Interessanter Gastvortrag von Steven Stegers (EUROCLIO) zu demokratischen Formen des Unterrichtens, Diagnostizierens und Prüfens im Fach Geschichte

Am 1. Juli hat­te der Arbeits­bere­ich Geschichts­di­dak­tik den Pro­gram­mdi­rek­tor von EUROCLIO, des früheren Dachver­ban­des europäis­ch­er Geschicht­slehrerver­bände und heutiger europaweit tätiger NGO im Rah­men der his­torisch-poli­tis­chen Bil­dung zu Gast. In einem Gastvor­trag an der Fakultät für Erziehungswis­senschaft stellte er — aus­ge­hend von eini­gen Besorg­nis erre­gen­den gegen­wär­ti­gen geschicht­spoli­tis­chen Aktio­nen in ver­schiede­nen europäis­chen Län­dern ein­schließlich einiger Ver­suche, Geschicht­sun­ter­richt in Inhalt und Struk­turen für die Ver­mit­tlung geschlossen­er Geschichts­bilder in Dienst zu nehmen, betonte er in einem anre­gen­den und inter­es­san­ten Überblick über die Ver­hält­nisse in mehreren europäis­chen Län­dern die Bedeu­tung frei­heitlichen, die Befähi­gung der Schü­lerin­nen und Schüler zum eigen­ständi­gen his­torischen Denkens ins Zen­trum stel­len­den “his­to­ry edu­ca­tion” und entsprechen­der nicht-engführen­der Assess­ment- und Prü­fungs­for­men.

On 1st July 2016, the pro­gramme direc­tor of EUROCLIO, the for­mer umbrel­la asso­ci­a­tion of Euro­pean His­to­ry Teacher Asso­ci­a­tions and the today world­wide oper­at­ing NGO, vis­it­ed the Depart­ment of His­to­ry Edu­ca­tion. Start­ing with some alarm­ing exam­ples of con­tem­po­rary his­tor­i­cal-polit­i­cal actions (includ­ing attempts to use his­to­ry teach­ing for the medi­a­tion of ‚closed‘ views on his­to­ry), he pre­sent­ed in his guest lec­ture at the fac­ul­ty an inspir­ing and inter­est­ing overview of the con­di­tions of his­to­ry teach­ing in sev­er­al Euro­pean states. He empha­sized the impor­tance of a lib­er­al his­to­ry edu­ca­tion with open for­mats of assess­ment and exam­i­na­tion that enable stu­dents to think his­tor­i­cal­ly in an inde­pen­dent way.

Gastvortrag zum Thema “Assessment of History learning Outcomes/Exams”

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am kom­menden Fre­itag, 1.7. spricht Steven Ste­gers, Pro­gram­mdi­rek­tor von EUROCLIO an unser­er Fakultät (in englis­ch­er Sprache) unter dem Titel “A Bird‘s Eye View of His­to­ry Exams across Europe. Why the assess­ment of His­tor­i­cal Com­pe­tences mat­ters” über (kom­pe­ten­zori­en­tiertes) Prüfen und Diag­nos­tizieren beim Geschicht­sler­nen.

Aus der Ankündi­gung:

“In this pre­sen­ta­tion, Steven Ste­gers, the Pro­gramme Direc­tor of EUROCLIO (Euro­pean Asso­ci­a­tion of His­to­ry Edu­ca­tors) will share his expe­ri­ence of work­ing on his­to­ry edu­ca­tion projects across Europe. He will focus on the impli­ca­tions of the way assess­ment – espe­cial­ly exams – are impact­ing the way his­to­ry is being taught. He will com­pare and con­trast di!erent prac­tices in terms of the rel­a­tive impor­tance of cen­tral exams: what is being assessed, and what are the aims of his­to­ry edu­ca­tion in the first place.”
Wir laden her­zlich ein.

