Präsentation im UDL-Workshop

Bor­muth, Heike; Kör­ber, Andreas (20.2.2018): “Scaf­folds im Inklu­siv­en Geschicht­sler­nen”. Präsen­ta­tion im Work­shop “Uni­ver­sal Design for Learn­ing - Aus­gewählte Beispiele zur Arbeit mit dem UDL-Konzept im Lehramtsstu­di­en­gang oder in den Lehrver­anstal­tun­gen” der Tagung “Pro­gramm­work­shop — CHAn­cen GEstal­ten — Inklu­sion­sori­en­tierung in der Lehrerbil­dung als Impuls für Entwick­lung­sprozess in Hochschulen” an der TU Dort­mund.

Bor­muth, Heike; Kör­ber, Andreas (20.2.2018): “Scaf­folds im Inklu­siv­en Geschicht­sler­nen”. Präsen­ta­tion im Work­shop “Uni­ver­sal Design for Learn­ing - Aus­gewählte Beispiele zur Arbeit mit dem UDL-Konzept im Lehramtsstu­di­en­gang oder in den Lehrver­anstal­tun­gen” der Tagung “Pro­gramm­work­shop — CHAn­cen GEstal­ten — Inklu­sion­sori­en­tierung in der Lehrerbil­dung als Impuls für Entwick­lung­sprozess in Hochschulen” an der TU Dort­mund.

Vgl. auch: http://www.doprofil.tu-dortmund.de/cms/de/Projekt/aktuelles/Programmworkshop2/index.html

Interessante Diskussion über Historische (Computer)-Spiele und Authentizität

Eine inter­es­sante Diskus­sion Rel­e­vanz der Kat­e­gorie “Authen­tiz­ität” in Bezug auf His­torische (Computer)-Spielen find­et sich derzeit im Blog zum “Geschicht­stalk im Super7000″:

“Die Authen­tiz­ität, die nicht bleiben will.”

Teaching Staff Resource Center (TSRC) — Gemeinsames Lehrprojekt mit der Public History (Prof. Dr. Thorsten Logge) und der Landeszentrale für Politische Bildung.

Teaching Staff Resource Center (TSRC) für nicht-textuelle Geschichtssorten: Lehrprojekt

Das Pro­jekt zielt auf die Ein­rich­tung eines Teach­ing Staff Resource Cen­ter (TSRC) für die “Geschichtssorten” Muse­um, Denkmal, Film, Bild, Reen­act­ment und Führung.

Als “Geschichtssorten” wer­den dabei unter­schiedliche For­men his­torisch­er Nar­ra­tive unter Ein­bezug ihrer jew­eili­gen medi­alen und ggf. per­for­ma­tiv­en Her­vor­bringungs­be­din­gun­gen und ‑prozesse ange­sprochen.

Die im Pro­jek­tver­lauf erstell­ten, evaluierten, angepassten und im Kern­prak­tikum ange­wandten Han­dre­ichun­gen zur Erschließung von Geschichte im öffentlichen Raum an den Beispie­len Schlacht von Get­tys­burg und Schlacht bei Tan­nen­berg fördern das geschichts­di­dak­tis­che und fach­wis­senschaftliche Pro­fes­sion­swis­sen zur Analyse von Geschicht­srepräsen­ta­tio­nen in Hin­blick auf ihren Beitrag zum his­torischen Ler­nen. Als OER-Mate­ri­alien mit Beispie­len auf dem Ham­burg­er Bil­dungsserv­er und den Inter­net­seit­en der Lan­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung veröf­fentlicht, ste­hen die Arbeit­sergeb­nisse langfristig für die Ver­wen­dung u. a. in der Schule zur Ver­fü­gung. Das TSRC kann in Anschlusspro­jek­ten erweit­ert wer­den.

