Vortrag im Kolloquium “Geschichtstreff” der Professur Theorie und Didaktik der Geschichte an der Universität Paderborn am 15. Mai 2019

Kör­ber, Andreas; Stork, Anni­ka (15.5.2019): “Task Based Learn­ing auch in His­to­ry? Poten­tiale fremd­sprach­di­dak­tis­chen Auf­gabenkonzepts für kom­pe­ten­zori­en­tierten Geschicht­sun­ter­richt”. Vor­trag im Rah­men des Kol­lo­qui­ums “Geschicht­str­e­ff” der Pro­fes­sur für The­o­rie und Didak­tik der Geschichte an der Uni­ver­sität Pader­born.

Am 15. Mai 2019 haben Andreas Kör­ber und Anni­ka Stork im Rah­men des Kol­lo­qui­ums “Geschicht­str­e­ff” der Pro­fes­sur für The­o­rie und Didak­tik der Geschichte an der Uni­ver­sität Pader­born über “Task Based Learn­ing auch in His­to­ry? Poten­tiale fremd­sprach­di­dak­tis­chen Auf­gabenkonzepts für kom­pe­ten­zori­en­tierten Geschicht­sun­ter­richt” vor­ge­tra­gen.

Vortrag im Kolloquium “Geschichtstreff” der Professur Theorie und Didaktik der Geschichte an der Universität Paderborn am 15. Mai 2019

Heike Bor­muth (15.5.2019): “Auf­gabenkonzepte für his­torisches Denken und Ler­nen”. Vor­trag im Rah­men des Kol­lo­qui­ums “Geschicht­str­e­ff” der Pro­fes­sur für The­o­rie und Didak­tik der Geschichte an der Uni­ver­sität Pader­born.

Am 15. Mai 2019 hat Dr. Heike Bor­muth im Rah­men des Kol­lo­qui­ums “Geschicht­str­e­ff” der Pro­fes­sur für The­o­rie und Didak­tik der Geschichte an der Uni­ver­sität Pader­born über “Auf­gabenkonzepte für his­torisches Denken und Ler­nen” vor­ge­tra­gen.

Tagung: “Geschichtskultur — Public History — Angewandte Geschichte.” Geschichte lernen und Gesellschaft. (29./30.03.2019) Leitung: Prof. Dr. F. Hinz (PH Freiburg), Prof. Dr. A. Körber (Univ. Hamburg)

“Geschicht­skul­tur — Pub­lic His­to­ry — Ange­wandte Geschichte.” Geschichte ler­nen und Gesellschaft. (29./30.03.2019); Leitung: Prof. Dr. F. Hinz (PH Freiburg), Prof. Dr. A. Kör­ber (Univ. Ham­burg); Ort: Aula der PH Freiburg; https://www.ph-freiburg.de/sozialwissenschaften/aktuelles-profil/geschichte/higlights-aus-lehre-und-forschung-der-abteilung-geschichte/tagungen/geschichtskultur-public-history-angewandte-geschichte.html

Geschichtskultur — Public History — Angewandte Geschichte. Geschichte lernen und Gesellschaft. (29./30.03.2019)

Leitung: Prof. Dr. F. Hinz (PH Freiburg), Prof. Dr. A. Kör­ber (Univ. Ham­burg)

Ort: Aula der PH Freiburg

Tagung­spro­gramm

Poster

Die Tagung wird durch die DFG finanziert.

 

Geschichte wird heute vornehm­lich in der außer­akademis­chen Geschicht­skul­tur ver­han­delt. Dies geht so weit, dass nicht zulet­zt in Bezug auf das Mit­te­lal­ter bere­its von einem „Sekundär­mit­te­lal­ter“ gesprochen wird (Valentin Groeb­n­er). Die Geschichtswis­senschaft reagierte auf diese Entwick­lung nicht nur – aber auch nicht zulet­zt – im deutschsprachi­gen Raum mit Ein­rich­tung von Pro­fes­suren für „Pub­lic His­to­ry“ und „Ange­wandte Geschichte“ sowie Etablierung entsprechen­der Inhalte in Lehrplä­nen und Geschichtss­chul­büch­ern. Doch diese Maß­nah­men kranken an zwei Defiziten, zu deren Behe­bung diese Tagung beitra­gen soll:

Erstens ist derzeit keineswegs klar, was genau unter den Etiket­ten „Pub­lic His­to­ry“, „Ange­wandte Geschichte“, „Erin­nerungskul­turen“, „Geschicht­skul­tur“ etc. genau zu ver­ste­hen ist, d.h. vor allem, ob es Ver­gan­gen­heits­deu­tun­gen sind, die für die oder aber von der Öffentlichkeit entwick­elt wer­den, und was genau in den jew­eili­gen Begrif­f­en selb­st oder ihren Umschrei­bun­gen als „öffentliche Geschichte“ die „Öffentlichkeit“ meint.

Zweit­ens han­delt es sich bei den genan­nten Stu­di­engän­gen um rein akademis­che Ver­anstal­tun­gen. Die Schere zwis­chen akademis­ch­er Erforschung der Geschichte und pop­ulären Umgangsweisen mit ihr ist jedoch bisweilen beträchtlich. Historiker*innen drehen nun ein­mal meist keine His­to­rien­filme, sie zeich­nen keine His­to­ri­en­comics etc. Wenn sie gle­ich­wohl den pop­ulären Umgang mit Geschichte in all sein­er Vielfalt analysieren, tap­pen sie daher oft­mals im Dunkeln. Nicht sel­ten bleibt es bei ein­er Beschrei­bung geschicht­skul­tureller Man­i­fes­ta­tio­nen, doch sind diese streng genom­men Sachquellen, nicht pop­uläre Geschicht­skul­tur, die stets den lebendi­gen Umgang mit Geschichte bedeutet. Mit den Akteur*innen der Geschicht­skul­tur wird seit­ens der Hochschulen nur spo­radisch Kon­takt gesucht.

Das Feld der Geschicht­skul­tur ist somit auf­grund seines Charak­ters als vergangen­heitsbezogenes, soziales wie kul­turelles Hand­lungs­feld Gegen­stand von Reflex­ion nicht nur auf der Basis wis­senschaftlich­er Forschung, son­dern auch seit­ens der bre­it­eren Öffentlichkeit. Insofern Geschichtswis­senschaft inklu­sive Geschichts­di­dak­tik nicht nur his­torische Quellen, son­dern zen­tral auch gesellschaftliche For­men des „Umgangs“ mit Geschichte, ihre „Nutzung“ und andere Bezug­nah­men auf sie erforscht, bedarf es sys­tem­a­tis­ch­er Per­spek­tiven­ver­schränkung. Fernziel des Arbeit­szusam­men­hangs, in dem die Tagung ste­ht, ist vor diesem Hin­ter­grund die Her­aus­gabe ein­er Hand­buch-Pub­lika­tion, in welch­er eine Rei­he wesentlich­er geschicht­skul­turelle Prax­en und Objek­ti­va­tio­nen zunächst sowohl aus den ver­schränk­ten Per­spek­tiv­en von Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen unter gemein­samen Fragestel­lun­gen vorgestellt wer­den und sodann sowohl the­ma­tisch als auch epochen­spez­i­fis­chen Analy­sen unter­zo­gen wer­den. Die Tagung soll den dafür nöti­gen Aus­tausch sowohl zwis­chen Wissenschaftler*innen (aus den Bere­ichen ver­schieden­er Kul­tur­wis­senschaften) und Praktiker*innen (1) über the­ma­tisch fokussierte Paarun­gen hin­aus zu ein­er über­greifend­en Diskus­sion zusam­men­führen und (2) sich aus den jew­eili­gen Beispie­len sowie (3) aus sys­tem­a­tis­chen Per­spek­tiv­en auf diese sicht- und disku­tier­bar machen.

Grund­lage der Tagung wer­den sein: (1) eine Rei­he von jew­eils bes­timmte geschicht­skul­turelle Hand­lungs­felder the­ma­tisierende, von Autor*innen-Tandems aus Wis­senschaft und Prax­is im Vor­feld erar­beit­ete und (2) jew­eils vier von Wissenschaftler*innen ver­fasste the­ma­tis­che und epochen­spez­i­fis­che Beiträge. Teilnehmer*innen sind die Autor*innen der Beiträge und ein gezielt dazu geladenes inter­na­tionale Fach­pub­likum aus den Bere­ichen Geschichtswis­senschaft, pub­lic his­to­ry und his­to­ry edu­ca­tion.

=== Nach­trag ===

Nun auch mit Bildern auf der Web­seite der PH Freiburg:

https://www.ph-freiburg.de/sozialwissenschaften/aktuelles-profil/geschichte/higlights-aus-lehre-und-forschung-der-abteilung-geschichte/tagungen/geschichtskultur-public-history-angewandte-geschichte.html

Inklusion, historisches Lernen und Leichte Sprache

[wird weit­er ergänzt]:
Fra­gen eines Geschichts­di­dak­tik­ers zur Nutzung der “Leicht­en Sprache” für das inklu­sive his­torische Ler­nen:

Bet­ti­na Zurstrassen hat — neben ihrer Kri­tik an man­gel­nder empirisch­er Über­prü­fung der Wirkun­gen der Ver­wen­dung Leichter Sprache —  darauf hingewiesen, dass

  • sprach­liche Vere­in­fachun­gen auch inhaltliche Vere­in­fachun­gen bedeuten kön­nen,
  • durch die Über­tra­gung von Tex­ten in Leichte Sprache auch unbe­ab­sichtigte Verän­derun­gen des Sin­nge­halts nicht zu ver­mei­den sind,
  • durch die Nutzung der Leicht­en Sprache sog­ar das Ziel der Inklu­sion kon­terkari­ert wer­den kann, indem Men­schen auf den let­ztlich restringierten Sprach­stil (und die damit restringierten Möglichkeit­en von Dif­feren­zierun­gen) hin sozialis­ert wer­den kön­nten.1

Ein paar Beispiele:

  1. In ein­er Hausar­beit zu ein­er Prak­tikum­ser­fahrung reflek­tiert eine Studierende Bedin­gun­gen und Möglichkeit­en sowie Erfahrun­gen mit dem Ein­satz “Leichter Sprache”, um Schüler(innen) mit Förderbe­darf (nicht nur Sprache, son­dern auch Ler­nen) die Beteili­gung an einem Ler­nen zu einem gemein­samen Gegen­stand zu ermöglichen. In ein­er Unter­richt­sein­heit an ein­er Stadt­teilschule wurde fol­gende Darstel­lung ver­wen­det:

    “Die Volksver­samm­lung kann auch  ein Scher­ben­gericht durch­führen. Es dro­ht beson­ders ehrgeizigen Poli­tik­ern, die die Allein­herrschaft anstreben. Die Bürg­er ritzen dazu den Namen eines Poli­tik­ers, den sie für gefährlich hal­ten, auf eine Ton­scherbe. Es sind Bruch­stücke von Tonge­fäßen, die als Stim­mzettel benutzt wer­den. Wer­den min­destens 6000 Ton­scher­ben abgegeben, muss der­jenige, dessen Namen min­destens 3001-mal auf­tauchtz, die Stadt für 10 Jahre ver­lassen. Der Poli­tik­er ver­liert allerd­ings nicht sein Anse­hen und sein Ver­mö­gen. Das Schreben­gericht dient dazu, die Macht von einzel­nen Poli­tik­ern einzuschränken.”

    In ein­er nur ansatzweise auf Leichte Sprache pro­fil­ierten Fas­sung sah der Text dann wie fol­gt aus:

    “In Athen gab es ein Scher­ben­gericht. Das sollte die Macht einzel­ner Poli­tik­er ein­schränken. Ton­scher­ben wur­den als Stim­mzettel benutzt. Wer gewählt wurde, musste Athen für 10 Jahre ver­lassen.”

    bzw. in (nachträglich) noch verbessert­er Form:

    “Bei den Griechen in Athen gibt es ein Scher­ben-Gericht.
    Die Macht von einem Poli­tik­er soll begren­zt wer­den.
    Ton-Scher­ben sind die Stimm-Zettel.
    Der Gewählte muss Athen für 10 Jahre ver­lassen.”

An diesem Beispiel lassen sich einige Prob­lematiken aufzeigen — und ggf. einige Ansätze, ihnen zu begeg­nen, um eine Ver­let­zung der Wesens­ge­halts­garantie zu ver­mei­den:

