie sicher­lich nicht: Auch wenn Sie inzwis­chen mehrere Abschnitte Ihrer for­malen Bil­dungs­bi­ogra­phie erfol­gre­ich absolviert haben, dürfte dieses Exa­m­en einen merk-würdi­gen Ein­schnitt markieren. Sie ver­lassen nun Ihre Alma Mater, treten in einen neuen Abschnitt Ihres Lebens ein – vielle­icht wis­sen Sie schon, wie es weit­erge­ht, haben schon einen Platz in ein­er weit­eren Aus­bil­dungsphase oder einen Arbeit­splatz, oder Sie suchen noch, ori­en­tieren sich. Immer gilt: So, wie es bish­er war, bleibt es nicht. Anlass genug, um zurück­zuschauen auf Ihr Studi­um, innezuhal­ten und nachzu­denken darüber, wie es war, als Sie hier anfin­gen, darüber wie Sie sich entwick­elt haben, aber auch, wie sich die Insti­tu­tio­nen entwick­elt haben, Ihr Fach bzw. Ihre Fäch­er usw.
In diesem Sinne kann etwa daran erin­nert wer­den, dass Sie zu ein­er Zeit Erziehungswis­senschaften studiert haben, in der in der Bil­dungs­land­schaft, der Poli­tik wie der Wis­senschaft, einiges in Bewe­gung war und noch ist. Ob es Ihre eigene Präferenz war oder nicht – Sie wer­den sich im Studi­um nicht nur mit großen Pädagog(inn)en und ihren Ideen, mit der Geschichte der Diszi­plin, den gesellschaftlichen Bedin­gun­gen und den Insti­tu­tio­nen von Bil­dung auseinan­derge­set­zt haben, mit Schule, Unter­richt und außer­schulis­ch­er Bil­dung und Erziehung – sie wer­den notwendig auch eine – wie sehr auch immer vor­läu­fige – eigene Posi­tion entwick­elt haben zu den Konzepten und Ideen, mit denen heutzu­tage die Bil­dungs­forschung, Bil­dungspoli­tik und die Schulpäd­a­gogik wie auch die Didak­tiken das Bil­dungswe­sen reformieren. Bil­dungs­stan­dards, Kom­pe­ten­zen, sind entsprechende Stich­worte, aber eben­so Indi­vid­u­al­isierung, Autonomie, Schüleror­i­en­tierung. Sie wer­den Ein­blick gewon­nen haben in Fra­gen der empirischen Fundierung und Absicherung bil­dungswis­senschaftlich­er und ‑poli­tis­ch­er Posi­tio­nen; Stich­wort: PISA, Ver­gle­ich­sun­ter­suchun­gen, qual­i­ta­tive und quan­ti­ta­tive Forschung. Ganz egal, was genau Sie im Weit­eren tun wer­den, ob Sie in die Schule gehen, um Lehrerin­nen und Lehrer zu wer­den, ob sie in der außer­schulis­chen Kinder- und Jugend­bil­dung arbeit­en wollen, in der Erwach­se­nen­bil­dung, ob sie ver­wal­tend oder forschend am Gegen­stand bleiben wollen – wir Lehren­den wün­schen uns, dass Sie hier nicht nur totes Wis­sen erwor­ben haben, nicht nur die Fähigkeit, in einem vorgegebe­nen Rah­men das zu tun, was andere geplant und vor­bere­it­et haben, son­dern dass Sie sich als kri­tis­che, reflek­tierende und urteils­freudi­ge, aber auch urteils­fähige Fach­leute in die weit­ere Entwick­lung der Diszi­plin ein­mis­chen kön­nen. Das wäre im Übri­gen auch der eigentliche Sinn eines uni­ver­sitären Studi­ums, das sich zugle­ich in Hum­boldtsch­er Tra­di­tion als Bil­dung, nicht Aus­bil­dung ver­ste­ht und doch seinen Berufs- und Prax­is­bezug nicht ver­leugnet – nicht The­o­rie gegen Prax­is auszus­pie­len, nicht – wie es etwa für den Über­gang zum