Das TSRC entste­ht in einem koop­er­a­tiv­en Lehrpro­jekt von Pub­lic His­to­ry (Prof. Dr. Thorsten Logge), Mit­te­lal­ter­lich­er Geschichte, Geschichts­di­dak­tik  (Prof. Dr. Andreas Kör­ber) und der Ham­burg­er Lan­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung (Dr. Sabine Bam­berg­er-Stem­mann).

Vgl. https://www.geschichte.uni-hamburg.de/arbeitsbereiche/public-history/personen/logge.html#8790747.

Unter­stützt wird es in ein­er Koop­er­a­tion durch Prof. Dr. Joan­na Woj­don von der Uni­ver­sität Wro­claw (Polen).

Das Pro­jekt wird gefördert durch das BMBF-Pro­jekt “Lehrla­bor Lehrerpro­fes­sion­al­isierung (L3PROF)” des Zen­trums für Lehrerbil­dung Ham­burg.

Vortrag zu “Living History” und Historischem Lernen in Warschau

Kör­ber, Andreas: “Liv­ing His­to­ry – Place, Pur­pose or Top­ic of His­tor­i­cal Learn­ing?”. Talk at the Con­fer­ence “Step­ping Back in Time Liv­ing His­to­ry and Oth­er Per­for­ma­tive Approach­es to His­to­ry in Cen­tral and South-East­ern Europe.” Feb­ru­aary 23–24, 2017, Ger­man His­tor­i­cal Insti­tute War­saw .

Am 23. und 24.2. 2017 fand im Deutschen His­torischen  Insti­tut in Warschau eine inter­na­tionale Tagung statt zum The­ma  “Step­ping Back in Time Liv­ing His­to­ry and Oth­er Per­for­ma­tive Approach­es to His­to­ry in Cen­tral and South-East­ern Europe.” Ich habe dort einen Vor­trag zu Fra­gen des His­torischen Ler­nens in diesem Zusam­men­hang gehal­ten. Nach­trag 23.5.2017: Ein Tagungs­bericht find­et hier sich auf H‑SOZ-KULT.

ANMELDUNG VERLÄNGERT BIS 28.2.2017: Zusätzliches Lehrangebot im SoSe 2017: Seminar mit Exkursion nach USA/Polen

Liebe Kommiliton(inn)en,
nach der ersten Anmelderunde sind noch Plätze frei — ins­beson­dere für den Teil zu Grundwald/Tannenberg mit der Exkur­sion nach Polen!
Neue Anmelde­frist: 28. Feb­ru­ar 2017!
Anmel­dun­gen bitte zur Sicher­heit per Mail AUCH AN MICH: andreas.koerber@uni-hamburg.de
Gruß

 

Das Sem­i­nar ist für Lehramtsstudierende ein Fach­di­dak­tik M.Ed.-Seminar “Weit­er­führung der Fach­di­dak­tik Geschichte” (Mod­ul 001k). Es ist für Studierende im B.A./B.Sc.-Lehramt Geschichte mit abgeschlossen­er Mod­ul­prü­fung zugänglich und kann später im M.Ed.-Studium angerech­net wer­den

Ein interessanter Unterrichtsbericht: Philippe Weber: “Die Geschichte der Enzyklopädie weiterschreiben”

Einen wirk­lich inter­es­san­ten und anspruchsvollen, dabei im sehr pos­i­tiv­en Sinne kom­pe­ten­zori­en­tierten Unter­richt (ohne die Kom­pe­tenz­mod­elle expliz­it zu nutzen) berichtet Philippe Weber im Blog des Arbeit­skreis­es “Dig­i­taler Wan­del und Geschichts­di­dak­tik”: “Die Geschichte der Enzyk­lopädie weit­er­schreiben”.