Einladung zum Gastvortrag (engl.) von Prof. Dr. Carla van Boxtel

Universität Hamburg

Der Arbeits­bere­ich Geschichts­di­dak­tik der Fakultät für Erziehungswis­senschaft der Uni­ver­sität Ham­burg lädt ein zu einem

öffentlichen Gastvor­trag
(in englis­ch­er Sprache)

von

Frau Prof. Dr. Car­la van Box­tel
(Uni­ver­siteit van Ams­ter­dam)

zum The­ma:
Teach­ing His­tor­i­cal Rea­son­ing
From „know­ing that“ to „think­ing with“

am 4. März 2015
18.00 c.t.
Von-Melle-Park 8, Raum 05

Dr. Car­la van Box­tel ist Pro­fes­sor­in­für Geschichts­di­dak­tik (Vak­di­dac­tiek, in het bij­zon­der van geschiedenis­onderwijs) am Forschungsin­sti­tutfür kindliche Entwick­lung und Erziehung und am Insti­tut für Kul­tur und Geschichte der Uni­ver­sität Ams­ter­dam sowie Direk­torin des Nieder­ländis­chen Zen­trums für Sozial­wis­senschafts­di­dak­tik (Lan­delijk Exper­tise­cen­trum Mens- en Maatschap­pi­j­vakken). Sie ist Autorin eines Mod­ells zum “His­tor­i­cal Rea­son­ing”.

Für unsere Pla­nun­gen bit­ten wir um eine unverbindliche Bekun­dung
Ihres Inter­ess­es an ein­er Teil­nahme per Mail (link unten).

Danke
Pro­jekt „HiTCH“ (His­tor­i­cal think­ing
– Com­pe­ten­cies in His­to­ry);
Prof. Dr. Andreas Kör­ber und Team


Mail an HiTCH:

Ich habe Inter­esse am Gastvor­trag von Frau Prof. Dr. van Box­tel und werde wahrschein­lich kom­men.

Gastvortrag am 25.11.2010: Prof. Dr. RH Kofi Darkwah (Winneba/Ghana): „Human Rights and Historical Learning“ — a postcolonial perspective in a globalized world”

„Her­aus­forderun­gen an die Geschichts­di­dak­tik“:
Gastvor­trag
von

Her­rn Prof. Dr. Kofi Dark­wah

His­to­ri­an at the Uni­ver­si­ty of Edu­ca­tion, Win­ne­ba (Ghana)

„Human Rights and His­tor­i­cal Learn­ing“
— a post­colo­nial per­spec­tive in a glob­al­ized world -

(in englis­ch­er Sprache)

Do 25. Novem­ber 2010
18.00 Uhr

im
Völk­erkun­de­mu­se­um Ham­burg

PIASTA Völkerkundemuseum

Afrika — (k)ein Thema im hiesigen Geschichtsunterricht?

“Afri­ka — (k)ein The­ma im hiesi­gen Geschicht­sun­ter­richt?” ist eine Ver­anstal­tung über­schrieben, die der AB Geschichts­di­dak­tik in Zusam­me­nar­beit mit der Hein­rich-Boell-Stiftung (“umdenken”) am 25. Juni durch­führt.

Das Podi­um wird sich der Frage wid­men, welchen Stel­len­wert “Afri­ka” im Geschicht­sun­ter­richt hiesiger (Deutsch­er, Ham­burg­er) Schulen zum einen tra­di­tionell ein­nimmt und ein­nehmen kann und sollte. Dabei geht es nicht allein (und nicht ein­mal primär) um quan­ti­ta­tive Aspek­te, nicht um die Reklamierung des dem Kon­ti­nent “gebühren­den” Anteils, son­dern vor allem auch um die Frage, in welch­er Form und mit welchem Ziel “afrikanis­che Geschichte” the­ma­tisiert wer­den kann und soll.

Den Fly­er zur Ver­anstal­tun­gen find­en Sie hier:

28.4.2010; 19.00h: Gastvortrag Prof. Dr. Bodo von Borries

Ästhetik, Emo­tion­al­ität und Moral als — unver­mei­dliche und reflek­tions­bedürftige — Kom­po­nen­ten des Geschicht­sler­nens