Ref­er­en­dari­at immer wieder kol­portiert wird – zu vergessen, was man auf der Uni­ver­sität gel­ernt hat, um nun zu erfahren, wie es richtig, eigentlich gehe, son­dern die berechtigten und ihre eigene Dig­nität besitzen­den Inhalte, Per­spek­tiv­en und Erfahrun­gen der weit­eren Aus­bil­dung selb­st reflek­tieren und in Wert set­zen zu kön­nen auf der Basis eines bre­it­en the­o­retis­chen Wis­sens. Das unter­schei­det ger­ade eine Pro­fes­sion und ihre Pro­fes­sion­al­ität von anderen Berufen und For­men der Beruf­sausübung: Selb­st, als Per­son immer neue indi­vidu­elle Fälle, Sit­u­a­tio­nen, Her­aus­forderun­gen, die in die Leben­schan­cen Ander­er ein­greifen, neu und ver­ant­wortlich gestal­ten zu kön­nen, ohne sich nur auf ein fest­ste­hen­des Regel­w­erk ver­lassen zu wollen oder zu kön­nen. Diese Art der Pro­fes­sion­al­ität braucht die prag­ma­tis­che Rou­tine und Übung – aber eben auch die The­o­rie. Wenn Ihr Studi­um diese Basis gelegt hat, Sie sich befähigt fühlen, Ihr Tun immer selb­st zu reflek­tieren und zu ver­ant­worten, sich zutrauen, auftre­tende Fra­gen selb­st­ständig zu klären, Fach, Insti­tu­tion, Gepflo­gen­heit­en etc. kri­tisch zu befra­gen – dann hat das Studi­um seinen Zweck erre­icht.

Das hätte so in etwa der Umriss ein­er Abschlussrede sein kön­nen, wären wir nicht in ein­er beson­deren Sit­u­a­tion. Auf nicht alle von Ihnen trifft die For­mulierung “Ver­ab­schiedung” zu – nicht alle feiern heute den Abschluss “Ihres Studi­ums”, nicht alle ver­ab­schieden wir aus der Fakultät in ein neues, anderes Leben. Die Frage, ob denn die Absol­ven­ten eines Bach­e­lor-Studi­ums bei der Abschlussfeier berück­sichtigt wer­den sollen oder wollen, hat uns in der Tat mehrfach beschäftigt. Bei jenen des Lehramts war die Frage für diese Ver­anstal­tung rel­a­tiv ein­fach zu beant­worten: Da die Zeug­nisse noch nicht gefer­tigt wer­den kon­nten und kön­nen, wer­den wir sie in der näch­sten Abschlussfeier berück­sichti­gen. Anders aber ste­ht es mit den Absolvent(inn)en der Erziehungs- und Bil­dungswis­senschaft: Ist für Sie mit dem Abschluss des Stu­di­en­ganges auch das Ende des Studi­ums erre­icht? Kön­nen, sollen, wollen wir Sie heute aus unser­er Insti­tu­tion ver­ab­schieden? Die Antwort wird dur­chaus unter­schiedlich aus­fall­en. Einige von Ihnen haben vielle­icht die Tat­sache nutzen wollen und kön­nen, dass der Bach­e­lor ein zumin­d­est for­mal “beruf­squal­i­fizieren­der Abschluss” ist, und sind in der Prax­is untergekom­men, in einem ein­schlägi­gen Beruf, um später, nach dieser Beruf­stätigkeit, vielle­icht weit­er zu studieren. Einige von Ihnen sind vielle­icht an eine andere Uni­ver­sität gegan­gen, und ver­lassen deshalb diese Insti­tu­tion. Andere aber sind als unsere Mas­ter wieder – oder noch – im Sys­tem, wer­den nicht ver­ab­schiedet. Viele wollen vielle­icht auch deshalb den jet­zt erre­icht­en Stand gar nicht als Abschluss ver­standen wis­sen, ihn als solch­es bestäti­gen, wollen vielmehr ihr Studi­um, das sie als ein Ganzes betra­cht­en, fort­set­zen.