(2009) Zur Erinnerungskultur im Web 2.0

[Vorbe­merkung: Nach dem Umzug des Blogs auf den neuen Serv­er wurde ich vom Sys­tem auf einen seit Jahren unfer­ti­gen Entwurf aufmerk­sam gemacht, der danach mein­er Aufmerk­samkeit ent­gan­gen war. Ich veröf­fentliche ihn hier unverän­dert, zum einen, weil ich das damals geschriebene immer noch für nicht ganz unsin­nig halte, zum anderen, weil auch das eine Form der Erin­nerung ist. AK 3.5.2016]

Lisa Rosa macht(e mich damals) auf ein erin­nerungskul­turelles Phänomen aufmerk­sam:

Ein Pro­jekt in Lublin “rekon­stru­iert” im Netz Holo­caust-Opfer und gibt ihnen eine “virtuelle Iden­tität”, d.h. es entste­ht eine Seite, auf welch­er nicht nur Lebens­dat­en und Infor­ma­tio­nen über die his­torische Per­son ver­sam­melt wer­den, son­dern diese Per­son auch eine virtuelle “eigene” Stimme bekommt.

Ein Bericht darüber find­et sich bei der Deutschen Welle.

Dieses Pro­jekt wirft aus der Per­spek­tive der Geschichts­di­dak­tik wie der Erin­nerungskul­tur, der Gedenkstät­ten­päd­a­gogik mehrere Fra­gen auf. Ich will hier gar nicht selb­st unmit­tel­bar nach der “Angemessen­heit” und/oder Sinnhaftigkeit fra­gen oder darüber urteilen. Zunächst geht es mir darum zu fra­gen, welch­er Kat­e­gorien, Begriffe und Ein­sicht­en es bedarf, um darüber zu vali­den Urteilen zu kom­men:

