Afrika — (k)ein Thema im hiesigen Geschichtsunterricht?

“Afri­ka — (k)ein The­ma im hiesi­gen Geschicht­sun­ter­richt?” ist eine Ver­anstal­tung über­schrieben, die der AB Geschichts­di­dak­tik in Zusam­me­nar­beit mit der Hein­rich-Boell-Stiftung (“umdenken”) am 25. Juni durch­führt.

Das Podi­um wird sich der Frage wid­men, welchen Stel­len­wert “Afri­ka” im Geschicht­sun­ter­richt hiesiger (Deutsch­er, Ham­burg­er) Schulen zum einen tra­di­tionell ein­nimmt und ein­nehmen kann und sollte. Dabei geht es nicht allein (und nicht ein­mal primär) um quan­ti­ta­tive Aspek­te, nicht um die Reklamierung des dem Kon­ti­nent “gebühren­den” Anteils, son­dern vor allem auch um die Frage, in welch­er Form und mit welchem Ziel “afrikanis­che Geschichte” the­ma­tisiert wer­den kann und soll.

Den Fly­er zur Ver­anstal­tun­gen find­en Sie hier:

28.4.2010; 19.00h: Gastvortrag Prof. Dr. Bodo von Borries

Ästhetik, Emo­tion­al­ität und Moral als — unver­mei­dliche und reflek­tions­bedürftige — Kom­po­nen­ten des Geschicht­sler­nens

Geschicht­sler­nen stellt dur­chaus einen nicht-nur-kog­ni­tiv­en Prozess dar. Emo­tio­nen, Ästhetik, Moral, Poli­tik, Imag­i­na­tion, Trieb­dy­namik usw. haben ihren Anteil an Aus­lö­sung, Ver­lauf und Ergeb­nis; sie treiben also nicht nur Ler­nen (oder Lern­ver­weigerung) an, son­dern ändern sich auch durch Umgang mit Geschichte. Das ist triv­ial und wird von nie­man­dem bestrit­ten. Es wird aber meist auch über­haupt nicht ernst genom­men, nicht nur in der Unter­richt­sprax­is (mit ihrer häu­fi­gen Still­stel­lung von Ästhetik und Emo­tion), son­dern auch in The­o­riebil­dung, Norm­set­zung und empirisch­er Erforschung im Rah­men akademis­ch­er Geschichts­di­dak­tik.
Es geht im Vor­trag also um zweier­lei. Zum einen sind an exem­plar­ischen Fällen Urge­walt und Unver­mei­dlichkeit der nicht-nur-kog­ni­tiv­en Momente des Geschicht­sler­nens — sie müssen wed­er außer-kog­ni­tiv noch anti-kog­ni­tiv sein! — so zu verdeut­lichen, dass sie nicht wieder gle­ich danach in Vergessen­heit ger­at­en. Zum zweit­en ist anzudeuten, wie sie bei der Norm­set­zung (z.B. Lernziele) ehrlich­er reflek­tiert und in die geschichts­di­dak­tis­che The­o­rie, ins­beson­dere das Kom­pe­ten­zstruk­tur- und ‑graduierungsmod­ell von “FUER Geschichts­be­wusst­sein”, begrif­flich dif­feren­ziert­er inte­gri­ert wer­den kön­nen.

Datum: 28. April 2010
Zeit: 19.00h
Ort: Von-Melle-Park 6 (Philosophen­turm), Hör­saal E

20.1.2010: 18.00h: Gastvortrag Geschichtsdidaktik: Martin Lücke: Diversity

Gastvor­trag von Her­rn Dr. Mar­tin Lücke:

„Diver­si­ty und Ungle­ich­heit­en – race, class und gen­der als geschichts­di­dak­tis­che Analy­sekat­e­gorien“