  • Die Nutzung des Präsens. Die let­zte Fas­sung des Beispiel­texts, die sehr weit­ge­hend mit den Regeln für leichte Sprache übere­in­stimmt2, ste­ht (regelkon­form) im Gegen­satz zur nur ansatzweise vere­in­facht­en zweite Fas­sung im Präsens. Dies ist ein vielschichtiges Prob­lem:
    • Damit wird der zeitliche Hor­i­zont des behan­del­ten Zusam­men­hang verun­k­lart. Gegenüber der Aus­sage “In Athen gab es ein Scher­ben­gericht” fehlt in der leicht­en Fas­sung die Markierung darauf, dass es sich um einen ver­gan­genen Zus­tand handelt.Die Aus­sage wir a‑historisch.
    • Angesichts der anerkan­nten gram­ma­tis­chen Form des his­torischen Präsens nicht nur unter vere­in­facht­en Sprachbe­din­gun­gen, son­dern als ger­adezu ela­bori­ertes Stilmit­tel, mag man das für neben­säch­lich hal­ten — zumal ja auch der aus­führliche Text, der zum Aus­gangspunkt der Vere­in­fachung genom­men wurde, im Präsens ste­ht.
    • Allerd­ings nimmt das die Sache zu ein­fach: Es ist sehr fraglich, inwiefern die Nutzung des his­torischen Präsens nicht ger­ade die ela­bori­ert­ere Fähigkeit voraus­set­zt, angesichts der ständi­ge präsen­ten Ken­nt­nis, dass es sich um einen ver­gan­genen Zusam­men­hang han­delt, das so Gele­sene bzw. Gehörte in ein men­tales Imper­fekt zu transponieren. Inwiefern diese Voraus­set­zung hier gemacht wer­den kann, ist doch sehr fraglich.
    • Diese Schwierigkeit ist aber — wie am Aus­gang­s­text zu sehen — keineswegs der Leicht­en Sprache exk­lu­siv — bei ihr auf­grund des Regel­w­erks aber kon­sti­tu­tiv.
    • Begeg­nen lässt sich dieser Prob­lematik und der damit ggf. ver­bun­de­nen Ver­let­zung der Wesens­ge­halts­garantie, insofern es um his­torisches, d.h. zeit­be­zo­genes und nicht poli­tis­ches Denken gehen soll, allerd­ings durch kom­pen­satorische Maß­nah­men, die eben diese Prämisse der Veror­tung des Zusam­men­hangs als Voraus­set­zung auf andere Wesies als durch die sprach­liche Codierung sich­ern und präsent hal­ten — etwa durch die durchge­hende Ver­wen­dung eines Zeit­strahls, auf welchem sowohl die betra­chtete Zeit als auch die eigene deut­lich markiert sind.
  • Ein zweites Prob­lem ist schwieriger. Es ist (wohl nicht nur auf den ersten Blick) auch gar nicht spez­i­fisch his­torisch, bet­rifft aber das his­torische Denken: Es geht um die durch die Vere­in­fachung der Gram­matik, die Reduk­tion auf Haupt­sätze und den Verzicht auf Qual­i­fika­tio­nen von Aus­sagen entste­hen­den Gen­er­al­isierungsef­fek­te. Der Text in Leichter Sprache mach dort Voraus­set­zun­gen in der Begrif­flichkeit, wo im sprach­lich kom­plex­eren Aus­gang­s­text Erk­lärun­gen zu find­en sind: “Bei den Griechen in Athen gibt es ein Scher­ben-Gericht.” Dass es sich dabei wed­er um ein “Gericht” im all­t­agssprach­lichen Sinne (ein Essen) noch um eine Insti­tu­tion im Sinne eines Amtes (Landgericht), son­dern um eine Inst­tution im sozialen Sinne han­delt, dass hier also keine Richter, son­dern Volk über etwas entschei­den, ist vielle­icht noch am ehesten durch die Ein­fü­gung zweier weit­er­er, sprach­lich eben­so leichter Sätze zu kor­rigieren. Inwiefern aber “Gericht” (so es ein­mal gek­lärt ist) nichts mit tat­säch­lich­er Tat oder Stre­it, son­dern mit Befürch­tung und somit Präven­tion zu tun hat, ist schon schwieriger. Wenn dann noch das Wort “gewählt” ver­wen­det wird, welch­es zugle­ich schüler­nah (Klassen­sprecher­wahl) als auch ein­fach ist, hier aber ger­ade keine pos­i­tive, son­dern eine neg­a­tive Auslese bedeutet, wird es dur­chaus prob­lema­tisch.
  • Ein drittes Prob­lem Leichter Sprache wird ggf. an einem weit­eren Text aus der gle­ichen Hausar­beit deut­lich, der selb­st nur teil­weise den Regeln der Leicht­en Sprache” entspricht. Neben ein­er Com­ic-Fig­ur ste­ht eine Infor­ma­tion zu Perik­les:
    “Perik­les war ein berühmter Mann in Athen. Er set­zte sich für die Demokratie ein. Demokratie bedeutet Volk­sh­errschaft. In Athen gab es Demokratie. Das Volk darf entschei­den. dafür gibt es Wahlen. Die Mehrheit gewin­nt. Die Teil­nahme an der Volksver­samm­lung ist wichtig.”
    Dass hier im ersten Teil gegen die Regelun­gen der Leicht­en Sprache das Prä­teri­um ver­wen­det wird, ist ger­adezu als eine Stärke anzuse­hen. Auch der Wech­sel zum Präsens in dem Satz “Demokratie bedeutet Volk­sh­errschaft” ist richtig und ger­ade auch inten­tion­al richtig, ermöglich er doch die Unter­schei­dung zwis­chen ein­er zeit­be­zo­ge­nen und ein­er zeitüber­greifend generellen Aus­sage. Die fol­gen­den Präsens­for­men jedoch sind — obwoihl nun­mehr wieder völ­lig regelkon­fom — prob­lema­tisch, nicht nur weil der Ver­gan­gen­heits­bezug fehlt (dazu siehe oben), son­dern weil gle­ichzeit­ig eine Gen­er­al­isierung enthal­ten ist (“Das Volk darf entschei­den”), die sowohl in ihrer Überzeitlichkeit noch in der defin­i­torischen Gen­er­al­isierung stim­men: “Dafür gibt es Wahlen”.
  1. []
  2. Eine Prü­fung mit dem “Lan­guage Tool. Leichte Sprache. deutsch” (https://community.languagetool.org/?lang=de) auf “hurraki.de” (http://www.hurraki.de/pruefung/pruefung) moniert nur die Pas­siv-Kon­struk­tion im zweit­en Satz. []

HistoGames im Unterricht?! (Alexander Buck, Andreas Körber)

Buck, Alexan­der; Kör­ber, Andreas (2018): His­toGames im Unter­richt?! Geschichts­di­dak­tis­che Per­spek­tiv­en auf eine aktuelle Geschichtssorte. Fra­gen und Über­legun­gen aus Anlass eines Lehrerbil­dung­spro­jek­ts an der Uni­ver­sität Ham­burg. In: His­torisch Denken Ler­nen. Arbeits­bere­ich Geschichts­di­dak­tik der Uni­ver­sität Ham­burg. 26.11.2018.

Geschichtsdidaktische Perspektiven auf eine aktuelle Geschichtssorte. Fragen und Überlegungen aus Anlass eines Lehrerbildungsprojekts an der Universität Hamburg

Geschichts­be­zo­gene dig­i­tale Spiele in der Schule – inwiefern ist das wirk­lich ein The­ma mit eigen­em Wert für Geschichts­di­dak­tik und Lehrer*innenbildung? — ein fol­low-up zu Nico Nold­ens jüng­stem Beitrag im Blog „gespielt“ des Arbeit­skreis­es Geschichtswis­senschaft und dig­i­tale Spiele (Nold­en 2018b).

In der Wis­senschaft wie in der Öffentlichkeit erfahren geschichts­be­zo­gene Com­put­er­spiele in den let­zten Jahren eine erhöhte Wahrnehmung und Aufmerk­samkeit. Grund­lage ist ihr hoher Anteil sowohl an der gegen­wär­ti­gen Pro­duk­tion von Geschichtsme­di­en als auch an der Medi­en­nutzung heutiger Jugendlich­er.

Als eine Begrün­dung für eine Nutzung solch­er Spiele im Unter­richt reicht vie­len Lehrer*innen und Lehramtsstudieren­den die Fasz­i­na­tion für Ver­gan­gen­heit und Geschichte, die solche Spiele offenkundig nicht nur bedi­enen, son­dern auch aktu­al­isieren oder über­haupt erst her­vor­rufen, aber offenkundig (und zu Recht) nicht aus. Darauf deuten jeden­falls auch die Rück­mel­dun­gen hin, die wir (die Arbeits­bere­iche Pub­lic His­to­ry und Geschichts­di­dak­tik an der Uni­ver­sität Ham­burg) von Schulen und Kolleg*innen in Ham­burg und im Umland auf Anfra­gen zur Beteili­gung an unserem Lehr- und Entwick­lung­spro­jekt „His­toGames“ erhal­ten haben, in dem wir fach­wis­senschaftliche und fach­di­dak­tis­che Per­spek­tiv­en auf his­torische Dig­i­tale Spiele nicht nur the­o­retisch, son­dern auch per­son­ell zusam­men­brin­gen, insofern ein­er­seits Lehrende der Pub­lic His­to­ry (Nico Nold­en) und der Fach­di­dak­tik (Alexan­der Buck und Daniel Giere) die Ver­anstal­tun­gen gemein­sam leit­en, ander­er­seits Lehramts- und Fach­wis­senschafts-Studierende gemein­sam unter Ein­bringung ihrer jew­eili­gen Per­spek­tiv­en gemein­samen Spiele analysieren, Unter­richt­skonzepte dazu entwick­eln und ihre Nutzung sowie die dabei zu beobach­t­en­den Prozesse his­torischen Denkens und Ler­nens erforschen.

Hin­ter­grund ein­er der­art kom­plex­en The­ma­tisierung des Phänomens „dig­i­tale his­torische Spiele“ sind eine Rei­he untere­inan­der dur­chaus in Span­nung ste­hende – Prob­lem- und Fragestel­lun­gen; darunter: inwiefern die Nutzung solch­er Spiele im Geschicht­sun­ter­richt …

  • geeignet ist, mit aktuellen inter­ak­tiv­en Medi­en sozial­isierte und von ihnen faszinierte Jugendliche für eine Beschäf­ti­gung mit Geschichte zu begeis­tern, wie sie etwa im Bericht von Ele­na Schulz in GameS­tar auf­scheint (Schulz 2018), oder aber
  • auf eine Kapit­u­la­tion des Geschicht­sun­ter­richts vor Geschichts­bildern und ‑inter­pre­ta­tio­nen hin­aus, die pro­duziert wur­den von den Nutzer*innen unbekan­nt bleiben­den, wis­senschaftlich nicht aus­gewiese­nen Autor*innen mit kaum zu durch­schauen­der Kom­bi­na­tion wirtschaftlich­er und poli­tis­ch­er Inter­essen (vgl. etwa die Debat­te um die poli­tis­che Posi­tion­ierung der Autoren von „Wolfen­stein II“; vgl. auch all­ge­mein­er Mey­er o.J.); bzw.
  • inwiefern ein spezieller Ein­satz solch­er Spiele über­haupt nötig ist, weil schon ein kon­ven­tioneller, umfassender auf Ken­nt­nisse aus­gerichteter Geschicht­sun­ter­richt eine zuver­läs­sige Basis bzw. Folie gesichert­er Infor­ma­tio­nen und Deu­tun­gen dafür bere­it­stellt, dass jugendliche Nutzer*innen das ihnen darin Begeg­nende einord­nen kön­nen, bzw.
  • all­ge­meine, für andere Medi­en (u.a. Bilder, Videos, Museen, Ausstel­lun­gen, Web­seit­en usw.) entwick­elte Konzepte, Kom­pe­ten­zen und Fähigkeit­en aus­re­ichen, um auch die in solchen Spie­len enthal­te­nen Geschicht­en für Jugendliche wirk­sam im Unter­richt zu de-kon­stru­ieren.

Hinzu kommt die Frage, inwiefern die beim Umgang mit solchen Spie­len ablaufend­en kog­ni­tiv­en und emo­tionalen Prozesse sowie die dazuge­höri­gen Fähigkeit­en, Fer­tigkeit­en und Bere­itschaften über­haupt wesentlich als his­torisch aufge­fasst wer­den und damit ein­er diszi­plin­spez­i­fis­chen Analyse und Förderung unter­zo­gen wer­den kön­nen. Wer­den sie nicht zumin­d­est weitest­ge­hend über­lagert von nicht-his­torischen Facetten ein­er Fasz­i­na­tion durch Tech­nik, Inter­ak­tiv­ität und Agency – gewis­ser­maßen medi­al, nicht his­torisch bes­timmter Macht- (und ggf. auch Leidens-)Phantasien?

Inwiefern und mit welchen Fragestel­lun­gen und Zie­len sollte also Geschichts­di­dak­tik sich mit solchen Spie­len befassen und Geschicht­sun­ter­richt sie nutzen?

Unter den Studieren­den, die sich über­aus reich­lich für dieses the­ma­tisch und struk­turell inno­v­a­tive Lehrex­per­i­ment anmelde­ten (so das gar nicht alle zuge­lassen wer­den kon­nten), zeigten sich gle­ich zu Beginn dur­chaus unter­schiedliche Per­spek­tiv­en und Zugänge zum Gegen­stand: Während für einige Studierende das Feld der dig­i­tal­en his­torischen Spiele selb­st noch eher neu ist und sie Erkun­dung, Analyse und Didak­tisierung miteinan­der ver­schränken (müssen), sind auch einige darunter, die ein­er­seits als „Zock­er“ (so eine Selb­st­beze­ich­nung) mehr als aus­re­ichende Ken­nt­nisse einzel­ner (nicht nur his­torisch­er) Spiele und Exper­tise in ihrer Bewäl­ti­gung („in GTA5 kenne ich jede Straße“) besitzen, eben­so aber von abw­er­tenden Kom­mentaren über ihr Hob­by in Schule bericht­en.

Dieses Span­nungs­feld zwis­chen hoher und geringer Erfahrung, aber auch unter­schiedliche erste Vorstel­lun­gen wie denn solche Spiele zum Gegen­stand his­torisch­er, geschicht­skul­tureller und fach­di­dak­tis­ch­er Forschung, Erkun­dung und Entwick­lung wer­den kön­nen, machen einen wesentlichen Reiz des Lehrpro­jek­ts aus, geht es doch – ger­ade auch angesichts der ras­an­ten Tak­tung neuer tech­nis­ch­er und medi­aler Möglichkeit­en und neuer Entwick­lun­gen einzel­ner Spiele – nicht darum, eine gewis­ser­maßen über viele Jahre hin­weg erar­beit­ete und gesät­tigt vor­liegende The­o­rie und Methodik ein­fach den Studieren­den zu ver­mit­teln, son­dern vielmehr anhand ein­er Auswahl mehr oder weniger aktueller Spiele gemein­sam Kat­e­gorien und Kri­te­rien für eine Analyse (bzw. De-Kon­struk­tion) zu entwick­eln (wobei auf umfan­gre­iche Vorar­beit­en von Nico Nold­en in sein­er Dis­ser­ta­tion zurück­ge­grif­f­en wer­den kann; vgl. Nold­en 2018a; vgl. auch Nold­en 2018b) und diese Ergeb­nisse und eige­nen Ein­sicht­en zu nutzen für die Entwick­lung didak­tis­ch­er Konzepte, welche die Befähi­gung von jugendlichen Ler­nen­den zur reflek­tierten und reflex­iv­en Auseinan­der­set­zung mit solchen Spie­len und ihrer Bedeu­tung für das eigene Ver­ständ­nis von Geschichte zum Ziel haben. Neben den von Daniel Giere im let­zten Teil des ersten Sem­i­nars einzubrin­gen­den didak­tis­chen Ansätzen liegen hier­für mit den Konzepten des reflek­tierten und selb­st-reflex­iv­en Geschichts­be­wusst­seins sowie der Kom­pe­ten­zen His­torischen Denkens der FUER-Gruppe (Kör­ber et al. 2007) Grund­la­gen vor. Ob und wie diese jew­eils für konkrete, auf einzelne Spiele und konkrete Lern­grup­pen aus­gerichtete Unter­richt­skonzepte und wiederum für all­ge­meine didak­tis­che Han­dre­ichun­gen genutzt wer­den kön­nen oder aber ggf. adap­tiert und ggf. ergänzt wer­den müssen, wird Gegen­stand der Arbeit im zweit­en Pro­jek­tse­mes­ter sein.

Auch hier kön­nen (und sollen) die Prak­tikums-Tandems aus Lehramtsstudieren­den ein­er­seits und die Tandems aus Fach­wis­senschafts-Studieren­den sich ergänzen, etwa indem let­ztere – ggf. auf der Basis von Beobach­tun­gen, Einzel- und Grup­pen­in­ter­views mit jugendlichen Spieler*innen, Lehrper­so­n­en, aber auch ggf. anderen Beteiligten (Autor*innen, Kritiker*innen etc.) – weit­ere Analy­sen der medi­alen und per­for­ma­tiv­en Kon­struk­tion von Sinn erar­beit­en, die wiederum in didak­tis­che Han­dre­ichun­gen einge­hen kön­nen.

Was interessiert(e) unsere Studierenden zu Beginn des Projekts?