  1. Kann dieses Pro­jekt als neu-medi­ale, Inter­net-gerechte Weit­er­en­twick­lung biographis­chen Arbeit­ens in der Erin­nerungskul­tur ange­se­hen wer­den?
  2. In dem oben ange­sproch­enen Bericht über dieses Pro­jekt wird der Begriff der “Rekon­struk­tion” erwäh­nt. Was genau wird damit beze­ich­net? Was umfasst er — und was kann er sin­nvoller­weise umfassen?
    1. Ist mit der Rekon­struk­tion die Erar­beitung von Infor­ma­tio­nen über die Leben­sum­stände und das Leben des Jun­gen “Henio” gemeint — oder umfasst der Begriff auch die “Wieder­her­stel­lung” sein­er Per­spek­tive?
    2. Re-Kon­struk­tion im geschichtswis­senschaftlichen Sinne beste­ht immer in ein­er ret­ro­spek­tiv­en Tätigkeit. Dabei gilt inzwis­chen als gesicherte Erken­nt­nis, dass zwar ver­sucht wird, “die Ver­gan­gen­heit” zu rekon­stru­ieren, dass das Ergeb­nis aber nie in der Wieder­her­stel­lung der Ver­gan­gen­heit beste­hen kann, son­dern immer die Form ein­er “Geschichte” annimmt, näm­lich nar­ra­tiv struk­turi­ert ist.
    3. Re-Kon­struk­tion verbindet somit immer min­destens zwei Zeit­punk­te, von denen ein­er der­jenige der Re-Kon­struk­tion ist. Im Sinne von Trans­parenz und in Anerken­nung der unhin­terge­hbaren Per­spek­tiv­ität (sowie Selek­tiv­ität, Par­tial­ität etc.) aller nar­ra­tiv­en Aus­sagen, ist zu fordern, dass die Tat­sache der per­spek­tivis­chen Re-Kon­struk­tion und die Per­spek­tive, von der sie vorgenom­men wird, möglichst offen gelegt wird.
    4. Auch die Anstren­gung und Leis­tung, mögliche Gedanken und Wün­sche, Äußerun­gen und Tat­en früher­er Men­schen zu for­mulieren, ist dem­nach for­mal Re-Kon­struk­tion. Die Nutzung wörtlich­er Rede und der Ich-Form, d.h. Drama­tisierung und Kon­tex­tu­al­isierung, Lokalisierung usw. sind Ele­mente his­torisch­er Re-Kon­struk­tion. In diesem Sinne ist auch die Kon­struk­tion des “virtuellen Henio” eine Rekon­struk­tion.
    5. Ein solch­es Pro­jekt kann also nicht ein­fach mit dem Hin­weis abgelehnt wer­den, dass es ille­git­im sei, nicht mehr lebende Per­so­n­en “zum Sprechen zu brin­gen” — nichts anderes tun his­torische Dra­men und Epen — aber auch ein Gut­teil der erzäh­le­nen Geschichtss­chrei­bung.
    6. Nicht die Tat­sache fik­tionaler Gestal­tung von ver­gan­genen Per­spek­tiv­en und Hand­lun­gen in diesen Per­spek­tiv­en kann also ein Grund sein, ein solch­es Pro­jekt abzulehnen oder prob­lema­tisch zu find­en, son­dern höch­stens die Art und Weise, wie Fik­tion­al­ität (oder neu­traler: Gestal­tung) und “Fak­tiz­ität” miteinan­der in Beziehung geset­zt wer­den. Auch “Fak­ten” sind ja nicht ein­fach gegeben, son­dern entste­hend durch Inter­pre­ta­tion, durch Re-Kon­struk­tion.
  3. Dass mich (und wohl auch Lisa Rosa) bei der Infor­ma­tion über diese Form der Erin­nerungskul­tur ein ungutes Gefühl beschle­icht, der Ver­dacht, hier kön­nte etwas unangemessenes, prob­lema­tis­ches statt find­en, muss also an anderem liegen. Es braucht wohl auch andere Kri­te­rien zu dessen Beurteilung:
    1. Ist es die Kom­bi­na­tion von fik­tionaler Gestal­tung und der Opfer­per­spek­tive, welche dem so Gestal­teten eine Deu­tungs­macht ver­lei­ht, die uns — bei aller Berech­ti­gung und Notwendigkeit der Repräsen­ta­tion dieser Per­spek­tive — prob­lema­tisch erscheint?
    2. Ist der Begriff “virtueller Zeitzeuge”, der bei der Deutschen Welle ver­wen­det wird, angemessen? Er ver­weist auf die beson­dere Qual­ität der Zeitzeu­gen­schaft, die diese in der deutschen Geschichtswis­senschaft und Erin­nerungskul­tur besitzt — näm­lich eine auf ein­er Authen­tiz­ität­san­nahme beruhende Autorität.
    3. Hier ist zu fra­gen, ob unser (bzw. der Autoren des Pro­jek­ts und/oder der Berichter­stat­ter) Begriff des “Zeitzeu­gen” scharf genug ist. Lässt sich “Zeu­gen­schaft” vir­tu­al­isieren?
    4. Vielle­icht hil­ft es ja weit­er, die Autorität, die dem Konzept des “Zeu­gen” und der “Quelle” im deutschen his­torischen Denken zukommt, zurück­zunehmen, und vielmehr (entsprechend der englis­chsprachi­gen Geschicht­späd­a­gogik) das Konzept der “Evi­denz” zu nutzen. Nicht die Tat­sache von Zeu­gen­schaft iste s dann, die Autorität ver­bürgt — vielmehr kommt den Bericht­en von “Zeitzeu­gen” Evi­denz nicht automa­tisch zu, son­dern muss in ihnen gesicht wer­den.
    5. Mit Hil­fe der Kat­e­gorie von “Evi­denz” ließen sich auch Vorstel­lung sekundär­er und eben virtueller Zeu­gen­schaft kri­tisch analysieren.
  4. Zu reflek­tieren ist auch die Erin­nerungsqual­ität solch­er Pro­jek­te
    1. zunächst unter­schei­det sich der Vor­gang der “Re-Kon­struk­tion” ver­gan­gener Per­spek­tiv­en (“was kann der Junge Henio plau­si­bler­weise zu diesem Zeit­punkt gedacht haben, was kön­nen seine Wün­sche, Erfahrun­gen, Erleb­nisse etc. gewe­sen sein?”) und ihre drama­tisierende, lokalisierende, kon­tex­tu­al­isierende Gestal­tung nicht wesentlich von dem, was ern­sthaft arbei­t­ende Autoren von Jugend­büch­ern oft tun.
    2. In den aller­meis­ten Fällen han­delt es sich bei den Per­so­n­en solch­er Pro­duk­te um expliz­it fik­tionale Gestal­ten, die an Hand his­torisch­er Forschung als möglich und plau­si­bel erkan­nte Per­spek­tiv­en etc. zu ein­er Indi­vid­u­al­ität gestal­ten, die als möglich, aber eben nicht wirk­lich dargestellt wird:
      1. Zuweilen wer­den ver­bürgte und über­lieferte Einzel­er­fahrun­gen mehrerer Per­so­n­en zu ein­er fik­tionalen Fig­ur verdichtet.
      2. zuweilen wird neues (aber eben möglich­es) “hinzuer­fun­den”, so auch “Typ­is­ches” “indi­vid­u­al­isiert”.
    3. Aber es gibt natür­lich auch Beispiele, wo in fik­tionalen Gestal­tun­gen “reale” Per­so­n­en mit eigen­em Denken und Reden, Fühlen und Wollen vorgestellt und gestal­tet wer­den.
      1. Das ist zunächst immer dort der Fall, wo bekan­nte Einzelper­so­n­en, deren Han­deln die Sit­u­a­tion geprägt hat, unverzicht­bar sind — etwa beim Holo­caust Hitler, Höss usw.
      2. es kön­nen aber auch ver­bürgte, dann “fik­tion­al” über­formte Erfahrun­gen real­er Men­schen sein — wie etwa die Erin­nerun­gen von Art Spiegel­manns Vater in “Maus”.
    4. In den aller­meis­ten Fällen, die prob­lem­los anerkan­nt wer­den, zeich­net jedoch das Set­ting die Gestal­tung als zumin­d­est teil-fik­tion­al bzw. als “lit­er­arisch” gestal­tet aus: Der Hitler in “Maus” ist eben­sowenig der reale Hitler wie der Cae­sar in Aster­ix — er ist erkennbar eine lit­er­arische Gestal­tung der realen Per­son Hitler — ein Ver­weis auf die Real­ität, nicht aber die Real­ität selb­st.