„Diver­si­ty“ ist in aller Munde. Ihr ist der Anspruch imma­nent, gesellschaftliche Het­ero­gen­ität in ihrer Vielfalt zu akzep­tieren und darauf hinzuwirken, dass die durch geschlechtliche, soziale oder eth­nis­che Kat­e­gorisierun­gen entste­hen­den Hier­ar­chien abgeschlif­f­en wer­den, ohne einen Ver­lust an Vielfalt hin­nehmen zu müssen. Aus Sicht der Geschichtswis­senschaft mag eine solche Vorstel­lung naiv erscheinen, haben doch ger­ade die his­torischen Kul­tur- und Sozial­wis­senschaften gezeigt, dass race, class und gen­der als „Achsen der Ungle­ich­heit“ in der Geschichte über­haupt erst schi­er unüber­wind­bare gesellschaftliche Hier­ar­chien hergestellt haben.
Kann die Didak­tik der Geschichte in diesem Kon­flikt ver­mit­teln? Als Mit­t­lerin zwis­chen Gegen­wartswahrnehmungen und Ver­gan­gen­heit kann sie vor allem die His­tor­iz­ität von Vielfalt beto­nen, um Kon­flik­te um Vielfalt in ihrer his­torischen Tiefen­schärfe zu ver­ste­hen. Gesellschaftliche Het­ero­gen­ität wird auf diese Weise zu ein­er Kat­e­gorie mit Geschichte. Indem etwa im Geschicht­sun­ter­richt die Wirkungsmächtigkeit von race, class und gen­der analysiert wird, kön­nen die Schü­lerin­nen und Schüler mit der Geschichte einen sekundären Erfahrungsraum betreten, in dem sie erfahren, in welch­er Vielfältigkeit die Kat­e­gorien race, class und gen­der his­torisch gewirkt haben und dass diese Kat­e­gorien wirkungsvolle Inklu­sions- und Exk­lu­sion­s­mech­a­nis­men bere­it hiel­ten.

Die “Folien” des Vor­trages sind nun hier abruf­bar.

Herr Dr. Mar­tin Lücke ist wis­senschaftlich­er Mitar­beit­er im Arbeits­bere­ich Didak­tik der Geschichte an der Freien Uni­ver­sität Berlin. Er forscht und lehrt zu den The­men Diver­si­ty und tran­skul­tureller Geschicht­sun­ter­richt, Holo­caust und his­torisches Ler­nen und zu his­torisch­er Biografieforschung.

Datum: 20. Jan­u­ar 2010
Uhrzeit: 18.00 Uhr
Ort: Philosophen­turm Hör­saal A
(Von- Melle- Park 6)

Nachträge (21.1.2010):

27.11.2009: Gastvortrag von Prof. Dr. Bea Lundt (Flensburg)


Liebe Kommiliton(inn)en,

am 27.11. startet der Arbeits­bere­ich Geschichts­di­dak­tik eine neue Rei­he mit Gastvorträ­gen. Den Anfang macht Frau Prof. Dr. Bea Lundt von der Uni­ver­sität Flens­burg:

A.Körber

Gastvor­trag von Frau Prof. Dr. Bea Lundt:

Das Afrikanis­che Mit­te­lal­ter als Her­aus­forderung für die Geschichts­di­dak­tik.


beafrika_1Afri­ka im Mit­te­lal­ter? Bei dem Begriff “Mit­te­lal­ter” tauchen cbeafrika_1hristliche Dome vor unseren inneren Augen auf, Rit­ter in glänzen­den Rüs­tun­gen, städtis­che Handw­erk­er, aber auch arme und unwis­sende Bauern in ihren unzivil­isierten Dör­fern. Ger­ade erst erschienen sind Unter­richts-mate­ri­alien, die auch weit­er­hin “das Reich” und seine Kaiser als Vor­form Deutsch­lands präsen­tieren; noch immer einge­set­zt wird eine drei­gliedrige Lehn­spyra­mide zur Kennze­ich­nung ein­er sta­tis­chen sozialen Ord­nung, die ange­blich die Vor­mod­erne kenn-zeich­nete. Dabei zeigt uns die Forschung seit eini­gen Jahren eine dif­feren­zierte, mul­tire­ligiöse und mul­ti­kul­turelle Epoche von hoher Mobil­ität in einem weit über Europa hin­aus­re­ichen­den Raum. Am Ende der Karawa­nen­straßen durch die Sahara befan­den sich große Städte und Reiche. Zur Zeit wer­den in dem mit­te­lal­ter­lichen Gelehrten­zen­trum Tim­buk­tu zahlre­iche ara­bis­che Hand­schriften gesichert, die von Reich­tum und Wis­sen ein­er islamis­chen Schriftkul­tur des Mit­te­lal­ters zeu­gen. In Afri­ka ist man sich dieser Tra­di­tion bewusst und pflegt sie. Doch in die mit­teleu­ropäis­chen Geschichts­bilder sind solche Erken­nt­nisse noch nicht eingear­beit­et. Wir wer­den “unser” Mit­te­lal­ter teilen müssen…

Frau Prof. Dr. Bea Lundt ist Pro­fes­sorin für mit­te­lal­ter­liche Geschichte und für die Didak­tik der Geschichte an der Uni­ver­sität Flens­burg, eben­so nimmt sie Lehraufträge und Assozi­ierun­gen an der Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin wahr.

Datum: 27. Novem­ber 2009

Uhrzeit: 18.00 Uhr

Ort: Anna- Siem­sen- Hör­saal

(Von- Melle- Park 8 )