Das ist nicht nur eine Frage des per­sön­lichen Geschmacks und der indi­vidu­ellen Ein­stel­lung – sie ist dur­chaus auch poli­tisch. Feiern wir, die Uni­ver­sität, und Sie, die Studieren­den, mit dem Bach­e­lor als Abschluss auch das gegen­wär­tige Stu­di­en­sys­tem? Ich selb­st ziehe es vor, die heutige Ver­anstal­tung deshalb nicht als Ver­ab­schiedung der Studieren­den aus der Fakultät zu ver­ste­hen, als “Ver­ab­schiedung”, wie es in alter Übung in der Ein­ladung und im Pro­gramm heißt, son­dern als Beendi­gung dieses einen Stu­di­en­gangs. Diesen erfol­gre­ich absolviert zu haben, das ist auch für Sie etwas, das gefeiert wer­den kann und darf, denn der Bach­e­lor ist bei aller “Abschich­tung” von Prü­fungsleis­tun­gen in Form von Mod­ul­prü­fun­gen doch mehr als die alte Zwis­chen­prü­fung.
Auch wenn sich vielle­icht in Ihrem All­t­ag nicht so viel ändert wie bei den­jeni­gen, die uns wirk­lich “ver­lassen” – so soll­ten Sie daher doch die Erfahrung, die Sie bei diesem Abschluss gemacht haben, für sich in ver­gle­ich­bar­er Weise ver­buchen: Sie haben die Fähigkeit bewiesen, sich eigen­ständig (und vielle­icht auch eigensin­nig) mit wis­senschaftlichen The­men auseinan­derzuset­zen. Sie sind keine Anfänger mehr, sie kön­nen zu sich selb­st mit Recht sagen, dass Sie nun auf ganz andere Art und Weise mitre­den, mit­denken und weit­er studieren kön­nen.

Damit kann ich mich wieder an alle wen­den:
Sie alle haben also allen Grund zu feiern – und wir, denke ich auch. Feiern und sich freuen sollen und wollen Sie (dazu dient ins­beson­dere auch der Emp­fang im Anschluss) zunächst ein­mal Ihre eigene Leis­tung. Sie haben – gle­ich, welchen Abschluss Sie gemacht haben – in einem geregel­ten, kom­plex­en Ver­fahren bewiesen, dass Sie sich mit wis­senschaftlichen Fragestel­lun­gen und The­men aus dem Bere­ich der Erziehungswis­senschaft und ggf. Ihrer Unter­richts­fäch­er eigen­ständig auf eine Art und Weise auseinan­der­set­zen kön­nen, die unter Fach­leuten Anerken­nung find­et. Damit sind (bei allen Prob­leme, welche solche Ver­fahren immer noch aufweisen) wesentliche Anforderun­gen wis­senschaftlich­er Prü­fun­gen erfüllt. Ich will das jet­zt nicht im Einzel­nen aus­führen. Wichtig ist heute: Sie haben sich mit Ihrem Exa­m­en also gegenüber der Pro­fes­sion aus­gewiesen.