Die in gemis­cht­en Tandems (aber getren­nt nach inter­essieren­den Spie­len) auf­grund erster eigen­er Explo­ration entwick­el­ten ersten Zugriffe, Frage- und Prob­lem­stel­lun­gen lassen vornehm­lich zwei Aspek­te erken­nen: (1) Die Frage nach der „Authen­tiz­ität“ dig­i­taler Spiele und (2) die Entwick­lung konkreten Unter­richt­shan­delns u.a. mit der Idee Per­spek­tiv­ität als Analysed­i­men­sion zu erproben. Mögen diese Zugriffe und Prob­lemdi­men­sio­nen auch zunächst noch sehr unter­schiedlich wirken und als eher getren­nt voneinan­der zu bear­beit­en erscheinen, so lässt sich doch erwarten, dass sie sich in wohl kurz­er Zeit als eng aufeinan­der ver­wiesen und miteinan­der ver­flocht­en erweisen wer­den.

Im Fol­gen­den sollen einige mit dem his­torischen Denken und Ler­nen zusam­men­hän­gende Prob­lem­felder (dig­i­tal­en) his­torischen Spie­lens beleuchtet wer­den, die für deren Analyse und unter­richtliche The­ma­tisierung rel­e­vant wer­den kön­nen, die aber durch weit­ere, im Pro­jekt von den Studieren­den zu entwick­el­nde oder aber empirisch her­auszuar­bei­t­ende Aspek­te ergänzt und mod­i­fiziert wer­den kön­nen (und müssen). Denn auch darum wird es in unserem Lehrpro­jekt gehen, dass nicht ein­fach vorhan­dene Ein­sicht­en und Konzepte „umge­set­zt“ wer­den, son­dern dass Geschichtsstudierende mit und ohne das Stu­dien­ziel Lehramt gemein­sam diesen Kom­plex medi­alen Bezugs auf die Ver­gan­gen­heit gemein­samen explo­rativ erforschen.

Zu 1: Authentizität versus Plausibilität

Nicht ver­wun­der­lich war, dass die Frage der „Authen­tiz­ität“ der Spiele einen rel­a­tiv großen Stel­len­wert ein­nahm. In welchem Ver­hält­nis dabei ein Ver­ständ­nis von „Authen­tiz­ität“ im Sinne ein­er „kor­rek­ten Abbil­dung“ der wirk­lichen Ver­gan­gen­heit zu weit­eren denkbaren Aspek­ten und Dimen­sio­nen bzw. gar Ver­ständ­nis­sen von „Authen­tiz­ität“ ste­ht, wird im weit­eren zu the­ma­tisieren und zu disku­tieren sein. Schon bei klas­sis­chen Medi­en der His­to­rie ist die Vorstel­lung ein­er mehr oder weniger gelin­gen­den „Abbil­dung“ oder Repräsen­ta­tion der ver­gan­genen Real­ität prob­lema­tisch, insofern sie die spez­i­fis­che, durch zeitliche, soziale, kul­turelle, poli­tis­che und weit­ere Posi­tion­al­itäten, aber auch Inter­essen, Frage­hal­tun­gen und schließlich per­sön­liche Vor­lieben, der jew­eili­gen Autor*innen geprägte Per­spek­tiv­ität und die Bindung jed­er Darstel­lung an den (wie auch immer reflek­tierten) Ver­ste­hen­shor­i­zont der Erzäh­lzeit verken­nt. Neben die Plau­si­bil­ität des Erfahrungs­ge­halts („empirische Triftigkeit“) müssen als Kri­te­rien der Qual­ität his­torisch­er Darstel­lun­gen und Aus­sagen somit schon immer diejeni­gen der nor­ma­tiv­en Triftigkeit (also der Relevanz‑, Werte- und Nor­men­hor­i­zonte) und der nar­ra­tiv­en Triftigkeit(en) sowie ggf. der Plau­si­bil­ität der darin ange­hen­den Konzepte und The­o­rien („the­o­retis­che Plau­si­bil­ität“ nach Rüsen 2013) treten, die alle­samt nicht ein­fach in einem binären (gegeben-nicht gegeben) Modus oder als ein­fache Aus­prä­gungsskala zu denken sind, son­dern über die Grade der inter­sub­jek­tiv nachvol­lziehbaren Begrün­dung und somit den Grad des expliziten Ein­bezugs möglich­er Ein­wände gegen die empirische Grund­lage, die Per­spek­tiv­en und Werte sowie die Kon­struk­tion der Erzäh­lung oper­a­tional­isiert wer­den müssen.

Rezipient(en) als Ko-Konstrukteur(e) historischer Narrationen

All dies gilt auch für andere inter­ak­tive und per­for­ma­tive For­men der „Verge­gen­wär­ti­gung“ von Geschichte. Hinzu kommt für dig­i­tale Spiele jedoch die deut­lich größere „Rolle“ der Rezip­i­en­ten für die Entste­hung ein­er his­torischen Nar­ra­tion. Selb­st bei den klas­sis­chen Medi­en (Buch, Film) ist nicht davon auszuge­hen, dass eine „im Mate­r­i­al angelegte“ Nar­ra­tion 1:1 von jeder/m Rezip­i­en­ten iden­tisch „wahrgenom­men“ wird, son­dern vielmehr, dass die Rezep­tion selb­st ein aktiv­er Vor­gang ist, der wesentlichen Anteil an der Kon­struk­tion ein­er his­torischen Sinnbil­dung ist.

Selb­st klas­sis­che per­for­ma­tive Medi­en wie etwa ein (Geschichts-)Theater oder Vor­trag, die nach dem Moment der Wahrnehmung nicht mehr in der­sel­ben Form vor­liegen (also „flüchtig“ sind), haben zumeist eine weit­ge­hend fest­gelegte, für alle Rezip­i­en­ten gemein­sam gültige Form. Dies ist bei inter­ak­tiv­en Medi­en wie Spie­len anders. Hier haben die Spie­len­den selb­st einen erhe­blichen Ein­fluss auf die konkrete Form des ihnen ent­ge­gen­tre­tenden nar­ra­tiv­en Ange­bots, das sie nicht nur im Wege der Rezep­tion, son­dern eben­so der Inter­ak­tion zu ihrer eige­nen Sinnbil­dung „ver­ar­beit­en“ müssen. Während es bei den klas­sis­chen Geschichtsme­di­en nicht-flüchtiger wie auch (auf der Basis ver­schriftlichter Vor­la­gen oder auch nachträglich­er Doku­men­ta­tion) weit­ge­hend möglich ist, die „Angebots“-Seite (d.h. die Darstel­lung) als solche zu analysieren („de-kon­stru­ieren“) auf ihren Erfahrungs­ge­halt, die in (an?) ihnen erkennbaren Konzepte, Rel­e­van­zaus­sagen, Werte und Nor­men sowie Erk­lärungsmuster der Autor*innen, erlauben inter­ak­tive Spiele zumin­d­est ideell eine unendliche und im Vorhinein kaum bes­timm­bare Vari­a­tion an Ver­läufen und damit Nar­ra­tio­nen. Jegliche Analy­sen (De-Kon­struk­tio­nen) müssen somit min­destens zwei Ebe­nen tren­nen, näm­lich (1) die „von außen“ nicht konkret erkennbare Tiefendi­men­sion der in die Spiel­regeln bzw. Algo­rith­men auf der Basis von „Ver­gan­gen­heitspar­tikeln“, Nor­men und nar­ra­tiv­en Konzepten ein­pro­gram­mierten Entschei­dungs- und Var­i­anzstellen und der dadurch möglichen poten­tiellen Nar­ra­tive, sowie die in der Inter­ak­tion mit den (ggf. mehreren!) Spie­len­den entste­hen­den aktu­al­isierten Nar­ra­tive.

Let­ztere entste­hen ggf. auch bei völ­lig zufäl­ligem, keinem konkreten Muster oder ein­er Strate­gie fol­gen­den Agieren der Spie­len­den, wer­den aber zumeist mit – nicht aber allein – bes­timmt sein durch ihre eige­nen Per­spek­tiv­en, ihre Hor­i­zonte an Wert‑, Norm- und Zusam­men­hangsüberzeu­gun­gen und ihrer Geschichts­bilder (wie auch immer bewusst sie sind). Sie sind somit abhängig von Aus­prä­gun­gen des Geschichts­be­wusst­seins sowie Prozessen des his­torischen Denkens und bee­in­flussen ihrer­seits bei­de (vgl. Kör­ber 2018).

Didaktische Relevanz digitaler Spiele

Damit sind his­torische Spiele als per­for­ma­tiv-inter­ak­tive Geschichtssorten hochgr­a­dig didak­tisch rel­e­vant. Nicht nur insofern die von ihnen in Form ein­pro­gram­miert­er poten­tieller Nar­ra­tive ange­bote­nen1 Aus­prä­gun­gen von Geschichts­be­wusst­sein, konkrete Geschichts­bilder und Ken­nt­nisse sowohl bestäti­gen und ggf. dif­feren­zieren und erweit­ern kön­nen, son­dern auch ihnen wider­sprechen, sie her­aus­fordern und kon­terkari­eren, bedür­fen sowohl die Rezep­tion (oder bess­er: Nutzung) als auch die Kom­mu­nika­tion über Spiel­er­fahrun­gen und Her­aus­forderun­gen selb­st his­torisch­er Ken­nt­nisse, kat­e­go­ri­alen Wis­sens und der Fähigkeit zur De und Re-Kon­struk­tion, son­dern ger­ade auch, insofern der inter­ak­tive per­for­ma­tive Prozess jew­eils neue Nar­ra­tive und Bilder in ein­er son­st kaum erfahrbaren Geschlossen­heit und Dynamik pro­duziert. Wo klas­sis­che Medi­en der Geschichte entwed­er per wieder­holter Rezep­tion entwed­er des Orig­i­nals (erneute Lek­türe) oder aber ein­er Doku­men­ta­tion in einiger Tiefe und Genauigkeit analysiert und de-kon­stru­iert wer­den kön­nen, bevor man sich zu ihnen ver­hal­ten muss, erzeugt die Inter­ak­tiv­ität des Spie­lens die Notwendigkeit von Analy­sen der jew­eils emer­gen­ten Sit­u­a­tio­nen in actu – ein­schließlich ihrer Ein­bet­tung in das emer­gente Nar­ra­tiv und in das Geschichts­bild und ‑ver­ständ­nis der/des Spie­len­den. Die eigene Aktiv­ität selb­st im Reagieren auf konkrete Sit­u­a­tio­nen kann dabei ggf. zu ein­er Form der Beglaubi­gung sowohl der wahrgenomme­nen Einzel­heit­en und Sit­u­a­tio­nen als auch der tiefer­liegen­den Logiken des Han­delns wer­den.

Analy­sen his­torisch­er Spie­len, die nicht nur die Präsen­ta­tions- (bzw. Angebots-)Seite in den Blick nehmen, son­dern die bei den Spie­len­den wirk­sam wer­den­den Prozesse des his­torischen Denkens (eben­so) berück­sichti­gen wollen, müssen somit über die Analyse einzel­ner konkreter aktu­al­isiert­er Nar­ra­tive hin­aus die darunter liegen­den, in der Anlage des Spiels, dem Regel­w­erk bzw. der Pro­gram­mierung und den in sie einge­gan­genen Konzepten, Hand­lungsmöglichkeit­en etc. erkennbaren poten­tiellen Nar­ra­tio­nen eben­so in den Blick nehmen wie die in der Inter­ak­tion mit den Spiel­hand­lun­gen emer­gen­ten Prozesse his­torischen Denkens der Spie­len­den. Zu analysieren sind somit nicht nur mate­ri­ale Erzäh­lun­gen medi­aler Art, son­dern wesentlich auch per­for­ma­tive Prozesse des his­torischen Denkens.
Hier­aus lässt sich fra­gen, inwiefern die Nutzung von inter­ak­tiv­en his­torischen Spie­len gle­ichzeit­ig Chan­cen für his­torisches Ler­nen bietet (und in welch­er Form), und inwiefern es auf bes­timmte (ggf. gegenüber herkömm­lichen Konzepten verän­derte) Aus­prä­gun­gen his­torisch­er Kom­pe­ten­zen angewiesen ist (und wie bei­de miteinan­der inter­agieren).

Zu 2: Wie kann nun Schule und schulischer Geschichtsunterricht dazu beitragen?

Auch wenn dig­i­tale his­torische Spiele ein noch recht junges Unter­suchungs­feld der Geschichts­di­dak­tik darstellen (früh: Grosch 2002; Ben­der 2012; Küh­berg­er 2013), gibt es bere­its eine Rei­he von Unter­richt­skonzepten (z.B. Giere 2018). Auch in den Grup­pen unseres Sem­i­nars wur­den in einem ersten Schritt unter­richt­sprag­ma­tis­che Ansätze the­ma­tisiert.

Dass mit dem Spie­len fik­tionaler Spiele direkt valides Wis­sen über ver­gan­gene Real­ität gewon­nen wer­den kann, mag vie­len mit Konzepten des his­torischen Ler­nens Ver­traut­en einiger­maßen naiv erscheinen. Den­noch ist die Vorstel­lung keineswegs aus der Welt, wie – sowohl zu Wer­bezweck­en behauptet, aber auch in Schilderun­gen von Spiel­er­fahrun­gen zu find­en – das Beispiel der Explor­er-Funk­tion der neueren Ver­sio­nen von Assas­sins Creed zeigt. Außer­halb kriegerisch­er Spiel­hand­lun­gen ermögliche das Spiel seinen Nutzern, die ver­gan­gene Welt (konkret: Ägyptens) zu erkun­den und zu erfahren, wie es damals war.2

Die frühen Unter­richtsvorstel­lun­gen unser­er Studieren­den gehen deut­lich andere Wege. Im Vorder­grund ste­ht die Vorstel­lung ein­er eher kon­trastiv­en Posi­tion­ierung von Spiel­er­fahrung und „Realgeschichte“, sei es im Sinne der Ein­wick­lung von Fragestel­lun­gen zur spielex­ter­nen Geschichte auf­grund spielin­tern­er Erfahrun­gen oder durch explizite Ver­gle­iche – etwa durch Kon­trastierung mit wiederum spielex­ter­nen Quellen und Darstel­lun­gen.

In den Grobkonzepten der Grup­pen taucht­en immer wieder viele konkret unter­richt­sprag­ma­tis­che Vorschläge zum Umgang mit dig­i­tal­en Spie­len auf. Genan­nt wur­den die gemein­same Entwick­lung von Fragestel­lun­gen, die Kon­trastierung von Spiel­szenen mit his­torischen Fotos und/oder Quellen. Daran schließt sich die Frage der Zielper­spek­tive von Geschicht­sun­ter­richt an. Welche Funk­tion haben all diese Vorschläge für his­torisches Ler­nen und was ver­ste­hen wir über­haupt darunter?

Disku­tiert wurde in diesem Zusam­men­hang die Rolle von Wis­senser­werb über „die“ Ver­gan­gen­heit durch dig­i­tale Spiele. Überdies wur­den die Teilnehmer*innen kon­fron­tiert mit der Vorstel­lung eines Auf­baus von Kom­pe­ten­zen his­torischen Denkens mit dem Ziel der Entwick­lung und Erweiterung eines reflex­iv­en und (selbst)reflexiven Geschichts­be­wusst­seins (Schreiber 2002; Kör­ber et al. 2007). Für dig­i­tale Spiele wurde die Frage disku­tiert, inwiefern die dichotomis­che Vorstel­lung ein­er „Zwei-Wel­ten-Lehre“ zur weit­eren Erforschung sin­nvoll sein kön­nte (dazu Kör­ber 2018).