Geschicht­sler­nen stellt dur­chaus einen nicht-nur-kog­ni­tiv­en Prozess dar. Emo­tio­nen, Ästhetik, Moral, Poli­tik, Imag­i­na­tion, Trieb­dy­namik usw. haben ihren Anteil an Aus­lö­sung, Ver­lauf und Ergeb­nis; sie treiben also nicht nur Ler­nen (oder Lern­ver­weigerung) an, son­dern ändern sich auch durch Umgang mit Geschichte. Das ist triv­ial und wird von nie­man­dem bestrit­ten. Es wird aber meist auch über­haupt nicht ernst genom­men, nicht nur in der Unter­richt­sprax­is (mit ihrer häu­fi­gen Still­stel­lung von Ästhetik und Emo­tion), son­dern auch in The­o­riebil­dung, Norm­set­zung und empirisch­er Erforschung im Rah­men akademis­ch­er Geschichts­di­dak­tik.
Es geht im Vor­trag also um zweier­lei. Zum einen sind an exem­plar­ischen Fällen Urge­walt und Unver­mei­dlichkeit der nicht-nur-kog­ni­tiv­en Momente des Geschicht­sler­nens — sie müssen wed­er außer-kog­ni­tiv noch anti-kog­ni­tiv sein! — so zu verdeut­lichen, dass sie nicht wieder gle­ich danach in Vergessen­heit ger­at­en. Zum zweit­en ist anzudeuten, wie sie bei der Norm­set­zung (z.B. Lernziele) ehrlich­er reflek­tiert und in die geschichts­di­dak­tis­che The­o­rie, ins­beson­dere das Kom­pe­ten­zstruk­tur- und ‑graduierungsmod­ell von “FUER Geschichts­be­wusst­sein”, begrif­flich dif­feren­ziert­er inte­gri­ert wer­den kön­nen.

Datum: 28. April 2010
Zeit: 19.00h
Ort: Von-Melle-Park 6 (Philosophen­turm), Hör­saal E

Gastvortrag Dr. Lücke: Anmoderation A.Körber

Andreas Kör­ber

“Diver­si­ty und Geschichts­di­dak­tik”

Ich freue mich, mit Dr. Mar­tin Lücke heute einen Kol­le­gen hier begrüßen zu kön­nen, der als Experte gel­ten kann für eine Fragestel­lung, die – wieder ein­mal – als Her­aus­forderung für geschichts­di­dak­tis­che The­o­rie und Prax­is ver­standen wer­den kann.

Hat­ten wir es im let­zten Gastvor­trag der Kol­le­gin Bea Lundt (die ich hier auch begrüße) damit zu tun, unser Bild sowohl von Afri­ka als auch vom Mit­te­lal­ter in Frage stellen zu müssen und über sich daraus ergebende Kon­se­quen­zen für his­torisches Denken und Ler­nen nachzu­denken, so geht es dies­mal um ein ganzes Bün­del dur­chaus anders gelagert­er, stärk­er kat­e­go­ri­aler Her­aus­forderun­gen. In sin­ngemäßer Anwen­dung unseres Kom­pe­tenz-Struk­tur­mod­ells nicht auf his­torisches Denken als solch­es, son­dern auf die fach­di­dak­tis­chen Kom­pe­ten­zen müsste man davon sprechen, dass unsere “Sachkom­pe­tenz Geschichts­di­dak­tik” ela­bori­ert wer­den muss – und mit ihr die Kom­pe­ten­zen,

  1. fach­di­dak­tis­che Fragestel­lun­gen und fach­di­dak­tisch rel­e­vante The­men­stel­lun­gen zu iden­ti­fizieren,
  2. fach­di­dak­tis­che Lern­prozesse und Unter­richtsmod­elle zu analysieren, um die in ihnen enthal­te­nen Prämis­sen, Set­zun­gen, Werte, das in sie einge­gan­gene Ver­ständ­nis von Form und Ziel his­torischen Ler­nens, aber auch die Vorstel­lun­gen davon zu erken­nen, wie denn his­torisches Ler­nen funk­tion­ieren kann und soll (man kön­nte das an den ger­ade erschiene­nen Arbeits­fas­sun­gen der neuen Ham­burg­er Bil­dungs- und Rah­men­pläne für Pri­mar- und Stadt­teilschule sowie für die verkürzte Sek I des Gym­na­si­ums testen).