“Master Narrative” = “Meistererzählung”?

Kör­ber, Andreas (23.2.2014): “ ‘Mas­ter Nar­ra­tive’ = ‘Meis­ter­erzäh­lung’?”

A pro­pos ein­er Anfrage eines Kol­le­gen von heute juckt es mich, doch ein­mal einen Sachver­halt anzus­prechen, den ich unbe­friedi­gend finde –wiewohl ich nicht hoffe, ihn ändern zu kön­nen:

Die Anfrage lautete, ob der englis­che Begriff des “Mas­ter Nar­ra­tive” im Deutschen mit “Meis­ter­erzäh­lung” kor­rekt über­set­zt sei.

Die Antwort lautet: “ja, lei­der” (vgl. etwa den Ein­trag im “Kul­tur­glos­sar”). Es han­delt sich um die einge­führte Über­set­zung, spätestens (ich habe das jet­zt nicht tiefer nachgeprüft) seit dem Sam­mel­band von Jarausch und Sabrow (2002): Auch sie ver­wen­den den Begriff eher, als dass sie ihn in sein­er sprach­lichen Ver­fass­theit reflek­tieren. Jost Dülf­fer hat 2005 in einem Beitrag in “Aus Poli­tik und Zeit­geschichte” diese Über­set­zung aus­drück­lich für gut befun­den: “ ‘Meis­ter­erzäh­lun­gen’ wird das im Anschluss an die englis­chen ‘mas­ter nar­ra­tives’ sin­nvoller­weise genan­nt, denn diese wirken, und sie prä­gen die Sicht.” (ebda, Anm. 6).