Die spiel­er­fahre­nen Teilnehmer*innen kon­nten hier wertvolle Impulse liefern. So berichtete eine Stu­dentin von spielin­ter­nen Kontin­gen­zsi­t­u­a­tio­nen. Inwiefern diese durch his­torisches Denken inner­halb des Spiels bewältigt wer­den kön­nen, wäre beispiel­sweise ein Forschung­spro­jekt. Ob spiel-externes Wis­sen – hier: zu den europäis­chen Bünd­nis­sys­te­men – inner­halb von dig­i­tal­en Spie­len erfol­gre­ich genutzt wer­den kann, wurde eben­falls disku­tiert. Ein ander­er stu­den­tis­ch­er Beitrag stellte eigene spielerische Zeit­er­fahrun­gen in den Mit­telpunkt: In einem Strate­giespiel war ein (selb­st aufge­bautes) mächtiges Reich plöt­zlich unterge­gan­gen. Der Spiel­er hat­te jet­zt die Idee, in der Zeit – das war durch die Spielmechanik erlaubt – zurück zu reisen, um die Ursachen für diesen Nieder­gang zu ergrün­den und möglicher­weise die Spielver­gan­gen­heit entsprechend zu manip­ulieren. Für die Umset­zung im Geschicht­sun­ter­richt ver­trat eine größere Gruppe die Ansicht, es müsse auf­grund unser­er Diskus­sion nach Möglichkeit­en gesucht wer­den, Spielerfahrung(en) selb­st zum Reflex­ion­s­ge­gen­stand zu machen. Vielle­icht müssen dazu Meth­o­d­en der empirischen Sozial­forschung (z.B. nachträglich­es lautes Denken) zumin­d­est in ein­er prag­ma­tis­chen Form Einzug in den Geschicht­sun­ter­richt erhal­ten.

Multiperspektivität

Als Qual­ität­skri­teri­um und zur Ein­schätzung der Eig­nung eines dig­i­tal­en Spiels für den Geschicht­sun­ter­richt bietet sich – zumin­d­est auf den ersten Blick – die Berück­sich­ti­gung unter­schiedlich­er Per­spek­tiv­en im ver­gan­genen Geschehen an. Dies war auch von unseren Studieren­den früh for­muliert wor­den. Indem inter­ak­tive Spiele es ermöglichen, Rollen zu wech­seln, werde die Mono-(retro-)Perspektivität des tra­di­tionellen Mas­ter-Nar­ra­tivs und viel­er klas­sis­ch­er Texte durch­brochen. Wenn (und insofern) Spiele es dabei nicht nur erlauben, unter­schiedliche, aber let­ztlich kaum unter­schiedene Indi­viduen zu verkör­pern, son­dern in sozial, poli­tisch, kul­turell oder auch geschlechtlich unter­schiedliche Rollen zu schlüpfen, wäre damit zumin­d­est in fik­tionaler, hypo­thetis­ch­er Aus­prä­gung eine wesentliche Forderung geschichts­di­dak­tis­ch­er Präsen­ta­tion und /oder Insze­nierung erfüllt. So kön­nen zumin­d­est poten­tiell unter­schiedliche zeit­typ­is­che Wahrnehmungen und Inter­essen in Bezug auf ein gle­ich­es (gespieltes) Ereig­nis simuliert und über ihre Unter­schiedlichkeit disku­tiert wer­den. Wenn diese unter­schiedlichen Rollen und Per­spek­tiv­en mit­tels per­spek­tivis­ch­er Quel­len­texte (bzw. auf ihnen basieren­der Derivate) charak­ter­isiert wer­den, ist Mul­ti­per­spek­tiv­ität im engeren Sinne, zumin­d­est ansatzweise gegeben. Wo dies auf­grund man­gel­nder Quel­len­ver­füg­barkeit nicht der Fall ist, kön­nte man ver­sucht sein, die auf Klaus Bergmann zurück­ge­hende Forderung, auch die Per­spek­tive der „stum­men Grup­pen“ der Ver­gan­gen­heit zu berück­sichti­gen, erfüllt zu sehen.3

Inwiefern die Kri­te­rien der Mul­ti­per­spek­tiv­ität aber wirk­lich oder nur ver­meintlich als erfüllt gel­ten kön­nen, bzw. – ger­ade auch dem Nutzer – ein falsch­er Ein­druck dies­bezüglich ver­mit­telt wird, bedarf jew­eils der the­o­retis­chen Reflex­ion4 wie ein­er genauen Analyse der konkreten Spiele. Hierzu ist etwa zu analysieren,

  • inwiefern die Charak­ter­is­ti­ka der wähl- und wech­sel­baren Rollen mit sowohl trifti­gen als auch für die/den Spieler*in erkennbaren his­torischen Infor­ma­tio­nen „belegt“ bzw. gestützt sind,
  • inwiefern das Spiel nicht nur das Erfüllen ein­er Ver­hal­tensvor­gabe in ein­er pro­to­typ­is­chen Sit­u­a­tion erfordert oder aber dazu beiträgt, dass Struk­turen und Abläufe his­torisch­er Sit­u­a­tio­nen aus ein­er rollen-spez­i­fis­chen Per­spek­tive aus zu beurteilen sind,
  • und andere Aspek­te mehr.

Darauf auf­bauend bedarf darf die Ein­schätzung, inwiefern etwaige Möglichkeit­en ein­er Rol­lenüber­nahme bzw. die Präsen­ta­tion unter­schiedlich­er Fig­uren in Spie­len auch zur mul­ti­per­spek­tivis­chen Präsen­ta­tion von Ver­gan­gen­heit und zur unter­richtlichen Reflex­ion geeignet sind, weit­er­er didak­tis­ch­er Über­legun­gen. Zu reflek­tieren ist jew­eils all­ge­mein und auf ein konkretes Spiel bezo­gen,

  • (wie) (ein) Spiel(e) so einge­set­zt wer­den kann/können, dass Schüler*innen nicht fra­g­los (immer­siv) in eine Per­spek­tive hineingestellt wer­den und in ihr verbleiben, son­dern dass es ihnen möglich wird, den Kon­struk­tcharak­ter nicht nur der Geschichte an sich, son­dern der Per­spek­tive (= Posi­tion + Inter­essen, Hand­lung­sop­tio­nen) selb­st zu erken­nen und zu reflek­tieren,
  • (wie) in einem unter­richtlichen Zusam­men­hang sicht­bar und disku­tier­bar gemacht wer­den kann, ob bzw. inwiefern Schüler*innen diese ret­ro­spek­tive, auf einem Geschichts­bild basierende Aus­gestal­tung ihrer „Rolle“ bewusst wird, und wie ihnen Ein­sicht­en dazu ermöglicht wer­den kön­nen,
  • welche Irri­ta­tio­nen und Ein­sicht­en sowie Fra­gen an das Medi­um „Spiel“ und seine Bedeu­tung bei Schüler*innen angestoßen wer­den und welche Bedeu­tung deren Reak­tio­nen für a) die The­o­riebil­dung über und Eval­u­a­tion von Spie­len als Geschichtssorte und b) die Entwick­lung schulis­chen Geschicht­sun­ter­richts als ein­er Instanz haben, die zu kri­tis­chem reflek­tiertem Umgang mit der Geschicht­skul­tur befähigt.
Historische Spiele nur etwas für „Zocker-Schüler*innen“?

Unter­richt­skonzepte, die diese Fra­gen zum Aus­gangspunkt von Didak­tisierung und Oper­a­tional­isierung machen, set­zen keineswegs voraus, dass Schüler*innen im Unter­richt (oder häus­lich zur Vor­bere­itung) exten­siv spie­len. Dies wird ein­er­seits auf­grund unter­schiedlich­er häus­lich­er und auch schulis­ch­er Ausstat­tung nicht immer möglich sein, in manchen Fällen auch wegen Bedenken von Eltern oder auf­grund nicht immer jugend­freien Charak­ters der Spiele. Zudem dürfte die Kom­plex­ität viel­er Spiele jegliche Vorstel­lung ein­er The­ma­tisierung in toto von vorn­here­in auss­chließen. Es wird also schon aus prag­ma­tis­chen und organ­isatorischen Grün­den erforder­lich sein, auszuwählen, zu fokussieren und ggf. auch Mate­ri­alien über solche Spiele bzw. solche, welche Spiele und Spielver­läufe doku­men­tieren, einzuset­zen an Stelle des ganzen Spiels selb­st. Dies ist aber auch aus didak­tis­chen Grün­den sin­nvoll.

Unter­richtliche Nutzung von Geschichtssorten soll ja wed­er diese Geschichtssorten selb­st unter­richt­en noch sie als ein­fach­es Medi­um zur Ver­mit­tlung von Fach­wis­sen ein­set­zen, son­dern sie selb­st zum Gegen­stand machen. Das bein­hal­tet überdies, dass wed­er eine Affinität zu solchen Spie­len Bedin­gung für die unter­richtliche Beschäf­ti­gung mit ihnen sein kann noch eine per­sön­liche (oder häus­liche) Dis­tanz zu diesen Medi­en ein Grund für eines Dis­pens darstellt. Dig­i­tale his­torische Spiele als Medi­en der heuti­gen Geschicht­skul­tur müssen eben­so im Unter­richt the­ma­tisiert wer­den kön­nen wie beispiel­sweise Denkmäler, Museen und Filme.

Mögliche Umsetzung im Geschichtsunterricht

Einige – zunächst noch the­o­retis­che – Möglichkeit­en seien skizziert:

  • Zwei kon­trastive Spielver­läufe ver­gle­ich­bar­er („gle­ich­er“) Szenen wer­den als (Video-)Protokoll vorgelegt und die entste­hen­den unter­schiedlichen Nar­ra­tio­nen ver­glichen sowie die Rolle der jew­eils getrof­fe­nen Entschei­dun­gen für diese unter­schiedlichen Darstel­lun­gen disku­tiert und reflek­tiert.
  • Bei Spie­len, in deren Ver­lauf jew­eils mehrere unter­schiedliche Entschei­dun­gen zu tre­f­fen sind, spielt eine mit mehreren Com­put­ern aus­ges­tat­tete Gruppe an eine Rei­he solch­er Entschei­dun­gen jew­eils in Grup­pen unter­schiedlich durch und erzählt im Anschluss (nach mehreren solch­er Entschei­dun­gen) die unter­schiedlichen Ver­läufe nach, so dass die Bedeu­tung der „agency“ der Spielfig­ur für das entste­hende Nar­ra­tiv sicht­bar wird.
  • Eigene und fremde Spiel­er­fahrun­gen von Schü­lerin­nen und Schülern wer­den zum Gegen­stand der Reflex­ion gemacht.
  • Schüler*innen kön­nen aus­gewählte Szenen einzel­ner Spiele selb­st spie­len und ihre eigene (in geeigneter Form gesicherte) Erfahrung sowie die dabei ent­stande­nen eige­nen Fra­gen anschließend mit zuvor erhobe­nen Pro­tokollen ander­er Spieler*innen ver­gle­ichend auswerten. Hierzu eignen sich ggf. Pro­tokolle in actu oder nachträglich stat­tfind­en­den laut­en Denkens (stim­u­lat­ed recall; vgl. Mess­mer 2015, s. auch Lenz und Tal­snes 2014).
  • Wenn die Möglichkeit eige­nen Spie­lens mit Doku­men­ta­tion im Unter­richt nicht oder nur in geringem Umfang gegeben ist, kön­nen auch (ggf. nur kurze, ein „look and feel“ ver­mit­tel­nden eige­nen Spie­lens oder der Vor­führung eines aus­gewählten Spielver­laufs) möglichst unter­schiedliche (visuelle und textlich vor­liegende) Spiel­pro­tokolle ver­gle­ichend aus­gew­ertet wer­den.

Bei all diesen Meth­o­d­en wird es darauf ankom­men, dass nicht ein­fach Fra­gen des Gelingens/des Spiel­er­fol­gs im Mit­telpunkt ste­hen, son­dern die Wahrnehmungen der gestal­teten Spiel­si­t­u­a­tion, der ggf. von der/dem Spie­len­den ver­langten Entschei­dun­gen und ihres Ver­hält­niss­es zu ihrem Geschichts­bild (der Vorstel­lung von der jew­eili­gen Ver­gan­gen­heit) und zu ihrem Geschichts­be­wusst­sein ankom­men. Zu let­zterem gehören etwa die (ggf. noch eher unbe­wussten) Vorstel­lun­gen davon, inwiefern „dama­liges“ Han­deln und die zuge­hörige Moral sich von heuti­gen unter­schei­den, die bei Schüler*innen gegebe­nen Vorstel­lun­gen von Macht, Herrschaft, Gewalt, Gut und Böse, aber auch ihre Über­legun­gen zu Authen­tiz­ität und Triftigkeit der jew­eils präsen­tierten Geschichte.

Was ist eigentlich „Geschichte“?

Somit wer­den nicht nur konkrete Spiele und Spiel­szenen sowie spiel-imma­nentes Han­deln the­ma­tisch für Geschicht­sun­ter­richt. Er muss vielmehr auch das Augen­merk auf die Vorstel­lun­gen und Begriffe der Schüler*innen davon richt­en, was Geschichte, welche Funk­tion und Bedeu­tung sie für die Gesellschaft all­ge­mein sowie für sie als Indi­viduen besitzt – und über die Rolle his­torisch­er Spiele als „Geschichtssorte“ im geschicht­skul­turellen Gefüge.

Inwiefern etwa nehmen Schüler*innen die Darstel­lung von Geschichte in solchen Spie­len und die in der Gesellschaft und Schule son­st ver­han­delte Geschichte als zusam­menge­hörig oder aber als deut­lich voneinan­der getren­nt wahr? Inwiefern wer­den die solche Spiele struk­turi­eren­den Wel­ten über­haupt als ein­er auch außer­halb dieser Spiel­welt gegebe­nen Ver­gan­gen­heit zuge­hörig (und somit als „his­torisch“) wahrgenom­men – oder aber als eine reine Folie, die mit der Ver­gan­gen­heit let­ztlich nichts zu tun hat? Inwiefern sind ihnen mögliche oder tat­säch­lich Ein­flüsse der ihnen in Spie­len begeg­nen­den Geschichts­darstel­lun­gen auf ihr eigenes Geschichts­bild und ‑bewusst­sein gar nicht, ansatzweise oder (zunehmend?) deut­lich bewusst?

Inwiefern besitzen bzw. erwer­ben Schüler*innen einen kri­tis­chen Blick auf die Art und Weise, wie Ver­gan­ge­nes in solchen Spie­len kon­stru­iert und gestal­tet ist?