Das gilt natür­lich auch für pub­lizierte Unter­richt­sen­twürfe und Mate­ri­alien. Gle­icher­maßen wird dadurch aber auch unsere didak­tis­che Kon­struk­tion­skom­pe­tenz her­aus­ge­fordert (und hof­fentlich ela­bori­ert), näm­lich die Fähigkeit, Fer­tigkeit und Bere­itschaft, im Sinne der uns heute von Mar­tin Lücke präsen­tierten Kat­e­gorien (die dem Titel seines Vor­trages nach ja vor allem Analy­sekat­e­gorien sind) iden­titäts- und ori­en­tierungsrel­e­vante Lern­prozesse und ‑umge­bun­gen zu konzip­ieren – und dann auch wieder zu diag­nos­tizieren.

Dazu gehört natür­lich nach wie vor die Lernbe­din­gungs­analyse, die Analyse nicht nur von Gegen­stän­den und The­men, son­dern der anthro­pol­o­gis­chen, insti­tu­tionellen und kul­turellen Voraus­set­zun­gen von Ler­nen.

“Race, class and gen­der” – die Drei­heit der bere­its klas­sis­cher­weise in der The­o­rie der “Inter­sek­tion­al­ität”, also der gegen­seit­i­gen Durch­dringung und Bee­in­flus­sung von Diskri­m­inierun­gen und Benachteili­gun­gen benutzten Dimen­sio­nen (heutzu­tage zumeist um weit­ere ergänzt) betr­e­f­fen ja ger­ade nicht nur die qua­si sozi­ol­o­gisch zu analysieren­den Diskri­m­inierung­sprozesse, son­dern auch die Iden­titäten, sie sind nicht nur wirk­sam in der Fremdzuschrei­bung von Eigen­schaften und Zuge­hörigkeit­en, bei der In- und Exk­lu­sion, der Er- und Ent­mäch­ti­gung von Men­schen zur Teil­habe, son­dern auch im Bere­ich der Selb­st-Konzepte, der eige­nen Vorstel­lun­gen von Zuge­hörigkeit­en. Und insofern his­torisches Denken und Fra­gen immer mit der Klärung von Iden­tität in zeitlich­er Hin­sicht zu tun hat, insofern his­torische Fra­gen und Denkprozesse aus der zeitlichen Verun­sicherung unseres Selb­st- und Weltver­ständ­niss­es entste­hen, sind sie für die Fach­di­dak­tik bedeut­sam.

Allerd­ings wer­fen die genan­nten Kat­e­gorien natür­lich auch Fra­gen auf: “Race, Class und Gen­der” sind sämtlich keine zeitüber­greifend fest­ste­hen­den, von außen gegebe­nen Konzepte und Unter­schei­dun­gen. An allen dreien lässt sich das zeigen. Die Entwick­lung nicht nur der Kat­e­gorien von geschlechtlich­er Diskri­m­inierung, son­dern ger­ade auch der wis­senschaftlichen Konzepte, mit denen sie analysiert und behan­delt wer­den, ist das wohl bekan­nteste Beispiel, aber auch in Bezug auf “Klassen” gilt, dass sie sozi­ol­o­gisch nicht ohne weit­eres auf alle Zeit­en anwend­bar sind, die Zeit der Klassen­the­o­rien sozialer Ungle­ich­heit galt bere­its ein­mal als vor­bei zugun­sten von Schicht­en und später Milieu-The­o­rien. Ob sie angesichts von Hartz IV und sich öff­nen­der Schere zwis­chen arm und Reich wiederkommt, sein dahingestellt. Und dass “race” ein Konzept ist, dass nicht ohne Reflex­ion auf seine Prämis­sen und Grund­konzepte ver­wen­det wer­den kann, ist angesichts von Ras­sis­men mit ihren spez­i­fis­chen Rassenkonzepten ger­ade in Deutsch­land evi­dent. Mit anderen Worten: Nie­mand – wed­er eine his­torische Per­son als Teil des Gegen­stands eines Lern­prozess­es, noch ein Mit­glied ein­er Lern­gruppe oder ein(e) ander­weit­ig his­torisch Denk­ende® – kann mit diesen Kat­e­gorien ein­fach klas­si­fiziert wer­den.