Ich kann dieses “sin­nvoller­weise” nicht wirk­lich nachvol­lziehen, weil es Missver­ständ­nisse begün­stigt: Das mas­ter nar­ra­tive ist in meinem Ver­ständ­nis eher dem “Mut­ter­band” im Kopier­w­erk ein­er Audio­pro­duk­tion ver­gle­ich­bar, von dem die Kopi­en gezo­gen wer­den — es prägt die Sicht — und in analoger Tech­nik unter­schei­den sich die Kopi­en immer etwas. Im Englis­chen heißen diese “Mut­ter­bän­der” m.W. auch “mas­ter”.

Der deutsche Begriff der “Meis­ter­erzäh­lung” kon­notiert demge­genüber die bei den mas­ter nar­ra­tives keineswegs nötige Meis­ter­schaft. Ich hat­te als Jugendlich­er in einem Bücher­re­gal ein von meinem Onkel geerbten Band mit Erzäh­lun­gen Anton Tsche­chovs, der mit “Meis­ter­erzäh­lun­gen” betitelt war — und damit eben auf die Meis­ter­haftigkeit der Erzäh­lkun­st abhob. Die mas­ter nar­ra­tives wer­den zwar oft als wirk­sam (s. Dülf­fer) und oft auch als mit Autorität aus­ges­tat­tet ange­se­hen, ihnen “Meis­ter­haftigkeit” zuzuschreiben, hil­ft aber der für ihre Reflex­ion nöti­gen Dis­tanz nicht ger­ade.

Vgl. dazu auch Kri­jn Thi­js (2008), dem zufolge die deutsche Forschung der Begriffsver­wirrung — er sei “zur Zeit des Begriff­s­trans­fers bere­its als indi­vidu­elle Glan­zleis­tung lit­er­arisch­er Vir­tu­osen” beset­zt gewe­sen — “nie ganz entkom­men” sei. Erst deswe­gen haben man die Zusätze “his­torisch”, “nation­al” usw. find­en müssen (S. 20 m. Anm. 31).

Lit­er­atur:

 

gerade erschienen: Körber, Andreas “De-Constructing Memory Culture.”

Kör­ber, Andreas “De-Con­struct­ing Mem­o­ry Cul­ture.” In: Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148, S. 145–150.

Ein Kri­te­rienkat­a­log zur Analyse von Aus­drucks­for­men his­torisch­er Erin­nerun­gen.

Kör­ber, Andreas “De-Con­struct­ing Mem­o­ry Cul­ture.” In: Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148, S. 145–150.

Neuerscheinung: Bjerg/Körber/Lenz/v. Wrochem (Eds.; 2014): Teaching Historical Memories

Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148.

Bjerg, Helle; Kör­ber, Andreas; Lenz, Clau­dia; von Wrochem, Oliv­er (2014; Eds.): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods. Expe­ri­ences and Results from the TeacMem Project. Berlin: Metropol (Neuengam­mer Kol­lo­qui­en; 4); ISBN: 9783863311148. Darin:

  • Kör­ber, Andreas: “His­tor­i­cal Think­ing and His­tor­i­cal Com­pe­ten­cies as Didac­tic Core Con­cepts”; pp. 69–96.
  • Kör­ber, Andreas “De-Con­struct­ing Mem­o­ry Cul­ture.” pp. 145–150.

 

 

 

In dieser Woche ist eine Pub­lika­tion erschienen, an welch­er Mit­glieder des Arbeits­bere­ichs beteiligt waren:

Bjerg, Helle/Körber, Andreas/Lenz, Clau­dia et al. (Hg.) (2014): Teach­ing His­tor­i­cal Mem­o­ries in an Inter­cul­tur­al Per­spec­tive. Con­cepts and Meth­ods (= Neuengam­mer Kol­lo­qui­en, Band 4), Berlin.

Bjerg/Körber/Lenz/von Wrochem (Eds.; 2014)

Vgl. auch: Blog-Ein­trag im Blog des Projects TeacMem