Faz­it

Natür­lich wird unser kom­biniertes Pro­jek­t­sem­i­nar wed­er alle hier noch alle in Nico Nold­ens jüng­stem fach­be­zo­ge­nen Ein­trag im Blog „gespielt“ des Arbeit­skreis­es Geschichtswis­senschaft und dig­i­tale Spiele (https://gespielt.hypotheses.org/). (Nold­en 2018b) ange­sproch­enen the­o­retis­chen Fra­gen in Bezug auf dig­i­tale his­torische Spiele als Geschichtssorte in Gänze bear­beit­en kön­nen; noch wer­den alle denkbaren unter­richt­sprag­ma­tis­chen Ansätze für eine kom­pe­tenz- und reflex­ion­sori­en­tierte The­ma­tisierung in schulis­chem Geschicht­sun­ter­richt umge­set­zt wer­den kön­nen. Es wird aber schon ein deut­lich­er Erfolg sein, wenn (auch über die bei Nico Nold­en sowie in diesem Beitrag angeris­se­nen Aspek­te hin­aus) sowohl die Beschäf­ti­gung der Lehramts- wie der Fach­studieren­den mit den Spie­len als auch ihre Erfahrun­gen und Erkun­dun­gen im Umfeld konkreter Unter­richtsver­suche dazu führen, dass eine Rei­he von Ein­sicht­en sowohl in die his­to­ri­ographis­chen und medi­alen Logiken der Geschicht­spräsen­ta­tion in dieser Geschichtssorte, in For­men per­for­ma­tiv­er Sinnbil­dun­gen (ein­schließlich Irri­ta­tio­nen und neu entste­hen­der Fra­gen) und Möglichkeit­en ihrer prag­ma­tis­chen Fokussierung entwick­elt wer­den.

Literatur

  1. Ana­log zu anderen Bere­ichen kön­nte man auch die von Spiel-Hard- und v.a. Soft­ware gebote­nen Nar­ra­tive als „Ange­bote“ begreifen. Ähn­lich wie bei Unter­richt (vgl. Sei­del 2014) stellen diese aber nicht ein­fach alter­na­tiv zu „nutzende“, voll­ständig aus­geprägte Vari­anten (dort: von Lern­prozessen, hier his­torisch­er Nar­ra­tive) dar, son­dern vielmehr „Pro­to-For­men“ bzw. poten­tielle Nar­ra­tive, die erst durch die (Inter-)Aktion der Spie­len­den zu voll­ständi­gen Ver­läufen wer­den, wobei unter­schiedliche Nar­ra­tive gewis­ser­maßen emergieren. []
  2. Selb­st wenn etwa der Cre­ative Direc­tor des Spiels, Jean Gues­don, betont, dass Spiel sei „kein Ersatz für Geschicht­sun­ter­richt oder Lehre“, ver­ste­ht er die Darstel­lung doch als geeignetes „Anschau­ungs­ma­te­r­i­al“; vgl. Kreien­brink 2018. []
  3. Vgl. „Es beste­ht in der Geschichts­di­dak­tik weitest­ge­hen­der Kon­sens darüber, dass auch das Leben und Wirken ander­er sozialer Grup­pen als der Herrschere­lite im Geschicht­sun­ter­richt the­ma­tisiert wer­den muss, und dass auch geschichtlich ‘stumme’ Grup­pen in ihm zum Sprechen zu brin­gen sind. Damit wer­den in der Didak­tik Grup­pen beze­ich­net, von denen aus den ver­schieden­sten Grün­den keine oder wenig Zeug­nisse über­liefert wor­den sind: Bauern früher­er Zeit­en etwa, die nicht schreiben kon­nten, Frauen früher­er Zeit­en, die als nicht wichtig genug ange­se­hen wur­den, dass sie in der Geschichtss­chrei­bung vorka­men, Ver­lier­er großer Kriege, über die nur der Gewin­ner berichtete, und dann wiederum fast nur Neg­a­tives, und so weit­er.“ (Stel­lo 2016, S. 282). []
  4. Das bet­rifft etwa die Frage, inwiefern die Per­spek­tiv­en von Gruppe ohne eigene Über­liefer­ung über­haupt ähn­lich solch­er mit Über­liefer­ung ein­genom­men wer­den kön­nen oder ob dies notwendi­ger­weise gegen­wär­ti­gen Per­spek­tiv­en und Konzepten eben­so wie Fremd­wahrnehmungen ander­er Grup­pen ver­haftet bleibende Speku­la­tion bleiben muss. Ander­er­seits ist die Frage zu stellen, ob sich diese Her­aus­forderung wirk­lich prinzip­iell oder nur gradu­ell von anderen his­torischen Rekon­struk­tion­sprozessen unter­schei­det. []

Neuerscheinung: Aufsatz zu interkulturellem Geschichtslernen

Kör­ber, Andreas (2018): “Tran­scul­tur­al his­to­ry edu­ca­tion and com­pe­tence. Emer­gence of a con­cept in Ger­man his­to­ry edu­ca­tion.” In: His­to­ry Edu­ca­tion Research Jour­nal (HERJ) 15 (2), pp. 101–116. DOI https://doi.org/10.18546/HERJ.15.2.09

Ger­ade erschienen im ersten Heft der unter neuem Namen gelauncht­en Zeitschrift “His­to­ry Edu­ca­tion Research Jour­nal” (früher Inter­na­tion­al Jour­nal of His­tor­i­cal Learn­ing Teach­ing and Research):

Kör­ber, Andreas (2018): “Tran­scul­tur­al his­to­ry edu­ca­tion and com­pe­tence. Emer­gence of a con­cept in Ger­man his­to­ry edu­ca­tion.” In: His­to­ry Edu­ca­tion Research Jour­nal (HERJ) 15 (2), pp. 101–116. DOI https://doi.org/10.18546/HERJ.15.2.09

A new competency-model on monuments using Rüsen’s four types by Stéphane Levesque — and a comment

Kör­ber, Andreas (2018): “A new com­pe­ten­cy-mod­el on mon­u­ments using Rüsen’s four types by Stéphane Levesque — and a com­ment.” In: His­torisch denken ler­nen (14.10.2018):

In a recent con­tri­bu­tion to Pub­lic His­to­ry Week­ly, titled “Remov­ing the ‘Past’: Debates Over Offi­cial Sites of Mem­o­ry“1Stéphane Lévesque from Ottawa, Cana­da, pre­sent­ed a new mod­el for mon­u­ment-relat­ed com­pe­ten­cies of his­tor­i­cal think­ing, using Jörn Rüsen’s types of his­tor­i­cal nar­rat­ing.

The graph­ic ver­sion of the mod­el con­sists of four “com­pe­tences”, visu­al­ized as small­er cog­wheels arranged around and inter­act­ing with a cen­tral cog­wheel titled with “his­tor­i­cal con­scious­ness”. For each of the four com­pe­ten­cies, a short, mon­u­ment-relat­ed def­i­n­i­tion is giv­en.

Prompt­ed by a com­men­tary by Gabriel Reich of Vir­ginia Com­mon­wealth Uni­ver­si­ty, who also works exten­sive­ly on mon­u­ments in mem­o­ry cul­ture, Stéphane Lévesque added a (more gen­er­al) table ver­sion (a Span­ish trans­la­tion by Eliz­a­beth Mon­tanares Var­gas has been pre­sent­ed on face­book, mean­while) in an answer­ing com­ment, fur­ther detail­ing the com­pe­ten­cies in his mod­el.2.

As much as I appre­ci­ate this new mod­el of com­pe­ten­cies in gen­er­al, I have also added a few com­ments to it (and to one point of Gabriel Reich’s com­ment, which is not in focus, here). The space pro­vid­ed by Pub­lic his­to­ry week­ly for com­ment­ing is lim­it­ed and graphs are (at least not eas­i­ly) allowed. I there­fore use this my own blog for repeat­ing my com­ment to Lévesque’s mod­el, and to detail it a bit fur­ther.

First of all, I strong­ly sup­port the ini­tia­tive to analyse mon­u­ments as an expres­sion of and fac­tor for his­tor­i­cal con­scious­ness. Indeed, we need both a) to analyse them as experts by using our reper­toire of his­to­ri­o­graph­ic meth­ods and con­cepts in order to stim­u­late and sup­port informed pub­lic dis­cus­sion about whether a par­tic­u­lar mon­u­ment is still desir­able (or at least accept­able) or whether it needs to be changed (and how) or even removed, and b) to devel­op people’s com­pe­tences to address these issues them­selves, i.e. to reflect on the nature, mean­ing and mes­sage of a mon­u­ment both at the time of its con­struc­tion and today (e.g. through preser­va­tion, main­te­nance, alter­ation, com­ment­ing or removal).

For this rea­son, I great­ly appre­ci­ate Stéphane’s pro­pos­al for a com­pe­ten­cy mod­el, espe­cial­ly the table ver­sion from the com­men­tary above. This does not mean that I ful­ly sup­port the con­crete mod­el, but it has enriched the debate. Three com­ments on this:

(1) I doubt that com­pe­tence as such can be “tra­di­tion­al”, “exem­plary”, “genet­ic”, “crit­i­cal” or “genet­ic”. These pat­terns, both as I under­stand Rüsen and for myself, char­ac­ter­ize the log­ic of nar­ra­tives. I would there­fore rather read the table as “the com­pe­tence to query in the tra­di­tion­al mode” … “the com­pe­tence to nar­rate in crit­i­cal mode” etc.

(2) This again rais­es the ques­tion of whether the four pat­terns actu­al­ly con­sti­tute a dis­tinc­tion of com­pe­tence niveaus. While I agree that the genet­ic mode of nar­rat­ing his­to­ry is the his­tor­i­cal­ly most recent, com­plex and suit­able for explain­ing changes, I doubt – this time against Rüsen (cf. Kör­ber 2016) – that the typol­o­gy can describe com­pe­tence lev­els.
The com­pe­tence pro­gres­sion would need to be defined trans­ver­sal­ly: From (a) a basic lev­el of non-dis­tinc­tive (and thus uncon­scious­ly con­fus­ing) forms and pat­terns, via (b) the abil­i­ty to per­form all these forms of oper­a­tions in the var­i­ous pat­terns of Stéphane’s table (which would this describe a ful­ly devel­oped inter­me­di­ate lev­el), to © an elab­o­rat­ed lev­el of (addi­tion­al) abil­i­ty to think about the nature of these disc­tions, etc.

For this, the mod­el is very use­ful, full of ideas. It can help to think about what it takes to describe mon­u­ments nei­ther as “the past” nor as “sim­ply old”, but to iden­ti­fy and “read” them as nar­ra­tives (or nar­ra­tive abbre­vi­a­tions) from a cer­tain time, whose cur­rent treat­ment adds new nar­ra­tive lay­ers to them, so that their exis­tence (or absence), form, and treat­ment of them can always be seen and eval­u­at­ed as con­tem­po­rary state­ments about the respec­tive past. To rec­og­nize this and to deal with it in a social­ly respon­si­ble way requires these com­pe­tences.

As far as Gabriel Reich’s com­men­tary is con­cerned, I only ask whether his char­ac­ter­i­za­tion of an atti­tude to the con­fed­er­a­tion mon­u­ments can real­ly be addressed with Rüsen as “exem­plary”, since this mode is not con­cerned with the main­te­nance and sup­port of a con­ven­tion­al iden­ti­ty, but with the deriva­tion of a supertem­po­ral rule. I would refer to the exam­ple as “tra­di­tion­al”. An “exem­plary” atti­tude towards reten­tion would be more like­ly to be: “At all times, mon­u­ments of one’s own heroes have helped the losers of war to hold on to their cause. Then that must be pos­si­ble for us too.” Or some­thing along that line.

So far the com­ment already pub­lished in Pub­lic His­to­ry Week­ly.

That said, I might add, that I don’t mean that the “genet­ic” way of sense­mak­ing is not in some way supe­ri­or to the oth­ers, and more apt for his­tor­i­cal mean­ing-mak­ing, espe­cial­ly in its inte­gra­tion of a notion of direct­ed change over time. My scep­ti­cism focus­es on the idea that today’s people’s (“onto­ge­net­ic”) com­pe­ten­cies of his­tor­i­cal think­ing pro­gress­es along the same line as the cul­tur­al (“phy­lo­ge­net­ic”) devel­opo­ment of Rüsen’s pat­terns of sense­mak­ing through­out the his­to­ry of his­to­ri­og­ra­phy. Today’s youth simul­ta­ne­ous­ly encounter man­i­fes­ta­tions of his­tor­i­cal think­ing using all three (rather than four)3 pat­terns of sense­mak­ing. While there is a kind of “devel­op­ment” of pow­er of his­tor­i­cal mean­ing-mak­ing and expla­na­tion from tra­di­tion­al via exem­plar­ic to genet­ic, I doubt that peo­ple and stu­dents have to move from the for­mer to the lat­ter — or do so.

My own idea of devel­op­ment of com­pe­ten­cies of his­tor­i­cal think­ing can rather be visu­al­ized as fol­lows (adopt­ing Lévesque’s table):

Three niveaus/levels of competencies (schematic), following the FUER-model (cf. Körber 2015). The graph uses the table-version of Stéphane Lévesque's competence-model for historical thinking on monuments (https://public-history-weekly.degruyter.com/6-2018-29/removing-past-official-memory/; courtesy of Stéphane Lévesque by e-mail Oct 15th, 2018). A.K. 2018
Three niveaus/levels of com­pe­ten­cies (schemat­ic), fol­low­ing the FUER-mod­el (cf. Kör­ber et al. 2007; Kör­ber 2015)4. The graph uses the table-ver­sion of Stéphane Lévesque’s com­pe­tence-mod­el for his­tor­i­cal think­ing on mon­u­ments (https://public-history-weekly.degruyter.com/6–2018-29/removing-past-official-memory/; cour­tesy of Stéphane Lévesque by e‑mail Oct 15th, 2018). A.K. 2018

 