Race, Class und Gen­der sind aber mehr als nur Beispiele für vari­able Analy­sekonzepte. Wenn sie his­torisch gewen­det frucht­bar gemacht wer­den sollen nicht nur für wis­senschaftliche Analyse, son­dern für rel­e­vante Lern­prozesse, dann müssen sie dif­feren­ziert und reflek­tiert wer­den in didak­tis­ch­er Hin­sicht.

Ger­ade dafür sind wir heute hier. Mar­tin Lücke, Lehrkraft für beson­dere Auf­gaben im Arbeits­bere­ich Didak­tik der Geschichte am Friedrich Mei­necke-Insti­tut der FU Berlin, zuvor Stu­di­en­rat an einem Berlin­er Gym­na­si­um, Mitar­beit­er an Lehrstühlen in Leipzig und Berlin, erscheint dafür genau der Richtige.

Er hat sein Lehramtsstudi­um in Biele­feld absolviert mit den Fäch­ern Geschichte und Deutsch, und sein Ref­er­en­dari­at mit Zweit­em Staat­sex­a­m­en in Berlin abgelegt. 2007 hat er an der Uni­ver­sität Biele­feld bei ein­er aus­gewiese­nen Kol­le­gin der neueren Kul­turgeschichte (Mar­ti­na Kessel) pro­moviert über das The­ma “männliche Pros­ti­tu­tion im Kaiser­re­ich und Weimar­er Repub­lik” und dafür auch mehrere Preise erhal­ten, darunter den Hed­wig-Hintze-Preis des Ver­ban­des der His­torik­erin­nen und His­torik­er Deutsch­lands.

Mar­tin Lücke hat sich daneben aber ger­ade auch in der Fach­di­dak­tik inzwis­chen bre­it­er aufgestellt, etwa durch Ver­anstal­tun­gen und Vorträge sowie Pub­lika­tio­nen zu spez­i­fis­chen Medi­en beim his­torischen Ler­nen (Film), zur The­o­rie his­torischen Denkens und Ler­nens (Stich­wort: Nar­ra­tiv­ität), Holo­caust und his­torisches Ler­nen, Zeit­geschichte und viele andere The­men mehr.

Mein per­sön­lich­es Inter­esse an dem nun fol­gen­den Vor­trag ist eines, das aus ein­er spez­i­fis­chen Skep­sis entspringt, ob und wie die Kat­e­gorien der Diver­si­ty-Ansätze zu den den Konzepten interkul­turellen Ler­nens und Denkens in Beziehung geset­zt wer­den kön­nen. Unter­laufen nicht die klas­si­fika­torischen Sek­tion­ierun­gen mod­erne, vari­able Kul­turbe­griffe – oder kön­nen und müssen sie vielmehr als deren Konkretisierung aufge­fasst wer­den? Inter- und Tran­skul­turellem Denken (im Sinne von W.Welsch etwa) und dem Diver­si­ty-Ansatz liegen sicht­bar ver­gle­ich­bare Prob­le­m­analy­sen und Inten­tio­nen zu Grunde – ihre Instru­mente sind aber zumin­d­est nicht deck­ungs­gle­ich. Kann es sein, dass das “interkul­turelle Ler­nen” noch zu ide­al­is­tisch erscheint und die Diver­si­ty-Stud­ies als Her­aus­forderung und als Fort­führung anti­ras­sis­tis­ch­er Ansätze dies ver­mei­den helfen? Ich bin ges­pan­nt. Ich will hier aber nicht eine neue Gliederung über den Vor­trag leg­en, son­dern freue mich auf die spätere Diskus­sion und bitte nun Mar­tin Lücke, uns die Diver­si­ty mit Blick auf his­torisches Denken und Ler­nen nahe zu brin­gen.

Herr Dr. Lücke, Sie haben das Wort!