Aber es gibt zwei weit­ere Gesicht­spunk­te, die ich noch ansprechen möchte:
Sie alle haben etwas geschafft, was Ihnen selb­st höchst­wahrschein­lich zu Beginn Ihres Studi­ums noch weit­ge­hend unerr­e­ich­bar schien – und zwar nicht nur wegen der zeitlichen Dis­tanz, wegen der nur eingeschränkt gegebe­nen Vor­ab-Über­schaubarkeit der Gegen­stände, wegen der Wis­senschaftlichkeit der Dik­tion, – son­dern auch, weil die Prü­fung, die Sie abgelegt haben, damals, zu Beginn Ihres Studi­ums noch gar nicht definiert war. Diese Bemerkung gilt nun in mehrfach­er Weise:
Schon immer kon­nte bei der­ar­ti­gen Feiern wie der heuti­gen den Absol­ven­ten grat­uliert wer­den dazu, dass sie sich nicht haben ent­muti­gen lassen von den in Prü­fung­sor­d­nun­gen, Stu­di­en­plä­nen, Mod­ulbeschrei­bun­gen, Sem­i­narplä­nen, Prü­fung­spro­tokollen von Vorgängern und anderen Doku­menten niedergelegten Anforderun­gen. Ich erin­nere mich noch gut, wie ich zu Beginn meines Studi­ums immer dachte, das kön­nte man (nicht nur ich) nie schaf­fen, und wie mit dem Studieren, mit dem Ange­hen der Anforderun­gen diese auch immer bear­beit­bar­er wur­den – bis im Rück­blick selb­st die Abschlussprü­fun­gen, nicht mehr wie ein unüber­windlich­er Berg aus­sa­hen, son­dern im Gegen­teil sog­ar Wesentlich­es von ihrem Schreck­en ver­loren hat­ten: Das gilt wohl immer: Erst im Nach­hinein sieht man ein, dass auch in Prü­fun­gen mit Wass­er gekocht wird – mit echtem heißen Wass­er zwar, aber doch mit Wass­er. Diese Ein­sicht gewin­nt aber nur, wer sich auch ern­sthaft auf die Prü­fung ein­lässt, wer sich ern­sthaft vor­bere­it­et. Der Wech­sel von Vor­ab- und Rück­an­sicht der Prü­fung ist selb­st ein Gewinn an Lebenser­fahrung und ‑kom­pe­tenz. Wer sich Prü­fun­gen vor­ab kleinre­det, gewin­nt die Sache nicht, wer nicht rück­blick­end ein­sieht, dass nicht die gehabte Prü­fung, son­dern der zuvor gewe­sene Lern­prozess das Eigentliche darstellt, hat sich selb­st nicht gewon­nen. Sie haben es offenkundig geschafft, sich selb­st und die Ihnen angesonnene Sache so zusam­men­zuführen, dass bei­des, Sie und die Sache bewahrt und gefördert wur­den. Ver­lieren Sie diese Ein­sicht nicht. Sie wird Ihnen weit­er­helfen, wenn Sie merken, dass es keineswegs vor­bei ist.
Aber in noch einem anderen Sinne war Ihre Prü­fung “undefiniert”, als Sie anfin­gen zu studieren. Es gehört zu guten wis­senschaftlichen Prü­fun­gen, dass sie ger­ade nicht (zumin­d­est nicht in Gänze) für alle Studieren­den gle­ich gestal­tet sind, dass nicht die gle­ichen Fragestel­lun­gen ein­er ganzen Kohorte von Kan­di­dat­en gestellt wer­den. Zumin­d­est ein Teil der Prü­fung indi­vid­u­al­isiert, bringt die Kan­di­datin, den Kan­di­dat­en als Indi­vidu­um ins Spiel, als Men­schen, der sich pro­fes­sionell und selb­st denk­end, mit den eige­nen Erfahrun­gen, der eige­nen Per­spek­tive, den eige­nen Urteilen mit einem rel­e­van­ten Gegen­stand auseinan­der­set­zt. Das geschieht zumeist in der schriftlichen Hausar­beit zur Prü­fung, begren­zt auch in den Klausuren. In dieser Form eine Prü­fung bestanden zu haben, die nicht schon iden­tisch hun­derte vor Ihnen bestanden haben oder mehrere oder eben­falls hun­derte mit Ihnen (wie im Abitur bzw. Zen­tral­abitur), son­dern wo die The­matik der Prü­fung Teil der Prü­fung war, weil Sie selb­st in dieser The­matik sicht­bar wur­den gegenüber der com­mu­ni­ty, das ist etwas, das Ihnen vor­ab kaum ein­se­hbar erscheinen kon­nte.