  1. A “basic” niveau (and pos­si­bly ear­ly stage) would be defined by the inabil­i­ty of dis­tin­guish­ing dif­fer­ent modes of his­tor­i­cal nar­rat­ing in gen­er­al and refer­ring to mon­u­ments in this spe­cif­ic case. (Young) peo­ple on this niveau (at this stage) will relate to them. They will ask ques­tions (and thus exer­cise their “inquiry com­pe­tence”), think (“his­tor­i­cal think­ing com­pe­tence”), ori­en­tate them­selves (“ori­en­ta­tion com­pe­tence”), and nar­rate (“nar­ra­tive com­pe­tence”). But this basic niveau will not be defined by being “tra­di­tion­al”, but by an unin­formed mix­ing (pos­si­bly only half-under­stood) forms of all three pat­terns. This per­for­mance will be both insta­ble and incon­sis­tent. Half-baked tra­di­tion­al ques­tions will stand next to unre­flect­ed exem­plary state­ments, and so on. In the graph above, this is sym­bol­ized by the blurred table below.
  2. The abil­i­ty to apply the dif­fer­ent pat­terns in a some­what clar­i­fied way, to dis­tin­guish them and select one, to iden­ti­fy incon­sis­ten­cies in their mix­ing, etc., then marks the inter­me­di­ary niveau, and pos­si­ble a major stage in the devel­op­ment of these com­pe­ten­cies. On this niveau, at this stage, peo­ple will be able to dis­cuss about the mes­sage a mon­u­ment express­es and the mean­ing it has for us today, but they might dis­agree and even quar­rel because they apply dif­fer­ent pat­terns of mean­ing-mak­ing.
    In a way, Lévesque’s table describes this inter­me­di­ate niveau, the dif­fer­ent forms of his­tor­i­cal inquir­ing, think­ing, ori­en­tat­ing, and nar­rat­ing can take, depend­ing from the gen­er­al pat­tern of sense­mak­ing. The table (the mid­dle one in the graph above) clear­ly points at some­thing, I have also tried to express in my Ger­man arti­cle chal­leng­ing Rüsen’s own idea of the dif­fer­ent pat­terns form­ing dif­fer­ent nivueaus of com­pe­ten­cies5: Each of the dif­fer­ent oper­a­tions (inquir­ing, nar­rat­ing, ori­en­tat­ing) will take on a spe­cif­ic stance of nar­rat­ing. It is a dif­fer­ence whether I ask for a tra­di­tion or for a rule to be derived from past exam­ples, or about a pat­terns of change across time. These ques­tions are informed by more gen­er­al stances and under­stand­ings of his­to­ry (maybe cod­ed in Lévesque’s cen­tral cog­wheel of “his­tor­i­cal con­scious­ness”) and will gen­er­ate dif­fer­ent forms of ori­en­ta­tion and nar­rat­ing. This does not mean that the ini­tial stance deter­mines the out­come of the sto­ry, ren­der­ing his­tor­i­cal think­ing a mat­ter of self-affir­ma­tion — not at all. A per­son inquir­ing in tra­di­tion­al will look for an ori­gin for some­thing valid and might — via his­tor­i­cal think­ing and research — learn of a quite dif­fer­ent ori­gin. The mode of mean­ing-mak­ing will still be tra­di­tion­al, but the con­crete his­to­ry will have changed. But peo­ple might also be forced to change their pat­tern in the process, e.g. learn­ing of the lim­its of exem­plary think­ing when gain­ing insight into fun­da­men­tal change, and thus “progress” in a way from exem­plary to genet­ic sense­mak­ing.
  3. The high­est niveau, how­ev­er, will be reached not by final­ly arriv­ing at the genet­ic forms of think­ing and the respec­tive com­pe­ten­cies, but by com­ple­ment­ing the abil­i­ty to rec­og­nize, dis­tin­guish and apply the dif­fer­ent for­ma with a trans­gress­ing abil­i­ty to reflect on the nature, val­ue and lim­its of this (and oth­er) typolo­gies them­selves. Only on this niveau (at this stage) are peo­ple ful­ly at com­mand of their his­tor­i­cal reflec­tion. They can address the lim­its soci­etal­ly accept­ed con­cepts and ter­mi­nol­o­gy pose and sug­gest new or amend­ed ones, etc. In the graph above, this is sym­bol­ized by the addi­tion­al focus to the rubrics of Lévesque’s table, marked by the blue rings.
  1.   Lévesque, Stéphane: Remov­ing the “Past”: Debates Over Offi­cial Sites of Mem­o­ry. In: Pub­lic His­to­ry Week­ly 6 (2018) 29, DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2018–12570. There also is a Ger­man and a French ver­sion. []
  2. The table can be found under the same address as the orig­i­nal con­tri­bu­tion, down the page []
  3. Rüsen’s “crit­i­cal” type of nar­rat­ing does not real­ly fit into the typol­o­gy, pre­sent­ing not a new log­ic of inter­con­nect­ing tem­po­ral infor­ma­tion, but mere­ly de-elgitimiz­ing oth­ers. In 1988 already, Bodo von Bor­ries com­ment­ed on this and pre­sent­ed a graph­i­cal con­cept of the inter­re­la­tion of the dif­fer­ent types, in which a “crit­i­cal” type was placed between both the tra­di­tion­al and the exem­plary and the lat­ter and the genet­ic, thus assign­ing it the func­tion of a cat­a­lyst of devel­op­ment (Bor­ries, Bodo von (1988): Geschicht­sler­nen und Geschichts­be­wusst­sein. Empirische Erkun­dun­gen zu Erwerb und Gebrauch von His­to­rie. 1. Aufl. Stuttgart: Klett, p. 61; cf.  Kör­ber, Andreas (2015): His­tor­i­cal con­scious­ness, his­tor­i­cal com­pe­ten­cies – and beyond? Some con­cep­tu­al devel­op­ment with­in Ger­man his­to­ry didac­tics. Online ver­füg­bar unter http://www.pedocs.de/volltexte/2015/10811/pdf/Koerber_2015_Development_German_History_Didactics.pdf, p. 14f.). In the new ver­sion of his “His­torik”, Rüsen presents a sim­i­lar ver­sion. Cf. Rüsen, Jörn (2013): His­torik. The­o­rie der Geschichtswis­senschaft. Köln: Böh­lau, p. 260. Eng­lish: Rüsen, Jörn (2017): Evi­dence and Mean­ing. A The­o­ry of His­tor­i­cal Stud­ies. Unter Mitar­beit von Diane Kerns und Katie Digan. New York, NY: Berghahn Books Incor­po­rat­ed (Mak­ing Sense of His­to­ry Ser, v.28), p. 198. []
  4.  Schreiber, Wal­traud; Kör­ber, Andreas; Bor­ries, Bodo von; Kram­mer, Rein­hard; Leut­ner-Ramme, Sibyl­la; Mebus, Sylvia et al. (2007): His­torisches Denken. Ein Kom­pe­tenz-Struk­tur­mod­ell (Basis­beitrag). In: Andreas Kör­ber, Wal­traud Schreiber und Alexan­der Schön­er (Hg.): Kom­pe­ten­zen his­torischen Denkens. Ein Struk­tur­mod­ell als Beitrag zur Kom­pe­ten­zori­en­tierung in der Geschichts­di­dak­tik. Neuried: Ars Una Ver­lags-Gesellschaft (Kom­pe­ten­zen, 2), S. 17–53; Kör­ber, Andreas (2012): Graduierung his­torisch­er Kom­pe­ten­zen. In: Michele Bar­ri­cel­li und Mar­tin Lücke (Hg.): Hand­buch Prax­is des Geschicht­sun­ter­richts. His­torisches Ler­nen in der Schule, Bd. 1. Schwalbach/Ts.: Wochen­schau Ver­lag (Wochen­schau Geschichte), S. 236–254.; Kör­ber, Andreas (2015): His­tor­i­cal con­scious­ness, his­tor­i­cal com­pe­ten­cies – and beyond? Some con­cep­tu­al devel­op­ment with­in Ger­man his­to­ry didac­tics. Online ver­füg­bar unter http://www.pedocs.de/volltexte/2015/10811/pdf/Koerber_2015_Development_German_History_Didactics.pdf, pp. 39ff []
  5.  Kör­ber, Andreas (2016): Sinnbil­dungstypen als Graduierun­gen? Ver­such ein­er Klärung am Beispiel der His­torischen Fragekom­pe­tenz. In: Kat­ja Lehmann, Michael Wern­er und Ste­fanie Zabold (Hg.): His­torisches Denken jet­zt und in Zukun­ft. Wege zu einem the­o­retisch fundierten und evi­denzbasierten Umgang mit Geschichte. Festschrift für Wal­traud Schreiber zum 60. Geburt­stag. Berlin, Mün­ster: Lit Ver­lag (Geschichts­di­dak­tik in Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart, 10), S. 27–41. []

Vortrag im Kolloquium “Geschichte und Öffentlichkeit” an der Universität Bielefeld am 27.6.2018

Kör­ber, Andreas (27.6.2018): “Die Kom­pe­ten­zori­en­tierung — eine Sack­gasse? Nein!” Vor­trag und Stre­it­ge­spräch mit Jür­gen Gunia im Rah­men des Kol­lo­qui­ums “Geschichte und Öffentlichkeit” der Fakultät für Geschichtswis­senschaften, Philoso­phie und The­olo­gie der Uni­ver­sität Biele­feld.

Kör­ber, Andreas (27.6.2018): “Die Kom­pe­ten­zori­en­tierung — eine Sack­gasse? Nein!” Vor­trag und Stre­it­ge­spräch mit Jür­gen Gunia im Rah­men des Kol­lo­qui­ums “Geschichte und Öffentlichkeit” der Fakultät für Geschichtswis­senschaften, Philoso­phie und The­olo­gie der Uni­ver­sität Biele­feld.

Zur Zusammenarbeit von Fachdidaktik und Sonderpädagogik im inklusiven Unterricht – Potenziale und Problemstellungen

Am ver­gan­genen Mittwoch fand an der Uni­ver­sität Ham­burg der „Strate­gi­etag Inklu­sion“ statt, bei dem Mit­glieder der Fakultät für Erziehungswis­senschaft in kurzen Impulsvorträ­gen ihre unter­schiedlichen Arbeit­en und Ansätze zur Inklu­sion vorstell­ten, die im Anschluss leb­haft in ver­schiede­nen Kle­in­grup­pen disku­tiert wur­den. In vier Blöck­en zur Posi­tion­ierung, Konzep­tion­ierung, Demokratisierung und Didak­tisierung von Inklu­sion wurde zwis­chen den Beiträ­gen nach sich ergeben­den gemein­samen Her­aus­forderun­gen des inklu­siv­en Bil­dungs- beziehungsweise Erziehungsauf­trags in schulis­chen und außer­schulis­chen Prax­is­feldern gesucht, es wur­den die ver­schiede­nen The­o­rien und Meth­o­d­en zur Bear­beitung dieser Her­aus­forderun­gen disku­tiert und nach neuen Per­spek­tiv­en zur inter- und intradiszi­plinären Koop­er­a­tion gesucht.

Einen Beitrag, der einen prag­ma­tis­chen Ansatzes zur Koop­er­a­tions­frage von Fach­di­dak­tik und Son­der­päd­a­gogik in der Inklu­sion vorstellte, liefer­ten Prof. Dr. Ulrich von Knebel, Prof Dr. Andreas Kör­ber und Dr. Heike Bor­muth. Unter dem Titel „Inklu­siv­er Unter­richt als didak­tis­che Her­aus­forderung“ stell­ten sie Über­legun­gen vor, die aus der Spez­i­fik des Zusam­men­spiels von Geschichts­di­dak­tik (Bormuth/Körber) und Beein­träch­ti­gung der Sprache (von Knebel) entsprangen.

1.   Ansatz in ein­er inklu­siv ori­en­tierten Fach­di­dak­tik – Geschichte

Im Arbeits­bere­ich Geschichts­di­dak­tik an der Uni­ver­sität Ham­burg wurde ein Ansatz entwick­elt, der für das Ziel der inklu­siv­en Pro­fil­ierung schulis­chen Geschicht­sler­nens das dif­feren­zierte Arbeit­en an gemein­samen Gegen­stän­den und Fragestel­lun­gen durch eine beson­dere Kon­struk­tion kom­plex­er Ler­nauf­gaben in den Blick nimmt. Die Über­legun­gen, die diesem möglichen Ansatz zugrunde liegen, sollen im Fol­gen­den all­ge­mein vorgestellt wer­den.

Aus­ge­hend von gegen­wär­ti­gen und für die Schü­lerin­nen und Schüler lebensweltlich rel­e­van­ten sowie expliz­it gemacht­en Prob­lem­la­gen (und insofern dem Ansatz von Sebas­t­ian Barsch ver­wandt) wer­den Auf­gaben­stel­lun­gen kon­stru­iert, die hin­re­ichend kom­plex sind, um nach ein­er dif­feren­zierten Bear­beitung gemein­sam besprochen und disku­tiert zu wer­den. Die Bedeu­tung der Auf­gabe für die eigene Lebenswelt und zeitliche Ori­en­tierung wird für die Schü­lerin­nen und Schüler in der Auf­gaben­stel­lung ersichtlich gemacht, wodurch grundle­gend klar wird, weshalb die Auf­gabe – hin­aus­ge­hend über die Verpflich­tung des Unter­richts­geschehens – zu bear­beit­en ist. Der Aus­tausch im Anschluss an die Arbeit­sphase dient schließlich nicht nur ein­er Rück­mel­dung zur erfol­gre­ichen Bewäl­ti­gung durch die Lehrkraft, son­dern eben­so zen­tral auch der anerken­nen­den gegen­seit­i­gen Wahrnehmung der unter­schiedlichen Per­spek­tiv­en, Deu­tun­gen, Bedeu­tungszuschrei­bun­gen und Inter­essen, die in den Bear­beitungsweisen ver­fol­gt wur­den. Durch die gemein­same Diskus­sion wer­den diese sicht- und reflek­tier­bar gemacht.

Für die Kon­struk­tion solch­er Auf­gaben­for­mate kön­nen (beziehungsweise müssen) auch oft mehrere vor­liegende, eher klein­schrit­tig-induk­tive Auf­gaben so zu kom­plex­en Ler­nauf­gaben zusam­menge­führt wer­den, dass ergänzende (somit nicht erset­zende) Dif­feren­zierun­gen von Mate­ri­alien sowie Bear­beitungs- und Darstel­lungs­for­men („Scaf­folds“) entwick­elt wer­den kön­nen. Diese sind dabei keinem einzel­nen Ler­nen­den direkt zugewiesen, son­dern wer­den als Ange­bote entsprechend des Bedarfs zur Unter­stützung oder Her­aus­forderung zur Ver­fü­gung gestellt, dür­fen aber grund­sät­zlich von allen Ler­nen­den gemäß ihrer eige­nen Entschei­dung genutzt wer­den. Daraus ergibt es sich auch, dass ein­deutige, fix­ierte und den Lehrer*Innen vor­ab bekan­nte Lösun­gen beziehungsweise Ergeb­nis­er­wartun­gen durch einen vielfälti­gen und vielgestalti­gen Lösungsraum abgelöst wer­den. In diesem wer­den unter­schiedliche For­mate des Schüler-Out­puts eben­so wie die ver­schiede­nen Blick­winkel und Kom­plex­itäts­grade der dif­feren­zierten Bear­beitung gle­icher­maßen wertschätzend akzep­tiert. Zur Ermit­tlung des in ein­er Lern­gruppe beste­hen­den Bedarfs an Maß­nah­men zur Unter­stützung und Her­aus­forderung dient eine zwei­seit­ige Diag­nos­tik, die zum einen die Anforderun­gen inner­halb der (kom­plex­en) Auf­gabe und zum anderen die kor­re­spondieren­den Fähigkeit­en in der Lern­gruppe als Gesamtein­heit analysiert. Dies geschieht mit­tels gemein­samer Kat­e­gorien sowohl all­ge­mein­er und spez­i­fisch päd­a­gogis­ch­er aber auch fach­spez­i­fis­ch­er Kri­te­rien, denen, eben­so wie der anschließen­den Entwick­lung der Scaf­folds, Prinzip­i­en wie das des uni­ver­sal Design for Learn­ing zugrunde gelegt wer­den.

Mit Hil­fe der ergänzen­den, nicht erset­zen­den Unter­stützung aber auch Her­aus­forderung soll der Zugang aller Ler­nen­den zu ein­er Ler­nauf­gabe verbessert oder gegebe­nen­falls erst ermöglicht wer­den, die im eigentlichen (fach­lichen) Lern- und Auf­gabenkern gemein­sam, in den Anforderun­gen, Bear­beitungs- und Reflex­ion­sweisen jedoch dif­feren­ziert ist.