20.1.2010: 18.00h: Gastvortrag Geschichtsdidaktik: Martin Lücke: Diversity

Gastvor­trag von Her­rn Dr. Mar­tin Lücke:

„Diver­si­ty und Ungle­ich­heit­en – race, class und gen­der als geschichts­di­dak­tis­che Analy­sekat­e­gorien“

„Diver­si­ty“ ist in aller Munde. Ihr ist der Anspruch imma­nent, gesellschaftliche Het­ero­gen­ität in ihrer Vielfalt zu akzep­tieren und darauf hinzuwirken, dass die durch geschlechtliche, soziale oder eth­nis­che Kat­e­gorisierun­gen entste­hen­den Hier­ar­chien abgeschlif­f­en wer­den, ohne einen Ver­lust an Vielfalt hin­nehmen zu müssen. Aus Sicht der Geschichtswis­senschaft mag eine solche Vorstel­lung naiv erscheinen, haben doch ger­ade die his­torischen Kul­tur- und Sozial­wis­senschaften gezeigt, dass race, class und gen­der als „Achsen der Ungle­ich­heit“ in der Geschichte über­haupt erst schi­er unüber­wind­bare gesellschaftliche Hier­ar­chien hergestellt haben.
Kann die Didak­tik der Geschichte in diesem Kon­flikt ver­mit­teln? Als Mit­t­lerin zwis­chen Gegen­wartswahrnehmungen und Ver­gan­gen­heit kann sie vor allem die His­tor­iz­ität von Vielfalt beto­nen, um Kon­flik­te um Vielfalt in ihrer his­torischen Tiefen­schärfe zu ver­ste­hen. Gesellschaftliche Het­ero­gen­ität wird auf diese Weise zu ein­er Kat­e­gorie mit Geschichte. Indem etwa im Geschicht­sun­ter­richt die Wirkungsmächtigkeit von race, class und gen­der analysiert wird, kön­nen die Schü­lerin­nen und Schüler mit der Geschichte einen sekundären Erfahrungsraum betreten, in dem sie erfahren, in welch­er Vielfältigkeit die Kat­e­gorien race, class und gen­der his­torisch gewirkt haben und dass diese Kat­e­gorien wirkungsvolle Inklu­sions- und Exk­lu­sion­s­mech­a­nis­men bere­it hiel­ten.

Die “Folien” des Vor­trages sind nun hier abruf­bar.

Herr Dr. Mar­tin Lücke ist wis­senschaftlich­er Mitar­beit­er im Arbeits­bere­ich Didak­tik der Geschichte an der Freien Uni­ver­sität Berlin. Er forscht und lehrt zu den The­men Diver­si­ty und tran­skul­tureller Geschicht­sun­ter­richt, Holo­caust und his­torisches Ler­nen und zu his­torisch­er Biografieforschung.

Datum: 20. Jan­u­ar 2010
Uhrzeit: 18.00 Uhr
Ort: Philosophen­turm Hör­saal A
(Von- Melle- Park 6)

Nachträge (21.1.2010):

27.11.2009: Gastvortrag von Prof. Dr. Bea Lundt (Flensburg)


Liebe Kommiliton(inn)en,

am 27.11. startet der Arbeits­bere­ich Geschichts­di­dak­tik eine neue Rei­he mit Gastvorträ­gen. Den Anfang macht Frau Prof. Dr. Bea Lundt von der Uni­ver­sität Flens­burg:

A.Körber

Gastvor­trag von Frau Prof. Dr. Bea Lundt:

Das Afrikanis­che Mit­te­lal­ter als Her­aus­forderung für die Geschichts­di­dak­tik.


beafrika_1Afri­ka im Mit­te­lal­ter? Bei dem Begriff “Mit­te­lal­ter” tauchen cbeafrika_1hristliche Dome vor unseren inneren Augen auf, Rit­ter in glänzen­den Rüs­tun­gen, städtis­che Handw­erk­er, aber auch arme und unwis­sende Bauern in ihren unzivil­isierten Dör­fern. Ger­ade erst erschienen sind Unter­richts-mate­ri­alien, die auch weit­er­hin “das Reich” und seine Kaiser als Vor­form Deutsch­lands präsen­tieren; noch immer einge­set­zt wird eine drei­gliedrige Lehn­spyra­mide zur Kennze­ich­nung ein­er sta­tis­chen sozialen Ord­nung, die ange­blich die Vor­mod­erne kenn-zeich­nete. Dabei zeigt uns die Forschung seit eini­gen Jahren eine dif­feren­zierte, mul­tire­ligiöse und mul­ti­kul­turelle Epoche von hoher Mobil­ität in einem weit über Europa hin­aus­re­ichen­den Raum. Am Ende der Karawa­nen­straßen durch die Sahara befan­den sich große Städte und Reiche. Zur Zeit wer­den in dem mit­te­lal­ter­lichen Gelehrten­zen­trum Tim­buk­tu zahlre­iche ara­bis­che Hand­schriften gesichert, die von Reich­tum und Wis­sen ein­er islamis­chen Schriftkul­tur des Mit­te­lal­ters zeu­gen. In Afri­ka ist man sich dieser Tra­di­tion bewusst und pflegt sie. Doch in die mit­teleu­ropäis­chen Geschichts­bilder sind solche Erken­nt­nisse noch nicht eingear­beit­et. Wir wer­den “unser” Mit­te­lal­ter teilen müssen…