In zweifachem Sinne kön­nen Sie sich und wollen wir Ihnen mit dieser Feier daher grat­ulieren dazu, einen Weg (zumin­d­est vor­läu­fig) abgeschlossen zu haben, dessen Ziel Sie beim Beginn noch gar nicht erken­nen kon­nten, weil es noch gar nicht da war. Studieren heißt somit auch: sich auf Neues, Ungewiss­es ein­lassen, das man dann aber auch mit gestal­ten und mit prä­gen kann; studiert haben, heißt dann, in einem bes­timmten Maße auch sicht­bar gewor­den zu sein und die Sache, das Fach, die Wis­senschaft und ihre Erken­nt­nis mit geprägt zu haben. Auch das kann und darf man feiern. Es ist Teil eines Bil­dung­sprozess­es, der mehr ist als Aus­bil­dung, son­dern Pro­fes­sion­al­isierung.
In einem weit­eren, drit­ten Sinne aber – und hier wird es “neu”, wenn auch nicht “inno­v­a­tiv” – war zumin­d­est für einen rel­e­van­ten Teil von Ihnen die Prü­fung nicht definiert, als Sie anfin­gen: ich meine die Bach­e­lor-Studieren­den Erziehungs- und Bil­dungswis­senschaften. Sie stellen die erste Kohorte der­jeni­gen, die wir hier an unser­er Fakultät in dem zweistu­fi­gen Ver­fahren “aus­bilden”. Wie diese Bach­e­lor-Prü­fun­gen genau funk­tion­ieren, nach welchen rechtlichen Bedin­gun­gen (von außen vorgegeben und selb­st gestal­tet), und mit welchen Inhal­ten sie zu gestal­ten waren, wie von der alten Zwis­chen­prü­fung im Anspruch abzu­gren­zen und vom Staat­sex­a­m­en – vieles davon war noch “work in progress” als Sie studiert haben: Ihre BA-Prü­fung war somit auch unsere, die der Fakultät, der Stu­di­engänge, der Lehren­den. Ob und wie wir sie bestanden haben, wir lei­der nicht gle­icher­maßen zer­ti­fiziert. Um so bedeut­samer erscheint mir Ihre Leis­tung: Dieses Ver­fahren, in dem alle Beteiligten selb­st noch Ler­nende sind, erfol­gre­ich abgeschlossen zu haben, ist etwas, auf das man stolz sein kann. Es ist gewiss sin­nvoll, wenn Sie auch uns, Ihren Lehren­den und der Insti­tu­tion, Rück­mel­dung geben über unsere Leis­tung.
Dies hat aber – und damit komme ich zum let­zten Punkt – eine weit­ere Bedeu­tung: Wenn es gelingt, auf der Basis dieser nun for­mal im Bach­e­lor bestätigten Qual­i­fika­tion das fol­gende, ger­ade erst­ma­lig begonnene Mas­ter-Studi­um stärk­er als eine eher gemein­same Auseinan­der­set­zung von Studieren­den und Lehren­den mit ein­er Sache und um sie zu gestal­ten; wenn es gelingt, dass dieses sich deut­lich abhebt von ein­er tat­säch­lichen oder ver­meintlichen “Ver­schu­lung” des Bach­e­lors, wenn es Ihnen und uns gelingt, den Bach­e­lor nicht nur als “Zwis­chen­faz­it” hinzunehmen, son­dern als Grund­lage für ein weniger for­mal­isiertes, stärk­er an der Sache aus­gerichtetes Studi­um, das diesen Namen wieder ver­di­ent, dann hat der Bach­e­lor auch für die Uni­ver­sität seinen Sinn gewon­nen.
Wo immer Sie also weit­er tätig sind, im Beruf oder im Studi­um, wün­scht Ihnen das Dekanat der Fakultät für Erziehungswis­senschaft, Psy­cholo­gie und Bewe­gungswis­senschaft, dass Ihnen diese Qual­i­fika­tion nicht nur for­mal nützen und helfen möge, son­dern dass Sie bei Ihrem weit­eren Tun und Ler­nen so pro­duk­tiv wie selb­st­ständig darauf auf­bauen und anknüpfen kön­nen. Alles Gute!

Vie­len Dank