Insofern die zwei­seit­ige Diag­nos­tik nicht nach den „Träger*innen“ bes­timmter Bedarfe an Unter­stützung und Her­aus­forderung inner­halb der Lern­gruppe fragt, son­dern nur nach den Bedar­fen selb­st, bleiben bei aller geleis­teter Dif­feren­zierung gegebe­nen­falls spez­i­fis­che Bedürfnisse beste­hen, die mit­tels der zwei­seit­i­gen Diag­nos­tik nicht aus­re­ichend erkennbar wer­den und denen mit­tels der all­ge­mein anzu­bi­etenden Scaf­folds nicht hin­re­ichend entsprochen wer­den kann. Sie schafft in solchen Fällen zunächst ein­mal über­haupt Aufmerk­samkeit und konkrete Gespräch­san­lässe mit weit­eren Experten päd­a­gogis­ch­er Pro­fes­sio­nen. Hier gilt es also, in Zusam­me­nar­beit mit spez­i­fis­chen Son­der­päd­a­gogiken die Schnittstellen für die inter­pro­fes­sionelle Zusam­me­nar­beit bei der Unter­richt­s­pla­nung, ‑vor­bere­itung und ‑durch­führung zu erken­nen und gemein­schaftlich aushan­del­nd zu gestal­ten. Auch dies wird nicht nur all­ge­mein, son­dern unter Berück­sich­ti­gung der Spez­i­fi­ka des jew­eili­gen Fach­es erfol­gen müssen.

2.   Ansatz der Son­der­päd­a­gogik – Beein­träch­ti­gung der Sprache

Die beispiel­hafte Diag­nose ein­er Lern­gruppe im Rah­men des geschichts­di­dak­tis­chen Auf­gaben­beispiels zeigte Auss­chläge in den Kri­te­rien „Sprach­liche Kom­pe­ten­zen“ (dies bet­rifft den Um­gang mit Deutsch/Bildungssprache) und „Sprech­fähigkeit“ (Fähigkeit zur Artiku­la­tion), an welchem Punkt die Ver­schnei­dung mit der Son­der­päd­a­gogik anset­zte. Im konkreten Falle fand die Ver­schnei­dung der Exper­tisen mit dem son­der­päd­a­gogis­chen Betä­ti­gungs­feld der „Beein­träch­ti­gung der Sprache“ statt, die sich mit den Fra­gen der fachunter­richtlichen Pro­fil­ierung ihrer Förder­logik auseinan­der­set­zte. Hin­ter den per­so­n­e­nun­ab­hängi­gen Auss­chlä­gen ver­barg sich nun aus der son­der­päd­a­gogis­chen Sicht der konkrete Beispielschüler Fabi­an, mit ein­er indivi­duellen kom­plex­en Diag­nose und einem speziellen Förder­plan. Seine Spez­i­fis­che Sprachentwick­lungsstörung bed­ingte erhe­bliche Entwick­lungsrück­stände vor allem in seman­tisch-lexikali­sch­er Hin­sicht

  • stark eingeschränk­ter Wortschatz
  • Schwierigkeit­en im Umgang mit übertrage­nen Bedeu­tun­gen

und in gram­ma­tis­ch­er Hin­sicht

  • keine Neben­satzkon­struk­tio­nen,
  • Schwie­rigkeiten mit dop­pel­ten Objek­ten, zusam­menge­set­zten Ver­ben und Tem­pus­markierung.

Gemäß Fabi­ans indi­vidu­ellem Förder­plan wären fol­gende Schritte zu unternehmen, um diese Aspek­te zu stärken. Es wären die seman­tis­chen und pho­nol­o­gis­chen Abrufhil­fen, die Fabi­an bere­its zunehmend erfol­gre­ich anwen­det, weit­er zu stärken und ein Lexikon all­t­agsrela­van­ter Worte aufzubauen. Zur Stärkung der Gram­matik wäre die Umstel­lung von Haupt­sätzen in eine Sub­jekt-Prädikat-Objekt-Struk­tur und die Erweiterung zu Mehrfa­chob­jek­tkon­struk­tio­nen einzuüben sowie kon­di­tionale und finale Neben­sätze einzuführen.

All­ge­mein ist die son­der­päd­a­gogis­che Sprach­förderung im Zusam­men­spiel mit dem Geschicht­sler­nen im schulis­chen Kon­text sodann auf zwei ver­schiedene Ziele gerichtet: Erstens gilt es, die sprach­lichen Anforderun­gen des Geschicht­sun­ter­richts so zu mod­i­fizieren, dass Fabi­an mit seinen bere­its entwick­el­ten sprach­lichen Hand­lungsmöglichkeit­en erfol­gre­ich agieren kann (sowohl im Sprachver­ständ­nis als auch in der Sprach­pro­duk­tion). Zweit­ens gilt es, die sprach­liche (hier vor allem die lexikalis­che und gram­ma­tis­che) Kom­pe­ten­zen­twick­lung Fabi­ans ins­ge­samt und gegebe­nen­falls auch außer­halb unter­richtlich­er Ver­wen­dungszwecke zu fördern, um die Ein­schränkun­gen sein­er lebensweltlichen Sprach­hand­lungs­fähigkeit, die ein Wesens­merk­mal des son­der­päd­a­gogis­chen Förderbe­darfs darstellt, zu min­dern.

Für die exem­plar­isch angenommene kom­plexe Ler­nauf­gabe ent­standen hier­durch beson­dere Anforderun­gen an die Scaf­folds, über die grundle­gende Wahrnehmung des Unter­stützungs­be­darfs in den sprach­lichen Kri­te­rien hin­aus, so dass die Mate­ri­alien auch unter Berück­sich­ti­gung von Fabi­ans Schwierigkeit­en bear­beit­bar wür­den und zu sein­er Sprach­weit­er­en­twick­lung beitra­gen kön­nten. Inner­halb der Auf­gaben­stel­lung zeigte sich zudem eine weit­ere zuvor nicht in dieser Deut­lichkeit abse­hbare Prob­lematik durch die vorge­se­hene Zu­sammenarbeit mit einem Part­ner, der über ein anderes Sprach­pro­fil ver­fügt. Spätestens an dieser Stelle müssten die Vertreter*Innen der Fach­di­dak­tik, in Form der Fachlehrer*Innen, und der Son­der­päd­a­gogik in einen konkreten Dia­log treten, um Fabi­ans Förder­plan sin­nvoll in einen weit­er­hin fach­lichen Geschicht­sun­ter­richt und das gemein­same Ler­nen einzu­binden. Im Rah­men des Beitrags wur­den hier­aus ver­schiedene Kon­se­quen­zen, Prob­lem­felder und Arbeit­saufträge abgeleit­et und vorgestellt.

3.   Ein mehrdi­men­sion­ales Span­nungs­feld entste­ht

Hin­ter der Koop­er­a­tion der päd­a­gogis­chen Diszi­plinen – so erstrebenswert sie auch sein mag – ste­ht bish­er ein noch nicht gek­lärtes, kom­plex­es Span­nungs­feld, da mit den indi­vidu­ellen Akteuren noch keine fix­ierten Hal­tun­gen aufeinan­dertr­e­f­fen. Bei­de päd­a­gogisch Han­del­nden müssen für sich genom­men zuerst ein­mal ihre Posi­tion auf einem chang­ieren­den Spek­trum der Extrem­pole – zwis­chen dem absoluten Hochhal­ten oder dem gän­zlichen Zurück­stellen der Eigen­logik ihrer Diszi­plin – bes­tim­men, um anschließend in den Aus­tausch und in Beziehung zueinan­der treten zu kön­nen.

Im konkreten Falle stünde ein Fach­lehrer oder eine Fach­lehrerin vor der gesam­melten Band­bre­ite möglich­er Posi­tion­ierun­gen von dem kom­plet­ten hin­te­nanstellen des Arbeit­sziels des histo­rischen Ler­nens und des Fachunter­richts hin­ter die indi­vidu­ellen Bedürfnisse ein­er­seits – hier würde also jedem Ler­nen­den eine eigene sep­a­rate Auf­gabe zugewiesen –  bis zu  dem Fes­thal­ten am gemein­samen Gegen­stand und der vorgese­henen Arbeitsweise als all­ge­me­ingültig ander­er­seits – hier­durch würde bedin­gungs­los auf das Ziel his­torischen Den­kens hingear­beit­et. Auf Seit­en der Son­der­päd­a­gogik span­nt sich ein ver­gle­ich­bar­er Bogen auf. Er beste­ht zwis­chen dem Auflösen von Förder­plan und Förder­logik unter der unter­richtlich­er Prax­is und dem Blick auf die ganze Klasse seit­ens Fach­lehrkräfte – einzelne Bedarfe von Schü­lerin­nen und Schülern blieben dem­nach unsicht­bar – und dem gegen­teili­gen Behar­ren auf dem Ziel der best­möglich­er Unter­stützung der indi­vidu­ellen Entwick­lung mit­tels des Förder­plans – das Han­deln würde somit in ganzem Umfang auf das Sub­jekt fokussiert.

Obwohl keine der Extrem­po­si­tio­nen funk­tion­al im Sinne der Inklu­sion oder pro­duk­tiv für ein gemein­sames Arbeit­en der päd­a­gogis­chen Diszi­plinen erscheint, kann bish­er eben­so wenig mit irgen­dein­er Bes­timmtheit gesagt wer­den, wie eine solche pos­i­tive Selb­stveror­tung auszuse­hen hat.

4.   Forschungsan­sätze und Arbeit­saufträge

Bevor in der Prax­is die einzelne Sonderpädagog*Innen und Fachlehrer*Innen das kom­plexe Span­nungs­feld in fort­laufend­en Einzelfall­ex­em­peln prag­ma­tisch lösen, erge­ht aus den Über­legun­gen des Zusam­men­spiels ein Arbeit­sauf­trag an die uni­ver­sitäre Forschung und Aus­bil­dung in den ver­schiede­nen Lehrämtern, genau dies bear­beit­bar zu machen. Ins­beson­dere ist ein Ort für die Ver­hand­lung der entste­hen­den Fra­gen zu schaf­fen.

Dieser Auszug stellt keinen umfänglichen und erschöpfend­en Kat­a­log an Fra­gen dar, an dessen Ende eine Lösung für die Grund­satzfrage der Zusam­me­nar­beit zwis­chen Fach­di­dak­tik und Son­der­päd­a­gogik ste­ht. Vielmehr ste­ht er exem­plar­isch für den jew­eili­gen Blick­winkel auf grundle­gende Struk­turfra­gen, ins­beson­dere

  • Wie lässt sich A in B inte­gri­eren, ohne dass B sich hier­durch fach- beziehungsweise diszi­plinen­spez­i­fisch ver­liert?
  • Welche Kon­se­quen­zen ergeben sich hier­aus für B in sich?
  • Wie kann A seine Ange­bote generell für B nutzbar machen?
  • Wie kön­nen die Fach- und Diszi­plinen­struk­turen von A und B zusam­men­genge­führt wer­den?

Da inklu­siv­er Unter­richt let­ztlich in Form inklu­siv­en Fachunter­richts stat­tfind­et, tref­fen im Prax­is­feld Schule die didak­tis­che Eigen­logiken aller Fäch­er auf jene aller son­der­päd­a­gogis­chen Diszi­plinen. Daraus ergibt sich Kom­bi­na­tionsvielfalt und die all­ge­meine Frage, inwieweit lassen sich Fragestel­lun­gen zur grund­sätzlichen und spez­i­fis­chen Koop­er­a­tion über­haupt mit über­greifend­er Gültigkeit diskutie­ren oder mod­el­lieren? Oder ander­sherum gefragt, an welchen Stellen sind Schnitt- und Rei­bungspunk­te nur diszi­plinen­spez­i­fisch aushandel­bar?

 

Reenactment als Unterrichtsmethode — Bericht des Deutschlandradio und Facebook-Diskussion

Inter­es­san­ter Bericht im Deutsch­landra­dio über “Reen­act­ment” als Unter­richtsmeth­ode:

Rol­len­spiel im Geschicht­sun­ter­richt. Auf Klassen­fahrt in die DDR. Von Hen­ry Bern­hard

Dazu eine Diskus­sion auf face­book in der Gruppe “kri­tis­che Geschichte”.

Hierzu meine Kom­mentare aus der Diskus­sion auch ein­mal hier:

    1. “Reen­act­ment” ist keine anerkan­nte Meth­ode des Geschicht­sun­ter­richts. Es ist eine Form des “Doing His­to­ry”, d.h. eine in außer­schulis­ch­er Beschäf­ti­gung mit Geschichte sowie in (auch durch Schule genutzten, dann aber oft als “liv­ing His­to­ry” betitel­ten und eher vor­führen­der, sel­ten die Betra­chter immer­siv ein­beziehen­der Form) Präsen­ta­tio­nen von Geschichte (etwa in Museen) genutzte Form der “Verge­gen­wär­ti­gung” von Ver­gan­genem mit enormer Band­bre­ite zwis­chen exper­i­menteller Archäolo­gie, Ver­an­schaulichung und ganz unter­schiedlichen For­men gewis­ser­maßen nos­tal­gis­ch­er Ver­suche, der Gegen­wart zu ent­fliehen und in eine Ver­gan­gen­heit einzutauchen.Solche For­men sind legit­im, wenn sie frei­willig (also pri­vat oder in selb­st gewählten For­men) geschehen. Sie sind aber alle insofern frag-würdig, als dass alle Vorstel­lun­gen, dass damit die Ver­gan­gen­heit selb­st (“wie sie war”) ver­an­schaulicht, nachge­fühlt oder son­st wer­den kön­nte. Mit ihnen ver­bun­den sind oft ganz unter­schiedliche Vorstel­lun­gen von “Authen­tiz­ität”, die aber alle(!) insofern begren­zt sind, als die Ver­gan­gen­heit eben ger­ade nicht voll­ständig wieder­holt wer­den kann — und auch nicht sollte. Let­zteres wäre eben über­wälti­gend. Reen­act­ment, Liv­ing His­to­ry sind dann wertvoll, wenn dieses Ver­hält­nis zwis­chen _zu_ “verge­gen­wär­ti­gen­der” Ver­gan­gen­heit und “verge­gen­wär­ti­gen­der” Gegen­wart ange­sprochen und reflek­tiert wird, wenn also auch die Wün­sche und Vorstel­lun­gen, “die Ver­gan­gen­heit” immer­siv zu erleben etc., die Unmöglichkeit, das voll­ständig zu tun, und somit die Leitun­gen und Gren­zen (aber auch die in der Gesellschaft vorhan­de­nen Wün­sche bzw. Kri­tik) the­ma­tisiert werden.Schulische Meth­o­d­en (mit ver­gle­ich­baren Gren­zen) sind Rollen- und Plan­spiele, die zwin­gend (!) voraus­set­zen, dass 1.) die Regeln des Über­wäl­ti­gungsver­bots (Beu­tels­bach, oben schon ange­sprochen) nicht gebrochen wer­den, und 2.) Phasen der Reflex­ion (und somit des “aus-der-Rolle-Tretens” sowie des Nach­denkens über die Bedin­gun­gen und Gren­zen der Ver­suche von Ver­an­schaulichung und Ein­füh­lung etc.) einge­hal­ten wer­den.