Frau Prof. Dr. Bea Lundt ist Pro­fes­sorin für mit­te­lal­ter­liche Geschichte und für die Didak­tik der Geschichte an der Uni­ver­sität Flens­burg, eben­so nimmt sie Lehraufträge und Assozi­ierun­gen an der Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin wahr.

Datum: 27. Novem­ber 2009

Uhrzeit: 18.00 Uhr

Ort: Anna- Siem­sen- Hör­saal

(Von- Melle- Park 8 )

Gastvortrag: Learning Each Other’s Historical Narrative

Learning Each Other‘s Historical Narrative — Gastvortrag

Vor­trag am 16. Juli 2009 16:15

Ein­ladung zu einem

Gastvor­trag
in englis­ch­er Sprache

Prof. Dr. Shifra Sagy
(Ben-Guri­on-Uni­ver­si­ty of the Negev;
Beer-She­va, Israel)

Prof. Dr. Sami Adwan
(Beth­le­hem Uni­ver­si­ty,
Pales­tin­ian Author­i­ty)

Learn­ing Each Other‘s His­tor­i­cal Nar­ra­tive
An inno­v­a­tive form of peace-pro­mot­ing his­to­ry teach­ing and its back­ground con­di­tions in con­flict­ing soci­eties

Sami Adwan, Prof. of Edu­ca­tion in Beth­le­hem, is co-ini­tia­tor (togeth­er with the late with Dan Bar-On) and co-direc­tor of PRIME, the Peace-Research Insti­tute for the Mid­dle East in Tal­itha Kumi. In this func­tion, he ini­ti­at­ed a project for pro­mot­ing a cul­ture of mutu­al under­stand­ing among Jew­ish Israeli and Pales­tin­ian Stu­dents using a his­to­ry text­book pre­sent­ing the his­to­ry of their soci­eties‘ con­flict in two con­trast­ing nar­ra­tives (Learn­ing each other‘s his­tor­i­cal nar­ra­tive; 3 vol­umes). This project makes use of prin­ci­ples which cor­re­late with stan­dard prin­ci­ples of his­to­ry teach­ing, the­o­ret­i­cal­ly cher­ished in Ger­man his­to­ry didac­tics, how­ev­er not ful­ly imple­ment­ed in teach­ing mate­ri­als so far (mul­ti­per­spec­tiv­i­ty, con­tro­ver­sial­ty, ori­en­ta­tion on nar­ra­tives rather than only on pri­ma­ry sources). Prof. Adwan will give a pre­sen­ta­tion about the idea of, the con­cept for and the expe­ri­ences with this project.

Shifra Sagy, Prof. of Psy­chol­o­gy, has under­tak­en empir­i­cal research about the per­cep­tion of the mutu­al con­flict among Jew­ish and Arab Israeli stu­dents in a lon­gi­tu­di­nal study. She will present her results and dis­cuss them with spe­cial regard to effects of the the chang­ing polit­i­cal sit­u­a­tion onto both the per­cep­tion and inter­pre­ta­tion both of the past and on the atti­tudes towards the oth­er.

Fakultät für Erziehungswis­senschaft, Psy­cholo­gie und Bewe­gungswis­senschaft

Pro­fes­sur für Erziehungswis­senschaft

unter bes. Berück­sich­ti­gung der Didak­tik der Geschichte und der Poli­tik

Prof. Dr. Andreas Kör­ber