      Insofern solche “Meth­o­d­en” ange­wandt wer­den, um die erken­nt­nis­the­o­retisch zwin­gende und unhin­terge­hbare Natur von Geschichte als ret­ro­spek­tiv­er (also dessen Ver­gan­gen-Sein und die Nachgeschichte ken­nen­der) Rekon­struk­tion von Ver­gan­genem und der Auseinan­der­set­zung damit auf der Basis der gegen­wär­ti­gen Ken­nt­nisse und Werte aufzuheben, sind sie ungeeignet. Insofern sie aber _Gegenstand_ der Reflex­ion sind, sind ggf. par­tielle, kon­trol­lierte und reflektierte_Versuche_ der Ein­füh­lung dur­chaus sin­nvoll — dann sind sie aber anders als hier beschrieben.

      Das gilt nicht nur, aber beson­ders augen­fäl­lig dort zu, wo es um Gewalt­geschicht­en, Unrecht etc. geht. Wir kön­nen nicht wollen, dass unsere Schü­lerin­nen und Schüler auch nur momen­tan das “echte” Gefühl haben, etwa Häftlinge eines KZ zu sein. Es würde bedeuten, dass sie alle Hoff­nung fahren lassen müssten, dass sie den Zivil­i­sa­tions­bruch, den das KZ-Sys­tem bedeutete etc., voll­ständig erfahren müssten. Es ist schlimm genug (und schon das klingt zu harm­los), dass Men­schen dies wirk­lich erfahren mussten. Andere wirk­lich in solche Sit­u­a­tion brin­gen zu wollen, ist ein­fach unsäglich. Kein(e) Schüler(in) sollte das Gefühl haben, wirk­lich im KZ, in der Stasi-Zelle oder son­st zu sein.
      Dazu kommt näm­lich ein zweites: Es ist gegenüber dem tat­säch­lichen Lei­den der dama­li­gen Opfer (und den tat­säch­lichen Tat­en der Täter, wie auch dem han­deln aller anderen) unangemessen, das heutige, notwendi­ger­weise begren­zte Nach­spie­len für “immer­siv”, für eine Verge­gen­wär­ti­gung des Dama­li­gen auszugeben. Es muss notwendig begren­zt bleiben (die Schü­lerin­nen und Schüler wis­sen hof­fentlich ständig, dass es ein zeitlich begren­ztes Exper­i­ment ist).

      Die nachge­spielte Stasi-Vernehmung ist nicht die Stasi-Vernehmung von damals, die Gedenkstätte ist kein KZ (zum Glück nicht mehr), die nachge­spielte Schlacht ist kein Kampf auf Leben und Tod — und das ist gut so.

      Was wir dage­gen wollen kön­nen und müssen, ist dass die Schü­lerin­nen und Schüler sich auf­grund unter­schiedlich­er Infor­ma­tio­nen ÜBER dama­liges Lei­den und Han­deln ALS HEUTIGE mit dem Dama­li­gen UND SEINER BEDEUTUNG für uns heute und in Zukun­ft auseinan­der­set­zen. Das kann (ggf. muss) Ver­suche auch der emo­tionalen Abstrak­tion von der gegen­wär­ti­gen Sicher­heit etc. bein­hal­ten — aber es darf die Gren­ze der Auseinan­der­set­zung von heute aus nicht über­schre­it­en.

      Begren­zte und kog­ni­tiv wie emo­tion­al reflek­tierte Meth­o­d­en, um die heutige und eigene(n) Wis­sens­bestände und Perspektive(n) zu erweit­ern, sind nötig, nicht aber solche, sie zu ver­lassen, und sowieso nur begren­zt re-kon­stru­ier­bares für “wirk­lich­es Ver­gan­gen­heit” aus­geben­des. Sie wer­den der Natur von Geschichte eben­so wenig gerecht wie dem Lei­den und Han­deln der Men­schen in der gespiel­ten Zeit.

    2. Kri­teri­um des Gelin­gens viel­er solch­er “Meth­o­d­en” im Geschicht­sun­ter­richt darf nicht sein, “die Ver­gan­gen­heit” so gut wie möglich “abzu­bilden” oder “nachzustellen”. Das gilt etwa auch für “pro­jek­tive Schreibauf­gaben”, bei welchen Schüler(innen) aus der Per­spek­tive ein­er (echt­en oder als typ­isch angenomme­nen fik­tiv­en) Per­son Briefe oder Tage­buchein­träge etc. schreiben.Niemand kann tat­säch­lich beurteilen, wann das “gelun­gen” ist. Zumeist wer­den diejeni­gen Schüler(innen) gute Rück­mel­dun­gen (oder gar Noten) erhal­ten, die die Vorstel­lung der Lehrper­son am besten tre­f­fen, oder die in den vorher gelesenen/gesehenen Mate­ri­alien geze­ich­nete Ver­gan­gen­heit am besten “umsetzen”.Das heißt nicht, dass solche Ver­suche unnütz sind. Sie müssten aber in eine Diskus­sion im Plenum darüber führen, welche Aspek­te der entste­hen­den Texte (oder auch Videos) wie belegt sind, wo Entschei­dun­gen getrof­fen wer­den mussten, und welche Oper­a­tio­nen des his­torischen Denkens (etwa probe­weise Dis­tanzierung von der eige­nen Welt­sicht) nötig waren und sind. Diese Diskus­sio­nen müssten nicht in Rich­tung “gut gelun­gen” oder “schlecht gemacht” geführt wer­den, son­dern dahinge­hend, welche Voraus­set­zun­gen und Entschei­dun­gen die Ergeb­nisse so unter­schiedlich machen (weshalb die Lehrkraft immer auch eine eigene Lösung dabei haben sollte, die nicht ein­fach “Stan­dard” ist, son­dern ggf. Kon­trast­ma­te­r­i­al).

      Übun­gen in his­torischem Per­spek­tiven­wech­sel (denn darum han­delt es sich) dür­fen nie den Ein­druck erweck­en, es gin­ge darum, die eigene Per­spek­tive aufzugeben und möglichst ein­deutig “die” andere einzunehmen. Es geht um die Reflex­ion von Per­spek­tiv­ität — ein­schließlich der unhin­terge­hbaren Retro-Per­spek­tiv­ität.

    3. Noch grund­sät­zlich­er (und das The­ma par­tiell ver­lassend): Zwei Teile des Prob­lems:
      1. eine Auf­gaben-Un-Kul­tur des herkömm­lichen Geschicht­sun­ter­richts, die fast nur For­mate ken­nt, die dem Typ der Leis­tungsauf­gabe entsprechen, nicht aber gen­uin Lern-Auf­gaben-Charak­ter haben. Leis­tungsauf­gaben fordern vom Ler­nen­den ab, etwas richtig, voll­ständig etc. zu tun. Ler­nauf­gaben hinge­gen set­zen eine Auseinan­der­set­zung mit etwas neuem in Gang, deren Ergeb­nis nicht gle­ich ein­er Beurteilung unter­zo­gen wird, son­dern Aus­gangspunkt für (möglichst gemein­same, kol­lab­o­ra­tive Reflex­ion) ist. BEIDE Auf­gabenarten kön­nen so angelegt wer­den, dass nicht eine, son­dern unter­schiedliche möglich sind. Bei Leis­tungsauf­gaben ste­ht der Lösungsraum aber weit­ge­hend fest (zumin­d­est hin­sichtlich der Beurteilun­gen), bei Ler­nauf­gaben wird er in der Auseinan­der­set­zung mit mehreren Bear­beitun­gen erar­beit­et.
      2. Die in der Gesellschaft und bei vie­len Ler­nen­den ver­bre­it­ete Grun­dauf­fas­sung, dass es beim Geschicht­sler­nen immer um “richtige Aus­sagen über Ver­gan­ge­nes” gehen müsste, nicht aber (oder nur nach­laufend und nachrangig) um Arten und Weisen, For­men und Kri­te­rien valid­er Bezüge auf Ver­gan­ge­nes, also um (unter­schiedliche) Inter­essen an Geschichte und ihrer “Verge­gen­wär­ti­gung”, um die Bedeu­tung der Ver­gan­gen­heit, um Kri­te­rien, Möglichkeit­en und Gren­zen. Solange Schü­lerin­nen mit der Vorstel­lung in den Unter­richt kom­men _und im Unter­richt darin bestärkt werden_, dass am Ende die Lehrkraft sagen könne, “wie es wirk­lich war”, solange dieser “Default-Modus” der Teil­nahme an GU nicht in diesem Unter­richt der­art pro­duk­tiv aufge­brochen wird, dass Schü­lerin­nen und Schüler erken­nen, dass sie es selb­st sind und sein müssen, die ein ver­ant­wortlich­es Ver­hält­nis zur Ver­gan­gen­heit und zu ihren Funk­tio­nen in der Gegen­wart auf­bauen müssen und kön­nen, so lange ist Geschicht­sun­ter­richt der zugle­ich demokratis­chen und plu­ralen (auch het­ero­ge­nen) Gesellschaft nicht zuträglich.

[auf einen län­geren Ein­wand, in dem Beispiel gehe es ja nicht um Gewalt- son­dern All­t­agssi­t­u­a­tio­nen, und Reflex­ion sei bei vie­len solch­er Aktivtitäten (bes. in Schul­museen) dur­chaus vorge­se­hen]

    1. Ja, es ist sich­er richtig, dass das “harm­los­er” ist, wenn es keine Gewal­ter­fahrun­gen sind.Gleichwohl muss man auch hier fra­gen, was denn diesen All­t­ag gegenüber dem der frei­willig oder unfrei­willig re-enac­ten­den ausze­ich­net, dass er re-enact­ed wer­den soll. Es geht offenkundig um All­t­ag, dessen Unter­schiedlichkeit von dem der Gegen­wart erfahren wer­den soll: “Alter­ität­ser­fahrung”. Aber ohne explizite Reflex­ion bleibt das a‑historisch.

      Ich kenne ger­ade auch in Schul­museen solch­es “Nach­spie­len” von Unter­richt, das nicht nur Schreiben in “Süt­ter­lin” etc . ist, son­dern bei dem bes­timmte Autorität­ser­fahrun­gen (Diszi­plin und Strafen etc.) simuliert wer­den. Da muss man dann doch fra­gen, was der gewün­schte Effekt sein soll, und was wirk­liche “Ein­sicht­en” sein kön­nen:

      - “Jet­zt erlebt Ihr ein­mal, wie streng Schule damals war” (seid froh über Eure Frei­heit­en heute)? — wie his­torisch ist das? Inwiefern wird gespieltes “in der Ecke ste­hen”, gespieltes Mok­ieren der Klasse über falsche Antworten etc. — wenn es denn schon nicht als reale heutige Demü­ti­gung erfahren wird — der dama­li­gen Wirk­lichkeit echter Demü­ti­gung gerecht? Inwiefern erzeugt es ggf. eine Abwehr kri­tis­chen Denkens über heutige Struk­turen, inwiefern erzeugt es “Erle­ichterung, heute zu leben”, die mit dama­ligem Denken gar nichts zu tun hat. Damit will ich gar nichts gegen solche Spiel­szenen sagen. Solange aber nicht reflek­tiert wird, dass sie uns nicht nur anders, son­dern als ein­er über­wun­de­nen Zeit (“damals noch — aber heute”) zuge­hörig erscheinen, weil wir späteres ken­nen, ist es a‑historisch. Dass ggf. die gespiel­ten, von heute aus (im harm­losen Fall) “rück­ständig” erscheinen­den Struk­turen, Meth­o­d­en etc. in der dama­li­gen Sit­u­a­tion dur­chaus auch als Fortschritt erschienen sein kön­nen (Zugang zu Unter­richt für viele) — und GLEICHZEITIG aus heutiger Sicht untrag­bar wären , das wäre etwa auch zu the­ma­tisieren.

      - Gle­ichzeit­ig beste­ht natür­lich auch die Möglichkeit (hof­fentlich sel­tener), dass bes­timmte Struk­turen, die als zum “Damals” gehörig vorgestellt wer­den, für manche Besuch­er gar nicht ver­gan­gen sind, son­dern dur­chaus zu eige­nen Erfahrun­gen passen. Das wäre ein guter Anlass zum Sprechen, bedarf aber beson­der­er The­ma­tisierung.

      - Inwiefern alle solchen “Erleb­nisse” eben keine Erleb­nisse von etwas Ver­gan­genem sind, son­dern Insze­nierun­gen ein­er bes­timmten Auf­fas­sung von Ver­gan­genem, das erst in der Ret­ro­spek­tive in dieser Form dargestellt und gespielt wer­den kann, und das gle­ichzeit­ig an zumeist genau den­jeni­gen Stellen “entschärft” wird, die noch am ehesten der Diskus­sion bedürften (eben Diszi­plin­ierung, Gewalt, Ide­olo­gie), müsste eben­so reflek­tiert wer­den.

      Tem­po­raler Exo­tismus reicht eben als Inten­tion, mit Schü­lerin­nen und Schülern ein Schul­mu­se­um zu besuchen, eben­so wenig wie klammheim­liche Nos­tal­gie. Das aber bedeutet, dass die Spiel­phasen und ‑szenen nicht nur zwin­gend nach­bere­it­et wer­den müssen (und zwar vor Ort, im Gespräch mit den Spie­len­den und mit The­ma­tisierung der gehabten Erfahrun­gen und Gefüh­le, der daraus entste­hen­den Fra­gen an das Damals UND seine Bedeu­tung für heute), son­dern auch vor-bere­it­et, indem etwa von den Schü­lerin­nen und Schülern Erwartun­gen (incl. Äng­ste, Roman­tisierun­gen etc.) gesam­melt wer­den. Man kann das öffentlich im Plenum tun, bess­er aber ist es, das anonym vorzunehmen (Karten schreiben), vielle­icht sollte aber auch zunächst jede® für sich die Erwartung auf­schreiben, die dann nach gehabter Erfahrung erst jew­eils selb­st wieder gele­sen und reflek­tiert wird.

und schließlich:

  1. Alle Motive und Zielvorstel­lun­gen, Ler­nen­den (oder anderen, Besuch­ern von Ausstel­lun­gen etwa) “die Ver­gan­gen­heit” oder wenig­stens “Ver­gan­ge­nes” “näher brin­gen zu wollen” — oder umgekehrt, sie “der Ver­gan­gen­heit” “näher” brin­gen zu wollen, sie “in die Ver­gan­gen­heit reisen” lassen zu wollen etc., sind im besten Sinne frag-würdig. Sie müssen befragt und reflek­tiert wer­den, sie dür­fen allen­falls tem­poräre Teil-Ziele für einzelne Phasen sein, die keine eigene Legit­im­ität haben, son­dern diese erst dadurch gewin­nen, dass sie in umfassendere Ziele gegen­wär­tiger Reflex­ion über das Ver­hält­nis des jew­eili­gen “Ver­gan­genen” zur eige­nen Gegen­wart und Zukun­ft einge­bet­tet sind.